Exhibition on Screen: Canaletto

Das Kino Central in Würzburg zeigte heute Morgen den gleichnamigen Film über einen der bekanntesten Maler Venedigs.

Es war zugleich ein Bericht über eine umfangreiche Ausstellung in England zu Canaletto, die bis ins Jahr 2019 reichen wird.
Canaletto war mir ein Begriff durch eine TV-Doku in den 90ern.
Ich war gespannt, wie man Canaletto und die damalige Zeit heute aufziehen würde.

Canaletto lebte Ende des 17. und im 18. Jahrhundert in Venedig, mit einer Maltradition im Rücken, die bis zu Tizian zurückging.
Und das will etwas heißen. Denn die aufgeführten Namen, die ich z. Teil kannte, vermittelten wahrlich eine lange Tradition.
Der direkte Vorgänger der sogenannten Vedutenmalerei, für die Canaletto sehr berühmt wurde, war jemand, dem im Gegensatz zu Canaletto die Darstellung von Himmel, Sonne, Wasser, Luft und Licht weniger gut gelang. Sehr bald war deshalb Canaletto der Mann der Stunde!
Bei seinem Vater Canal hatte er das Rüstzeug erworben, u.a. eine funktionierende Perspektivität. Der Film zeigt durch entspr. röntgenologische Mittel, wie Canaletto vorging: Von Skizzen ausgehend, legte er mit Kohle und Lineal Linien für seine Komposition auf zweifach grundierter Leinwand fest und überarbeitete dann diese Hilfslinien. Die damals bekannte und geschätzte Camera Obscura schien er nur als gelegentliches Hilfsmittel zu nutzen.
Konsul Smith, ein reicher Engländer, der durch Handelsgeschäfte sehr reich wurde, kaufte bei ihm Bilder und gab ihm neue Aufträge. Später dann erzielte Smith eine weitere Einnahmequelle, indem er in seinem Hause Bilder von Canaletto und anderen venetischen Künstlern an Engländer verkaufte bzw. Aufträge von ihnen anhand von Drucken, die mehr oder weniger Blaupausen für Gemälde waren, erhielt. Diese Engländer waren reiche Touristen und wünschten sich meist eine Kopie von Werken, die sie so oder ähnlich bei Konsul Smith vorfanden.

Canaletto verreiste fast nie. Er hatte bald Angestellte wie jeder erfolgreiche Künstler und man sagt sich, daß er in seinem Atelier bei vielen Werken nur den finishing touch setzte.
Man sagte sich zu seinen Zeiten auch, er brauche nicht nach England zu reisen, weil ein jeder schon Werke von ihm habe 🙂

Später reiste er dann doch nach England, vielleicht aus kreativem Überdruss, malte dort andere Sujets, war mäßig erfolgreich damit und kehrte in seinen Sechzigern wieder nach Venedig zurück.
Er musste alsbald seine eigene Sammlung und seine Bücher (eine 5-stellige Zahl ! ) um 1762 verkaufen. Er starb einsam und ohne Vermögen.

Die Kuratoren der jetzigen Ausstellungsrunde (es gibt mehrere Ausstellungsorte) zeigten große Achtung für Canalettos Kunst. Man pries seine malerischen Mitteln, seine Akribie, zeigte sogar im Detail eines seiner Skizzenbücher. Er hatte die Angewohnheit, Skizzen seitenübergreifend fortzusetzen. Kleine Kennzeichen beschrieben die Grundfarbe des jeweiligen Gebäudeteils.
Man sagte im Film, er abstrahierte die Stadt-Landschaften Venedigs, doch schien es mir, als beträfe das nur die Stimmung der Bilder. Ich fand keinen Hinweis, daß Canaletto Gebäude erweiterte, verschob oder dazu dichtete. Lediglich eine Laterne, die optisch-formal nicht recht ins Bild passte, entfernte er nachweislich in einem Fall.

Mir fiel im Film auf, daß die Draufsichten auf Plätze – und von denen gibt es viele in Venedig, so gestaltet waren, daß die Menschen in Gruppen zusammenstanden und daß kein Mensch dabei den anderen überdeckte, es sei denn er war Teil der jeweiligen Gruppe. Auch bei Kanalszenen war das so. Die Menschen waren in ihrer Gestalt jeweils fast vollständig zu sehen.
Davon unberührt war eine Art impressionistische Malweise. Für kleinere Figuren oder Gesichter, gerade in Abendsonnenszenen, setzte er nur einen markanten Fleck. Einen Giebel setzte er aus diversen Farbflächen wie ein Patchwork zusammen. Schlammige Wege durch dicke, unbearbeitete Malspuren. Mit einem Daumenabdruck erzielte er, da musste man näher hinsehen, eine feine Masur eines Steins.

Die Kuratoren des Museums wirkten sehr korrekt und penibel in ihren Darstellungen. Der Film war ja OMU.
Man bekam den Eindruck, einen Blick in das überragende Royal Museum gewährt zu bekommen. Die Aufhängung der Bilder war ja auch sehr edel und gediegen.

Die Dichte an Informationen in dem 90-minütigen Film war sehr stark. Dennoch hätte man gerne mehr über die Sonderstellung von Venedig im Kreise der Fürstentümer gehört.
Dem Film hätte gelegentlich ein ruhiges Schweifen über Details der Bilder gut getan.

Canaletto brachte Neues in die Malerei, aber er war auch Teil eines boomenden Markts und die Einkünfte seiner Bilder, die Konsul Smith reich machten,  waren schnell zerronnen.

 

 

 

 

 

 

 

6 thoughts on “Exhibition on Screen: Canaletto

  1. Für mich eine ganz neue Erkenntnis… Venedig.
    Canaletto stand für mich persönlich vor allem und bisher “nur” als DER Dresden-und-Umgebung-Maler. Sehr feine Bilder. Meine Oma hatte ein Grundstück in Pirna am Fuße des Canaletto-Wanderwegs in Richtung Sächsische Schweiz. Herrliche Kindheitserinnerungen.
    Er malte übrigens auch den Marktplatz von Pirna…👍

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