Ich bin hier und alles ist jetzt

Dr. Edith Eva Eger’s Buch:
“Ich bin hier, und alles ist jetzt”.

*

Edith Eger wurde als 16-Jährige ungarische Jüdin nach Auschwitz deportiert.
Über ein Jahr überlebte sie zunächst das Lager als auch einen Todesmarsch nach Österreich, um Monate später im halbtoten Zustand von den Allierten befreit zu werden.
Erst nach der Befreiung merkte sie, daß ihr Rücken gebrochen war. Sie musste sich einer langjährigen physikalischen Therapie unterziehen und auch in dieser Zeit war sie nicht ungefährdet, wie sie schreibt.
In ihrer Heimatstadt, die wieder tschechisch geworden war und in die sie nach der Behandlung zurückging, kam sie durch das kommunistische System plötzlich erneut in Gefahr.
Wieder war Flucht notwendig.
Angedacht war Israel, aber sie entschied sich in letzter Minute für Amerika, wofür sie durch sehr glückliche Umstände ein Visum hatte.

Das in Kurzform über ihre sehr schwierigen Jahre als Jugendliche und junge Frau.

Ihr Leben war als Folge der Erlebnisse eine ständige Konfrontation mit den erlittenen Traumen.

Sie schlug spät den Weg einer Therapeutin ein. Zufällig wurde dies in die Wege geleitet durch eine Begegnung mit Viktor Frankl, der eine Aufzeichnung von ihr gelesen hatte.

In ihrem Buch erzählt sie nun sehr ausführlich von ihrer Arbeit als Therapeutin. Einige Patienten führten sie überraschenderweise erst richtig an ihre Problematik heran.
Durch beständige Konfrontation mit ihren eigenen schwierigen Gefühlen gelang es ihr, sich etwas zu befreien. Zwar waren Flashbacks immer möglich, aber diese akzeptierte sie ebenso wie schlaflose Nächte und Schmerzen.

Es gibt im Buch Grundsätze, die sie immer wieder vermittelt. Die Grundbotschaft ist immer, die Verantwortung für Heilung selbst zu übernehmen.

Das Buch erzählte mir eine unglaubliche Geschichte und machte einen Willen sichtbar, der sich gegen jeden Widerstand auflehnte. Es hat allerdings Längen, man wartet auf Maßstäbe fürs eigene Leben und erfährt eigentlich nur, daß es sich lohnt, zu kämpfen, immer und immer wieder.

 

 

 

 

 

15 thoughts on “Ich bin hier und alles ist jetzt

  1. Ich habe mit großem Interesse deinen Post über das Buch von Dr. Eger gelesen. Ich stimme völlig all dem zu, was in den Kommentaren deiner Leser gesagt wurde. Man muss bereit sein, mit seinen eigenen Problemen fertig zu werden, bereit sein, Hilfe von anderen anzunehmen, und, das ist für mich besonders wichtig, seinen Glauben an das Gute im Leben nicht zu verlieren.

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  2. Danke für den interessanten Beitrag.

    Im Kommentar von Ulli fand ich die Formulierung von den “eingesammelten Werkzeugen” sehr passend, denn es entspricht auch meiner Erfahrung, dass mir Anleitungen fast nie so weit geholfen haben wie das eigene Erkennen von Handhaben, oft zufällig, mit denen ich etwas anfangen konnte.

    Gegenüber einem Roman oder einer erzählerischen, aufrichtigen Autobiografie fühle ich mich beim Lesen freier, offener, als dies meistens bei Ratgeberliteratur der Fall ist. Ich bin kritisch, beinahe alarmiert, wenn ich in solchen Produkten mit einem vereinnahmenden Wir oder einem wegweisenden Sie angesprochen werde – ein Teil des Problems vielleicht, aber für mich hat sich der Widerwille gegen Einflussnahmen sehr frühzeitig als meine Form der Resilienz entwickelt.

