Schach auf neuem Level

AlphaZero, das selbst lernende System aus dem Hause “Deepmind”, nur mit den Regeln des Schachs gefüttert, hat vor einiger Zeit das führende kommerzielle Schachprogramm deutlich geschlagen.

Wenn man einzelne Partien von AlphaZero ansieht, dann sind die “Strategeme” so weitsichtig, wie sie nur sein können. Es grenzt fast an Hexerei, wie tief und weit dieses System schauen kann.
Interessant für Schachspieler sind auch die Bewertung der Eröffnungen, also bestimmter Sets von Anfangszügen.  Man sagt, wenn AlphaZero 85% Gewinnwahrscheinlichkeit in einer Eröffnungsvariante voraussagt, dann ist im Grunde diese spezielle Eröffnung für Schwarz verlustbringend – im rein theoretischem Sinne natürlich, nicht wenn Menschen gegeneinander antreten.
Selbst AlphaZero wird aber wohl nicht vorhersagen können, ob der Anziehende (Weiß) theoretisch bei bestem gegenseitigem Spiel gewinnen muß oder die Partien unentschieden ausgehen sollten. Eine alte Frage, die weiter ungeklärt ist!

Im Wissenschaftsmagazin SPEKTRUM 11/18, das sich auf ein Interview mit dem Wissenschaftler Judea Pearl in “Quantamagazine” bezieht, wurde diese Leistung, die AlphaZero bringt, durch diesen sehr renommierten Wissenschaftler  zurecht gerückt. Er meint, diese Leistung sei nichts anderes “wie im Grunde eine Kurve an Daten anzupassen”. Für ihn würde echte Innovation in der KI sinngemäss so aussehen, wenn Systeme daran gehen könnten, selbstständig “Modelle der Welt” zu entwickeln.
Mich überraschte diese Sicht, war doch die Leistung von AlphaZero absolut glänzend.
Doch bin ich kein Fachmann der KI, also nehme ich nur hin, daß man da verschiedener Meinung ist.

 

11 thoughts on “Schach auf neuem Level

  1. Lang lang ist´s her, da hatte ich mal einen Schachcomputer, gegen den sogar ich von Zeit zu Zeit gewann. Dann kam irgendwann der PC und gegen das Programm darauf hatte ich nur noch selten eine Chance.
    Was mich mal interessieren würde. Was passiert, wenn man AlphaZero gegen sich selbst spielen läßt. Führt das dann zwingend zum Remis?

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    1. Alphazero spielte ja zig mal gegen sich selbst, um so zur jetzigen Stärke zu gelangen. Das war die Methode! Alle Erfahrung ging sozusagen direkt mit Schwarz und Weiss ein.
      Vermutlich wird Alphazero nun aber kaum mehr gegen sich selbst gewinnen.

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  2. Einige der kritischen Gedanken von Pearl sind wirklich gut! Einer der Computer-Pioniere, Joseph Weizenbaum, war im Alter ebenfalls kritisch gegenüber seiner eigenen Disziplin geworden und hat ein auch heute noch sehr lesenswertes Buch geschrieben: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft. Man muss wohl Experte auf seinem Gebiet sein, um die Schwächen zu erkennen.

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    1. Danke für Deine Gedanken, Joachim!

      Bzgl. “Altersweisheit”: Ich hatte auch mal ein Interview hier von dem wunderbaren Biochemiker Schatz gebracht, in dem er von den heranträuenden Grenzen der Wissenschaft in SWR2 sprach.
      Jüngst ist ja eine Frau Hossenfelder auf dem Gebiet der Physik stark im Gespräch. Wie stehst Du eigentlich – wenn Du willst – zu ihrer Kritik der Physik?
      Danke 🙂

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  3. Ich hab nur dreimal gegen einen Schachcomputer gespielt – und verloren (so wie anfänglich ziemlich lange gegen Menschen). Es reizte mich NULL, damit fortzufahren, denn ich sah keinen Sinn darin, partout eine Maschine besiegen zu wollen.

    Was die angesprochene Frage angeht: Sicher hat doch schon irgendwann mal wer eine Statistik aller bekannten Schachpartien aus Zeitraum X erstellt, um zu schauen, ob mehrheitlich Weiss gewinnt?

    Zu KI: manchmal wirkt es auf mich, als projizierten Menschen Erwartungen an KI, die man einst (=als noch geglaubt werden konnte) nur an Gott gerichtet hätte. Dabei sollte doch allen Mitdenkenden beim Anblick der Welt lange klar sein; Wir haben keinen Mangel an kreativen Ideen, sondern handfeste, sich verschärfende gegensätzliche Interessen!

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    1. Danke Claudia!
      Zu meiner Frage: Es ging ja um die Frage, ob das Spiel THEORETISCH remis ausgeht oder nicht. Also ob der Anzugsvorteil zum sieg führen muss.

      Dass man Fantasien hat, was alles Ki leisten soll und dass es uns von allen Übeln befreien soll, ist in der tat eine Projektion!

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  4. Das eine wird dem Schachkomputer immer fehlen, die innere Spannung, die Gedanken, die den Menschen beim Schachspiel immer begleiten, das Empfinden bei jedem Zug und beim gelungenen Spiel, und die Sorge um eine verlorene Partie.

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