Movienotes

Arthur & Claire
(I’ll walk out in Tomorrow)

 

Zwei, die mit dem Leben abschliessen wollen, ein Mann etwa 60 und eine junge Frau!
Er krebskrank und sie beladen mit der Schuld am Tod ihrer 5-jährigen Tochter.

Sie treffen rein zufällig aufeinander, in einem Amsterdamer Hotel.
Unterschiedlicher können beide nicht sein. Er ein ruhiger Pedant, sie eine schön zu bezeichnende, aber kalt und agressiv wirkende Frau.
Die letzte Nacht verbringen sie gemeinsam gewollt/ungewollt in Bars und auf der Strasse.

Nach sehr kurzer ( unamoröser ) Nacht bricht Arthur in Hetze auf, um sich wie verabredet die Giftspritze geben zu lassen. Sorge macht ihm dabei sein ungewaschener Zustand!
Was sie dagegen macht, weiß man nicht. Es zeigt sich: Ihr Vorhaben Tabletten streicht sie kurzerhand aus dem Repertoire und übergibt dem Meer die Erinnerung an ihre Tochter und ihre Schuld. Sie ist willens, mit dem Bus nachhause zurückzukehren.

Was genau hat den Wandel bewirkt? Vielleicht solche Sätze wie in der Nacht, als sie ihm vorwirft: “Als Mann erschiesst man sich, lässt sich nicht töten.” Das Umherkreisen zwischen beiden war ein sich ständig Spiegeln im anderen. Sie hat die Spiegelung erkannt.
Arthur erkennt ebenso kurz vor knapp, daß er noch weiter leben möchte, vielleicht ein halbes Jahr.
Der Zufall will es, daß sie beide in den gleichen Bus finden – und ein Stück miteinander weiter reisen.

 

10 thoughts on “Movienotes

  1. Hat der Film dir gefallen ? Wohl ja, wenn ich deinen Kommentar richtig verstehe; im eigentlichen Beitrag habe ich deine persönliche Beurteilung vermisst.
    Mir hat er sehr gut gefallen. Die beiden Hauptpersonen sind sehr darauf bedacht, ihre Verletzlichkeit zu behüten, die eine durch eine schnippisch-altkluge Attitüde der Überlegenheit, der andere durch blanken Sarkasmus. Beide meinen, nichts könne sie mehr berühren. Und dann kommt doch etwas in Bewegung, jeder bewegt etwas im anderen. Das ist sehr schön und klug dargestellt, gelegentlich auch witzig. Ich fand die Dialoge sehr gut und die ziemlich schrägen Situationen, in die die beiden hineingeraten, weil ihnen am letzten Abend so ziemlich alles egal ist (oder sie das glauben / oder sie das glauben möchten), sehr gekonnt und überzeugend inszeniert. Sie meinen, sie ließen sich auf ihrem letzten kurzen Wegesstück nur ziellos treiben, und dann holt das Leben sie quasi ein, das lebendige Leben mit Farben, Klängen und Geschmäckern. Mit Gefühlen und mit Lachen, einem vorsichtigen Lachen. Und ja, wie du schreibst, jeder erkennt es zuerst beim anderen und erst dann bei sich. Es ist berührend, das mitzuerleben. Beide Hauptdarsteller fand ich auch großartig.

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    1. Ja, gefallen hat er mir sicher.
      Filme, die bei mir durchfallen, bewertete ich bisher noch nicht (sollte aber kommen!).

      Ja, die Wahl der Hauptdarsteller war geschickt! Konnte eigentlich nicht besser sein.
      Ich konnte mich recht gut in das Schuldproblem der jungen Frau einfühlen. Manchmal spielt der Kopf verrückt und ist praktisch durch nichts zu beruhigen. Irrationalität en gros.

      Freut mich, daß Du ihn auch inspirierend fandest!

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      1. Bei ihr war’s für meine Begriff mehr das Herz. Da herauszukommen, ist für einen Menschen allein nicht immer möglich. Aber es gibt die Möglichkeit der Hilfe und damit die Chance, das Leben anzunehmen. Für ihn waren die Optionen doch sehr viel begrenzter und bestanden nur noch in der Freiheit, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen. Eine schreckliche Freiheit, aber die damit verbundenen schwierigen Fragen sind zwar angeklungen, haben den Film jedoch nicht zu sehr beschwert.
        Ja, freut mich auch, dass er dir ebenfalls gefallen hat und dass wir uns hier darüber ausgetauscht haben.