    Die einzige Anleitung, die ich jemals Punkt für Punkt annehmen konnte, war ein umfangreicher Fragenkatalog zur Anlayse des eigenen Traumgeschehens, der mir gelegentlich auch immer noch hilft, bestimmten geträumten Situationen, aber auch dem Funktionieren von Triggern auf die Spur zu kommen und mich so weiter dessen zu bemächtigen, was mir verborgen ist.

    Trotz meiner kritischen Einstellung gegenüber “Ratgebern” glaube ich, dass ein Mensch, der sich mit eigenen Traumata oder Defiziten auseinandergesetzt hat, wirklich einen besseren, verständnisvolleren und vielleicht auch geduldigeren Therapeuten abgibt.

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    1. Geduldig war sie, sie nahm alle Nöte der Menschen an, egal, wie “schlimm” sie waren.
      Traumata hatte sie eigentlich genug zu verabeiten, denn auf gewisse Weise war sie “schuld” am Tod ihrer Mutter gewesen.
      Das Buch ist ein Mix aus Biographie und “Ratgeber”.
      Was ich etwas störend fand, war die sehr poetische Sprache in Zeiten höchster Not, für die wohl die Co-Autorin zuständig war. Geruch von Erde, Luft, das Hier und Jetzt im Verein mit völligem Darniederliegen des Geistes (sie musste danach z.B. wieder die Buchstaben lernen) .
      Ratgeberliteratur hatte ich zuletzt in meinem psychologischen Jahrzehnt, den 80ern gelesen. Danach nicht mehr.

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      1. Hm, du könntest recht damit haben, dass da auf Verlagswunsch hin etwas poetische Beobachtungsweise hinzugefügt wurde, aber ebensogut kann ich mir vorstellen, dass solche Wahrnehmungen einen vom Leid betroffenen Menschen dazu verhelfen, nicht völlig darin zu versinken.
        Das Sichausblenden, des geistigen Zurückziehens aus der Bedrängnis muss in ihrem Fall sehr weit gegangen sein.

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        1. Sicher hatte sie Werkzeuge, etwa das virtuelle Kochen mit Insassinnen.
          Irgendwann brach aber das Seelische/Geistige zusammen, aufgrund des Hungers und der Not. Das war fast vegetatives Leben.
          Nach der Befreiung wurden erst die körperlichen Wunden spürbar.
          Das Nicht-irre-werden am Menschen schlechthin, das war für mich eigentlich das Wunderliche.

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  3. Lieber Gerhard, zwei Haltungen fallen mir auf, die eine, dass man selbstverantwortlich ist, was aber die Inhilfenahme von anderen nicht ausschließt, das andere, dass flashbacks immer wieder kommen können, so erlebe ich es selbst auch, aber durch die eingesammelten Werkzeuge bleiben sie nicht mehr sehr lange und habe ich gelernt anders mit ihnen umzugehen. Natürlich frage ich mich immer wieder wie es für tief traumatisierte Menschen ist, da braucht es so viel Kraft, die nicht jede und jeder hat (?).
    herzliche Grüße, Ulli

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    1. Woher die Kraft kommt?
      Die Autorin hatte sie schon ganz zu Anfang des Horrors. Eigentlich war sie ein ungeliebtes Kind, daher umso erstaunlicher.
      Sicher war die Anwesenheit ihrer Schwester im KZ hilfreich. Das war im übrigen auch bei Max Mannheimer so. Der hatte seine Brüder (wobei einer von ihnen nur kurz bei ihnen war).
      In irgendeiner Erinnerung von einem KZ-Insassen las ich, daß einige der Gefangene schon am 1. Morgen tot waren: Sie hatten wohlweißlich Gift dabei., verrieten nichts von ihrem Vorhaben.
      Gruß
      Gerhard

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          1. Das habe ich schon verstanden, aber es ist auch okay, ich will jetzt nicht noch einmal die Frage stellen, zumal ich glaube, dass weder du noch ich sie wirklich beantworten können.
            herzliche Grüße, Ulli

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