“Last Nite…

a drawing saved my life”.

Dies war der Titel einer Ausstellung in Nürnberg, die ich vor gut einem Dutzend Jahren besucht hatte.
Der Künstler schien mit der Überschrift gemeint zu haben, daß er mit jeder seiner Zeichnungen, die er am Abend eines Tages anfertigte, seinen Tag  – auf besondere Weise – wiedergab,  und ihn, den Tag, so in einem künstlerischen Ergebnis “sicherte”.

Der Titel dieser Ausstellung erinnerte mich aber fatal an eine Begebenheit in meinem Leben, die ich auch so hätte umschreiben können.
Vor 17 Jahren war ich in einer Situation, die mich völlig verzweifeln lies: 15 Monate fast unausgesetzter schwerer Depression und Angst lagen hinter mir. Ich wusste mir keinen Ausweg mehr. Nichts hatte geholfen.
An einem Abend begann ich, nach sehr langer Zeit, angeregt durch einen wohlmeinenden Ratschlag, wieder eine Portraitzeichnung. Mir war absolut nicht danach, aber was hatte ich zu verlieren? Nur eines fürchtete ich: Wenn diese Zeichnung fürchterlich schiefgehen würde, was dann?
Aber die vielleicht 90 Minuten dieser Arbeit trugen schöne Früchte!

Am nächsten Morgen war überraschend die “Dunkelheit” weg. Ich spürte deutlich die Potenz ihrer Rückkehr (ein ganz eigenartiges Gefühl übrigens), also passte ich die nächsten Tage sehr auf, daß ich nicht in irgendwelche Gedankenspiralen abrutschte. 4 Tage nach der Zeichnung spürte ich auch diese Potenz nicht mehr, ich war frei.

 

 

 

15 thoughts on ““Last Nite…

  1. Ja, es ist immer wieder erstaunlich und immer wieder wunderbar – und ein wahres Wunder! – was die Kreativität alles bewirken kann… !!
    ❤ lich, Hannah
    P.S: Ja, und es gibt Phasen, da schreibt oder malt man buchstäblich um sein Leben… !

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        1. Also, schön vielleicht nicht unbedingt von den Themen her… ; )
          Aber diese Themen sind ja doch auch sehr wichtig.
          Nun frage ich mich zum Beispiel: Wie kann man ein Buch beenden, wenn man genau weiß, daß man eigentlich weiter schreiben muss, weil man sonst womöglich in ein Loch fällt… ?
          Man braucht ja Pausen als Künstler / Künstlerin bzw. Schriftsteller / Schriftstellerin –
          und man muss die Dinge auch zuende bringen und abschließen können.
          Aber gleichzeitig braucht man doch die Kreativität immer auch, um sich zu spüren, um lebendig zu bleiben …
          um sich sozusagen zu verwirklichen (blödes Wort, aber egal… ; )
          Das sieht man ja daran, daß man immer wieder mal eine Depression entwickeln kann, wenn man (zu lange) untätig ist… Ja, also einerseits möchte oder muß man (und möchte oder muß ich) im kreativen Flow bleiben –
          und andererseits muss man doch die Dinge abschließen (können). Oder nicht? Und wie machst du das, lieber Gerhard?
          Liebe Grüße, Hannah

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          1. Zeichnen war eine Form von Selbstliebe.. jetzt brauche ich das nicht mehr.
            Damals musste ich mich als liebenswert spüren.
            Jetzt ist es eigentlich so, dass ich nur eins möchte: kreativ sein, nach Möglichkeit auch in ganz neuen Feldern.
            Abschließen in dem Sinne ist mir schwer möglich.
            Eine schwere depression hatte ich zuletzt vor 20 Jahren. Danach nur leichtere, etwa nach irgendwelchen Vorfällen.

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  2. danke für diese biographische Notiz. ich habe zwar keine so langen depressiven Phasen durchgemacht, wohl aber lange Phasen der Blockade, wo ich zu nix Lust hatte. Und immer hilft: einen Stift, ein Stück Kohle, einen Stock zu nehmen und zu zeichnen, egal was, auf Deubel komm heraus, ohne Anspruch auf gutes Ergebnis. Einfach tun und wieder tun und in Fluss kommen.

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    1. Das hätte ich bei dir nicht gedacht, dass du solche “lustlosen” Phasen hattest. Aber andersrum: Fast nicht denkbar in einer Vita, dass es solche Phasen nicht geben sollte.
      Dank dir für deine Rückmeldung!

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