Ein Großer verlässt die Bühne

schach

Vladimir Kramnik, der Weltmeister im Schach von 2000 bis 2007, hat vor kurzem mit 43 Jahren seinen Rücktritt erklärt.
Seit seinem Sieg 2000 über Garry Kasparov verfolgte ich seine Karriere sehr intensiv , war von der Tiefe seines Spiels beeindruckt. Gerade in seinen Analysen auf Pressekonferenzen zeigte er, was er in den jeweiligen Partien alles bedacht hatte.
Andere Zeitgenossen beachtete ich in dieser Zeit wenig.
Vor 5 Jahren kam der jetzt 28-jährige Magnus Carlsen ins Spiel. Er versteht es vor allem, völlig gleiche Stellungen zu einem Vorteil zu verdichten. Dennoch verfolgte ich weiter Vladimir Kramnik.

Wie fing alles an?
1972 gab es ja den legendären WM-Kampf Boris Spassky  gegen Bobby Fischer.
Ich als Novize im Schach versuchte die 24 Partien des WM-Kampfs so gut wie möglich zu verstehen. Was natürlich nur näherungsweise gelang.
Nach dem Gewinn des WM-Titels verschwand Fischer von der Schachbühne und andere nahmen seinen Platz ein.
Damals war ich über einige Jahre ein Fan des Dissidenten Viktor Korchnoi. Ich lies mir eines seiner Bücher von ihm signieren und nahm an einem Simultan gegen ihn in Würzburg teil. Auch in Bad Kissingen, wo er mehrmals spielte, war ich Zuschauer.

Kasparov war von 1985 an der maßgebliche Spieler. Er war der erste, der seine Varianten mithilfe von Computeranalysen schärfte.

Und dann kam Kramnik, über den ich anfangs sprach.

Sein Verzicht jetzt auf weiteres Mitspielen im Olymp des Schachs lässt sich leicht erklären: Er ist Familienvater und wird es zunehmend schwierig finden, 8+ Stunden täglich hart zu trainieren, d.h. vor allem die neuesten Partien anzuschauen, seine Eröffnungen zu checken und die Schlüsselvarianten ständig zu memorieren.
Leute, die 20 – 25 Jahren jünger sind, haben eine ganz andere Motivation – sie wollen ganz nach oben und sind bereit, endlos Arbeit in ihre Passion zu legen.

Für mich persönlich ist der Weggang von Kramnik ein Schlag.
Ich weiß nicht, welcher Spieler ihn ersetzen könnte. Der Weltmeister Magnus Carlsen hat z. Zeit keinen ebenbürtigen Gegner und es tauchen auch keine charismatischen Spieler, wie es Kramnik war, neu auf. Die, die in Frage kämen, haben nicht die Stamina über lange Zeit hinweg.
Auf alle Fälle entfällt ab jetzt das Mitfiebern bei einem Turnier, an dem Kramnik teilnahm.

 

 

 

 

 

 

 

 

13 thoughts on “Ein Großer verlässt die Bühne

  1. Mir geht’s wie Peter: lang lang ist’s her, dass mein Mann und ich bei unserem ersten gemeinsamen Urlaub in Norwegen täglich die Zeitung kauften, um die WM Spiele Fischer Spassky nachzuspielen. Zu Hause hab’s ein Lehrbuch von Nimzowitsch, mit dem lernten mein Bruder und ich. Es hatte unserm Vater gehört, der ein begeisterter Spieler war. An Kramnik erinnere mich auch noch. Die jetzigen Spiele der WM mit Carlsson haben mich nicht mehr interessiert, eigentlich fing mein Desinteresse mit Carpow an. Wenngleich ich keine vergleichbare Erfahrung mit Schach habe, kann ich deine Enttäuschung verstehen, wenn einer, der dich inspiriert hat, nun geht. .

    Liked by 2 people

    1. Danke Gerda! 🙂
      Das berühmte Nimzowitsch-Lehrbuch!
      Dann gab es auch noch Kmoch: Die Kunst der Verteidigung – wirklich gute Bücher, die die Autoren lange entwickelt hatten.

      Ein bisschen hat mir an Kramnik auch gefallen, daß er – auch – weltgewandt wirkte und jetzt sicher auch ein gutes soziales Leben führen wird.
      Für mich gehört “Genie” und “gute Lebenspraxis” nach Möglichkeit zusammen.

      Wie dem auch sei … es war klar, daß er nicht mehr lange Schach auf diesem Niveau spielen würde. Zu entbehrungsreich auch. Jetzt ist es soweit und hoffentlich geht das Leben für ihn gut weiter.
      Ich hätte ihn gerne auch mal kennengelernt.

      Liked by 1 person

  2. Deine Nostalgie für den russischen Schachmeister Kramnik hast gut zum Ausdruck gebracht und kann ich sie so richtig nachempfinden. Leider sind für mich Kramnik und all die anderen Größen, die mich zum Schachspielen einst animiert haben, nur noch blasse Erinnerungen.

    Liked by 4 people

      1. Sorry Gerhard, ich sehe gerade, dass ich in meinem Kommi oben hinter “Großen” den Buchstaben “K” vergaß …
        dann stimmt meine Aussage nämlich, denn Viktor Korchnoi war nicht so stark wie die genannten 3 Ex-Weltmeister.
        Not to forget: Aljechin 🙂

        Liked by 2 people

        1. Viktor war bärenstark. Er hatte aber nur wenig Chancen als Einzelner gegen das Team Karpovs.
          Aljechin wird von so manchen Spielern als Idealspieler angesehen – er war unheimlich zäh und bot Capablanca einen Kampf, der zuviel war für den Kubaner.
          Aber meine These war ja, daß mit dem Verschwinden von Kramnik für mich eine Ära zuende gegangen ist!
          Ich konnte es nicht glauben, als ich das gestern las!

          Liked by 2 people

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s