Eines wie keines

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Mit wohl 13 sprach mich “Ivanhoe” (mein Spielkamerad, der sich gern in dieser Rolle sah) an, ob ich ihn nicht in den örtlichen Schachclub begleiten mag.
Ich wollte! Viel Auswahl gab es in dem kleinen Ort auch nicht.

Steinig waren die Anfänge. Einer der Lokalheroen, so hörte ich viel später, meinte: “Der hat kein Talent!”.
Ich tat aber etwas für die Sache und verstand das Spiel allmählich immer besser und besser.

Sprung:

Anfang der 80er spielte ich in der Schach-Bundesliga.
In diese Zeit fielen auch drei Teilnahmen an deutschen Meisterschaften.

10 Jahre blieb ich bei diesem Verein. Das Profitum hielt recht bald stärkeren Einzug in den Ligen, wir als reine Amateurtruppe konnten da nicht mehr mithalten und waren, als ich aufhörte, drittklassig.

5 Jahre später fragte mich mein älterer Bruder für seinen kleinen Verein an.
Ich lies mich darauf ein! Vermutlich fühlte ich mich geehrt.
Der Verein florierte anfänglich mächtig: Ich lud sogar mal einen ehemaligen Weltspitzenspieler aus München für einen besonderen Abend ein.

Aber es ging mit dem Verein dann doch bergab. Nach 13 langen Jahren warf ich das Handtuch.

Gegenwart:

Ich spiele jetzt wieder, nach 5 – 6 Jahren Pause,  erneut Schach in einem kleineren Verein. Das hat mit meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben zu tun.
Ich hatte mir das reiflich und lange überlegt! Große Vereine mag ich nicht mehr ansteuern, weil das mit zuviel Fahrten und damit auch keinem Vereinsabend verbunden ist.

Schach hat mich mein ganzes Leben begleitet. 
Es war mir Sport, Kunst und Wissenschaft – es ist ein Spiel eines wie keines
In kaum etwas anderes ist soviel meiner Energie geflossen.

 

 

 

 

 

 

18 thoughts on “Eines wie keines

  1. Schach ist bei mir lebensgeschichtlich tief verankert, denn mein Vater, der kurz nach meiner Geburt im Krieg fiel, war ein ausgezeichneter Spieler. Als er Student war, war es noch ganz üblich,so hörte ich, dass in den Cafes (in Hannover) gespielt wurde, und meine Mutter erinnerte sich, dass sie ihn regelmäßig an einen Schachtisch verlor. Er konnte mehre Spiele synchron spielen. Mein Bruder und ich fanden ein Schachlehrbuch, das ihm gehört hatte, von Aaron Nimzowitsch. Und lernten und spielten. Später spielte ich gegen meinen Mann. Ich erinnere mich an das Jahr 1972, Schachweltmeisterschaft Bobby Fischer gegen Boris Spassky, wir machten unseren ersten kinderfreien Urlaub in Norwegen, saßen in einer herrlichen Pension an einem Ford und spielten alle Spiele aus den norwegischen Zeitungen nach. Heute liefern wir uns nur noch manchmal, am Kamin sitzend, ein ehrgeizloses Spielchen bei Wein und Musik. Liebe Grüße dir!

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    1. Das ist ja interessant!
      So ist es mit den Passionen: Man sucht den Partner am besten bei den Schachtischen!

      Du meinst sicher das Simultanspiel. Ich spielte mal auf Einladung gegen 35 Spieler gleichzeitig.
      Die Bücher von Aaron Nimzowitsch gelten immer noch als wertvoll. Ich habe mir eine kleine Bibliothek von Schachbüchern zurückgehalten, die anderen weggegeben.

      Fischer gegen Spassky verfolgte ich auch über die Zeitung, Das war vermutlich ein gutes Training, diese versehen zu wollen.
      Spassky begegnete ich einst bei Bundesligakämpfen. Er spielte im Nebenraum und beim Herumwandern schaute er sich sehr lange meine Stellung an meinem Tisch an.

      Meine Partnerin spielt kein Schach, aber ermunterte mich letztes Jahr , wieder einem Verein beizutreten.

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      1. Nee, mein Mann und ich haben uns nicht am Schachtisch gefunden. Dass wir beide gern spielten, stellte sich erst später heraus. Er beteiligte sich an den griechischen Jugendmeisterschaftsspielen, aber richtig professionell wurde es bei uns beiden nicht.

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        1. Nein, das hast Du falsch verstanden: Wenn der Partner grad nicht zu greifen ist, dann hängt der wahrscheinlich in irgendeinem Schachclub rum.
          Ich hatte einen guten Schachfreund, der war jeden Abend im Schachclub, von 6 – 8. Da gab es z.b. eine Kantine der Post, da ist er hin und erst danach kam er nachhause.
          Samstag spielten wir bis zu den Puppen im einem Cafe in Würzburg.

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  2. Wie schön, dass dich das Schachspiel dein Leben lang begleitet hast und du immer dabei geblieben und es nicht aufgegeben hast.
    Ja, fast immer weiß man schon als Kind, welche Dinge einem Freude machen, was man von Herzen gerne tut und was eine Lieblingsbeschäftigung ist, und auch, worüber man sich selbst immer wieder von Neuem begeistern kann.
    Bei mir war es das Zeichnen, insbesondere das Portrait-Zeichnen.
    Mit fünf Jahren zeichnete ich mein erstes Portrait – meine Cousine, die schon “sechs” war, bekam von mir ihr Portrait zum Schulanfang geschenkt.
    Vom Malen und Zeichnen hat mich nichts abgehalten, auch nicht die “Vier” in Kunst, die ich später auf dem Gymnasium bekam .
    Und ich zeichne immer noch…smile*

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    1. Schon mit 5 angefangen, da muß es ja was werden!
      In diesem Alter ritzte ich mal einen Frauenkopf in den Sand der ungeteerten Strasse und musste ihn gleich Mutter zeigen, so gut war er gelungen!
      Leider ging die Zeichnung den Weg alles Irdischen auf der vielbelaufenen Strasse.

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        1. Ich hatte das gehört, da war ich schon längst “entflogen”.
          Ich gebe Dir recht, solche Einschätzungen können Gift sein für jemand, dessen Talent nicht so leicht sichtbar wird, weil er entweder “anders” ist oder sich nicht herausstellt.
          Für mich war mal eine 4+ in Deutsch für eine Arbeit über Kafka “Das Schloß” für mich ein Signal und Bestätigung, ich könnte mit den philosophisch interessierten Mitgliedern meiner Klasse nicht mithalten. Und gab im Grunde das Lesen auf.

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