The last Hurrah

Schach

Ich schreibe hier wieder mal über Schach, aber das Folgende hat ganz allgemeine Lebensbedeutung:

*

Im März wurde das Schach-Kanditatenturnier in Berlin ausgetragen.
8 Topspieler traten doppelrundig an, um den Herausforderer für Weltmeister Magnus Carlsen zu ermitteln.

Ich fuhr nicht hin, obwohl ich ein glühender Anhänger des Exweltmeisters Vladimir Kramnik bin, der mit 42 seine praktisch letzte Chance suchte, sich gegen Leute z. Teil fast der Hälfte seines Alters erneut für eine WM zu qualifizieren.

Es kam, wie ich befürchtete: Vladimir Kramnik wurde nur Fünfter und ein 25-Jähriger namens Caruana qualifizierte sich.

Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, begriff ich, was wohl das eigentliche Anliegen von Kramnik war:
Er wollte nochmal mit allen Kräften tiefes und unternehmungslustiges Schach spielen! The last Hurrah.

Er spielte immer die  längsten Partien und ging möglichen Punkteteilungen, was für den 1. Platz sicher eine vernünftige Strategie hätte sein können, aus dem Weg. Das kostete gewaltig Kraft und da die Stellungen immer höchst komplex gestaltet waren, ging ihm wohl ab und an die Puste aus.

Es war tatsächlich ein “Last Hurrah”, noch einmal gegen die Weltbesten auszuloten, was Schach an Schwierigkeiten und er an Erfindungsreichtum zu bieten hat.

Andere, weit Jüngere, kämpfen nun um den Schachthron.

7 thoughts on “The last Hurrah

  1. Ja, mir scheint ebenfalls, dass Kramniks Partien das Zeug haben, noch in 50 Jahren nachgespielt zu werden.
    Interessant ist ja, dass Kramnik zu Beginn (an der berühmten Botwinnik-Schachschule) als eher blasses Talent gehandelt wurde, sich aber inzwischen zu einem der interessantesten Köpfe der jüngeren Schachgeschichte entwickelte. Jedenfalls eine willkommene “Gegenfigur” zu all den smart-eloquenten, aber doch recht kantenlosen, wenngleich sehr erfolgreichen Youngsters Carlsen/Caruana & Co. …

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    1. Danke für den Kommentar!
      Ich muß zugeben, daß ich bei höchstens einer Handvoll Schachspieler die Partien nachverfolge – dazu gehört natürlich heutzutage zwingend auch Carlsen.
      Beim besagten Turnier spielte Kramnik zweifellos glänzend auf, auch und gerade konditionelle Gesichtspunkte ausser Acht lassend, was ein va Banque Spiel war, in seinem Alter.
      Offenbar pflegt er auch positive Beziehungen zu seinen Kollegen. Man schätzt sich fachlich sehr. Die Pressekonferenz mit Mamedyarov zeigte das sehr schön.
      In einer ganz bestimmten Weise könnte man ihn auch mit Hübner vergleichen. Duie meisten GM der Jetztzeit kennen sicherlich seinen Namen noch und wissen um seine Beiträge. Wenn nicht, wäre das ein Verlust.

      Ich hoffe noch auf ein paar Jahre mit Kramnik. Und bin auch gespannt, was er nach seiner Karriere machen wird.

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