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          1. Ach so, verstehe. Das Schuldgefühl würdest du eher im Kopf lokalisieren. Vielleicht – obwohl es ja auch ein Gefühl ist. Ich kann es nicht beantworten. Bei Claire ist es sicherlich beides. Hätte sie ihre Tochter auf andere Art verloren, würde sie sicher auch anders damit umgehen. Das Schuldgefühl ist auf jeden Fall sehr stark und ein wesentlicher Grund für ihre Todessehnsucht. Aber ob das mehr im Kopf sitzt oder mehr im Herzen, das weiß ich nicht. Sicherlich macht es das Herz unendlich schwer.

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            1. Ich kenne persönlich irrationale Schuldgefühle.

              Mein Vater hatte Schuldgefühle, daß sein begabter Bruder im Krieg gefallen ist und nicht er.
              Ein bisschen davon spürte ich, als mein jüngerer Bruder vor 13 Jahren starb.

              WAS der Kopf mit einem Schicksal anstellt, ist manchmal grotesk schwer und dann auch nicht leicht zu therapieren.

              Viele Mütter verlieren ihr Kind sehr früh. Das ist furchtbar tragisch, aber die meisten kommen drüber.
              Ich weiß nicht, was im Kopf passiert, wenn man sich fragt: Hätte ich nur dieses oder jenes probiert, zu einem anderen Arzt gegangen oder das Ganze eher bemerkt.

              Aber wie Du sagst: WAS genau ihr zentrales Problem war, können wir nicht wissen!

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              1. Jeder Mensch geht mit einem schwierigen Schicksal oder einem Verlust anders um. Gefühle kann man nicht mit Argumenten widerlegen, mögen sie auch noch so irrational erscheinen. Trotzdem glaube ich an die Kraft der Erkenntnis, die ja auch die Grundlage jeder Therapie ist – also, dass man durch Nachdenken Klarheit über sich und seine Gefühle bekommen kann und lernen kann, damit umzugehen oder die Zusammenhänge in einem anderen Licht zu betrachten. Also hat der Kopf auch etwas damit zu tun. Darüber reden (können) gehört sicher auch dazu, ein Schuldgefühl oder einen Schmerz zu bewältigen. Danke für deine Offenheit.
                Es ist schon ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Film eine solche Diskussion in Gang setzen kann.

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                1. Sicher ist es ein Qualitätsmerkmal eines solchen Films.

                  Kann man ein Trauma überwinden? Denn für manche/Manchen kann etwas Trauma sein, das es für andere nicht ist. Der Verlust eines Kindes kann Trauma werden ( muß es aber nicht).
                  Traumen sind sicher nicht durch Gespräche heilbar, sondern in manchen Fällen nur durch schicksalhafte Wenden, wie vielleicht solch eine Begegnung nachts in Amsterdam.
                  Sie hätte z.B. auch den Faden in der Nacht nicht aufzunehmen brauchen.
                  Ich hatte mir auch gedacht nach dem Film: Kommt das Trauma vielleicht zurück zu ihr in den folgenden Monaten? Das wäre durchaus denkbar. Eben wenn der Kopf und die Seele nicht wirklich Heilung will, sich dagegen sträubt. So etwas gibt es.

                  Ich war offen, schriebst Du. Meine eigenen Erfahrungen.
                  Ab und an schreibe ich auch hier darüber. Ich sollte das in regelmässigen Abständen tun, denn solche Dinge machen mich aus.
                  Etwa, wie mich eine Jugendliebe sehr sehr lange gefangenhielt. So etwas allerdings schicke ich erst dann raus, wenn ich sicher bin, es richtig dargestellt zu haben.
                  Für nichts muß ich mich schämen, von daher brauche ich auch wenig zu verbergen.

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  2. Dies ist ein Film, den sich meine Frau nicht ansehen möchte. Alles, was mit dem Tod zusammenhängt, stößt sie ab. Und doch sollte man sich in Anbetracht unserer eigenen Kurzlebigkeit damit beschäftigen.

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    1. Verständlich! So wie sich meine Frau auch nicht Filme über die Nazizeit ansehen möchte. Doch man muß sich dem Grauen stellen.
      In diesem Falle war es ein hoffnungsgebender Film, eben ein “Ja trotz allem.” Kein Happyend, sondern ein Umschwärmen des Lebens, so lange es währen mag.

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