Month: March 2018

Movienotes

Arthur & Claire
(I’ll walk out in Tomorrow)

 

Zwei, die mit dem Leben abschliessen wollen, ein Mann etwa 60 und eine junge Frau!
Er krebskrank und sie beladen mit der Schuld am Tod ihrer 5-jährigen Tochter.

Sie treffen rein zufällig aufeinander, in einem Amsterdamer Hotel.
Unterschiedlicher können beide nicht sein. Er ein ruhiger Pedant, sie eine schön zu bezeichnende, aber kalt und agressiv wirkende Frau.
Die letzte Nacht verbringen sie gemeinsam gewollt/ungewollt in Bars und auf der Strasse.

Nach sehr kurzer ( unamoröser ) Nacht bricht Arthur in Hetze auf, um sich wie verabredet die Giftspritze geben zu lassen. Sorge macht ihm dabei sein ungewaschener Zustand!
Was sie dagegen macht, weiß man nicht. Es zeigt sich: Ihr Vorhaben Tabletten streicht sie kurzerhand aus dem Repertoire und übergibt dem Meer die Erinnerung an ihre Tochter und ihre Schuld. Sie ist willens, mit dem Bus nachhause zurückzukehren.

Was genau hat den Wandel bewirkt? Vielleicht solche Sätze wie in der Nacht, als sie ihm vorwirft: “Als Mann erschiesst man sich, lässt sich nicht töten.” Das Umherkreisen zwischen beiden war ein sich ständig Spiegeln im anderen. Sie hat die Spiegelung erkannt.
Arthur erkennt ebenso kurz vor knapp, daß er noch weiter leben möchte, vielleicht ein halbes Jahr.
Der Zufall will es, daß sie beide in den gleichen Bus finden – und ein Stück miteinander weiter reisen.

 

The last Hurrah

Schach

Ich schreibe hier wieder mal über Schach, aber das Folgende hat ganz allgemeine Lebensbedeutung:

*

Im März wurde das Schach-Kanditatenturnier in Berlin ausgetragen.
8 Topspieler traten doppelrundig an, um den Herausforderer für Weltmeister Magnus Carlsen zu ermitteln.

Ich fuhr nicht hin, obwohl ich ein glühender Anhänger des Exweltmeisters Vladimir Kramnik bin, der mit 42 seine praktisch letzte Chance suchte, sich gegen Leute z. Teil fast der Hälfte seines Alters erneut für eine WM zu qualifizieren.

Es kam, wie ich befürchtete: Vladimir Kramnik wurde nur Fünfter und ein 25-Jähriger namens Caruana qualifizierte sich.

Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, begriff ich, was wohl das eigentliche Anliegen von Kramnik war:
Er wollte nochmal mit allen Kräften tiefes und unternehmungslustiges Schach spielen! The last Hurrah.

Er spielte immer die  längsten Partien und ging möglichen Punkteteilungen, was für den 1. Platz sicher eine vernünftige Strategie hätte sein können, aus dem Weg. Das kostete gewaltig Kraft und da die Stellungen immer höchst komplex gestaltet waren, ging ihm wohl ab und an die Puste aus.

Es war tatsächlich ein “Last Hurrah”, noch einmal gegen die Weltbesten auszuloten, was Schach an Schwierigkeiten und er an Erfindungsreichtum zu bieten hat.

Andere, weit Jüngere, kämpfen nun um den Schachthron.