Franz und Xaver im Wald

Zeichnung aus einem Notizbüchlein, “Endlosschleife”

Danke an Christiane , die die Etüden, an denen ich gerne teilnehme, verwaltet.
Die Wortspende stammt diesmal von kommunikatz.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Pilze
traurig
schlafen

*

Die beiden alten Freunde Fanz und Xaver im Wald. Als sie so bedächtig und schweigend nebeneinander hergehen, stellt Xaver plötzlich eine Frage:

Franz: Denkst Du, daß der Mensch vernünftig ist?

Xaver: Oha, was für eine unerwartete Frage!

Franz: Schon, aber meinst Du, hat er eine Begabung zur Vernunft? Das frage ich mich nämlich des öfteren.

Xaver: Wenn Du mich fragst, dann hörst Du eher Pilze wachsen”

Franz: Diese Entschiedenheit bei Dir macht mich jetzt traurig! Wie kannst Du das so hart formulieren?

Xaver: Die Vernunft ist eben schlafen gegangen, vermutlich schläft sie schon, seit es die Menschheit gibt. Aufwachen gelingt immer mal ab und an für ein Stück, dann ist aber wieder Ruh.

Franz: Du scheinst mir aber ein starker Pessimist zu sein, mein lieber Xaver. Das gefällt mir rein gar nicht.”

Xaver: Du hast mich gefragt, dies ist meine Meinung. Überzeuge mich, daß es anders ist!

Und so gingen sie weiter, immer wieder dabei stehen beleibend. Was sie einander sagten, weiß ich nicht, da ausser Hörweite.

*


19 thoughts on “Franz und Xaver im Wald

  1. Es ist so spannend, auf welche Fährten unterschiedliche Menschen durch die selben drei Wörter gesetzt werden. Je abwegiger, desto spannender! Eine philosophische Unterhaltung über Vernunft hatte ich nicht erwartet und finde ich super!

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  2. Der Franz ist anscheinend einer, auf den das Gehen durch den Wald ähnlich wirkt, wie am Wasser entlang, wo die Gedanken müssig auseinanderlaufen und plötzlich mit essentiellen Fragen zurückkommen . Eine sehr schöne Idee.

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  3. Zwei Philosophen, die beiden, wie schön. Ob “der Mensch” vernünftig ist? Erst mal müssten dazu die Parameter geklärt sein, was die beiden darunter verstehen. Ich für mich denke: Einzelne ja, die Summe nein.
    Interessante Frage, danke dir! 🤔
    Mittagsgruß 😉🌞☕👍

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      1. Momentan unterscheide ich zwei Vernunftarten. Die eine ist die mit klarem – auch abgeklärtem – Denken verbundene, die umsichtiges und verantwortungsbewusstes Handeln ermöglicht. Davon gibt es zu wenig in der Welt, scheint mir.
        Dann gibt es eine Art Vernunft, die gar keine Vernunft ist, sondern eine Verkleidung. Sie wird vorzugsweise übergezogen von inneren Haltungen wie Verzagtheit und Resignation, Mutlosigkeit und Bequemlichkeit. Von dieser Verzagtheitsart gibt es viel zu viel. Finde ich jedenfalls.

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        1. Verantwortungsloses Handeln: Da gibt es erschreckende Beispiele, die ein jeder kennt.
          Für Verzagtsein gibt es auch viele Beispiele, aber nicht alle Verzagten können in Therapie. Zumal ja auch ein Therapeut die persönliche Verzagtheit gut und stabilisierend finden kann.

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