Üppigkeit zu später Stunde

Heute  um kurz vor 18:00, bahnte sich ein Wechsel in den wirklich subtropischen Temperaturen der letzten Tage an.

Es war etwas weniger heiß als noch zur Mittagszeit, etwa “nur” 33 Grad statt der 40 plus. Man spürte eine Art Erleichterung.
Die Luft geriet zudem allmählich in Bewegung.

Zwischen 17:50 und 18:50 schickte ich mich zufällig an, einen Spaziergang zu machen und meine Kamera mitzunehmen.
Die Tage zuvor war es zu heiß, die Insekten viel zu quecksilbrig und zu klein, ein Getümmel und Getummel, ein Taumel fast, es war kein Vergnügen. Ausserdem war es wirklich keine Vielfalt, die ich vorgefunden hatte!

Heute Abend aber war es plötzlich anders: Es schien, als wären all die Insekten zum Leben erwacht, die bisher kaum zu sehen waren.
Wo sonst manchmal gähnende Leere auf den Rainfarnstauden lag, wimmelte es plötzlich von Insekten aller Art.
Es schien, als würden sie auf die flirrende Hitze der letzten Tage mit einem Sturmlauf auf die nektarreichen Blüten antworten.
Vielleicht war es schlicht beissender Hunger, aufgeschichtet durch die letzten unwirklich heißen Tage.

Soviel Aufnahmen wie an diesem Abend habe ich selten gemacht und dazu noch von so manchem mir wenig oder nicht bekanntem Getier.

Um 18:50 versagte dann mein Akku, sonst wäre es vermutlich weitergegangen. Doch merkte ich zu diesem Zeitpunkt schon ein Nachlassen der Aktivität auf den Pflanzen.

Dieser Rainfarn steht übrigens unweit meines Zuhauses am Wegrand und misst gerade mal mit seinen Dutzend Strächern 20 m in der Länge.
Eine bequem zu erreichende Oase.
Es zeigte sich, daß ich nicht weiter zu gehen brauchte als bis dahin und auch nicht in die anschl. Wiese zu gehen brauchte, wo eh kein Rainfarn war. Sondern ich schritt diese 20 m einfach mehrfach auf und ab.

Der Rainfarn zog dabei nach meinem Empfinden 90 % des Insektenverkehrs an. Einige wenige Disteln hatten naturgemäss auch guten Verkehr, sowie auch ein wenig die wilde Möhre.
Letztes Jahr um diese Zeit war sicher dieser Bestand schon abgemäht. Den Rainfarn musste ich damals viel weiter weg aufsuchen. Dieses Abmähen wird sicher auch diese Zeile treffen!

Was bei all den heutigen Fotos auffiel , war ein durchaus agressives Verhalten der Tiere:

Ein (sehr stoischer) Trauer-Rosenkäfer wurde permanent von Ameisen angegangen, ich habe das im Einzelnen dokumentiert.
Es kann aber sehr wohl sein, daß die Ameisen nur Pollen vom mächtigen Körper des Käfers abklaubten.
Der Käfer wehrte sich ja überhaupt nicht. Ameisen können mit ihren Beißwerkzeugen ja wirklich Schaden anrichten. Auch entdeckte ich eine Wildbiene, die auf ihrem Körper herumkletterte und dort den aufgematschten Blütenstaub abfraß. Insofern wird diese Okkupation des Rosenkäferkörpers lediglich der Säuberung dienen.

Aber Ameisen stiessen auch einfach grössere Wespen vom Rainfarnteller.
Und Wespen griffen sich selbst auch gegenseitig an, Kopf an Kopf. Die dann Unterlegene lies das nicht auf sich sitzen, sondern griff die Siegerin nach 3, 4 Sekunden an und dann nochmals, obwohl sie ja eigentlich genügend Möglichkeiten zur Nektar- oder Honigtauaufnahme ringsum hatte. Erst danach zog sie ruhig auf einem freien Rainfarnteller ihre Bahn.

Ich zeige von diesem 4stelligen Fotomarathon, der zudem auch von 10 Minuten Gespräch mit Nachbarn  (man muß ja erklären, was man da so auf dem Weg macht – ist ja wirklich eigentümlich) unterbrochen wurde, zunächst nur ein Bild.

Weitere werden hoffentlich folgen. Es war ungemein viel an Aktivität, das ich fotografisch zu bannen versuchte.
Ich bin auch sicher, daß mir noch manches bei der Analyse der Fotos begegnen wird, was ich beim Fotografieren selbst nicht bemerkt hatte.

Attacke

Was ich auch feststellen muß: Ich lerne fast tagtäglich hinzu. So manche Annahmen über die Insektenwelt ist noch fehlender Kenntnis zuzuordnen. Ich sehe eben die Aufnahmen und mache mir meinen Reim darauf, der in so manchen Fällen nicht fundiert ist.

Ist es interessant, die Bedingungen und die Lebensweise der Insekten verstehen zu wollen?
Nun, es ist eine sehr alte Tiergruppe und manche Errungenschaft der höheren Tiere sind schon bei Insekten zu finden. Es ist vermutlich sehr viel Komplexes, was höheren Tieren möglich ist, schon in Insekten zu finden. Zudem verfügen sie über gewisse Sinnesleistungen, von denen wir Menschen “nur träumen können”.

Sogar so etwas wie ein Schmerzgedächtnis konnte man kürzlich bei Insekten nachweisen.
Eine gute Million Neuronen reichen offenbar aus, um komplexes Verhalten abzubilden.

Desweiteren gibt es natürlich das Motiv des Insektenschwunds. Viele Arten sind ja nur noch punktuell anzutreffen.

Das Urmotiv aber bei mir ist die unerwartete Schönheit dieser Tiere. Etwas, was man oft nur auf dem zweiten Blick wahrnehmen kann.

10 thoughts on “Üppigkeit zu später Stunde

  1. Toller Artikel! Rainfarn wollen wir nächstes Jahr im Garten haben und schauen schon jetzt, wo er steht und hoffentlich nicht zu früh abgemäht wird.
    Ich hoffe auf mehr Fotos von deinem Ausflug zum Rainfarn – und teile deine Faszination in Sachen Insekten, habe derzeit aber leider keine Cam, die gute Makrobilder macht.

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    1. Nachdem man dieses Jahr nachweisen konnte , dass Fliegen etwa über ein Schmerzgedächtnis verfügen, wird es vielleicht allgemein bewusster, dass diese Tiere nicht ganz so plump sind wie gedacht. Winzigkeit schließt Komplexität nicht aus.

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