Aki Kaurismäki: Die andere Seite der Hoffnung

 

Der vielfach gepriesene neue Film des Finnen Aki Kaurismäki , den ich mir unlängst ansah, erwies sich als sehr sehenswert.

In verschrobenen und skurillen Bildern behandelt der Film die europäische Flüchtlingsproblematik vermittels einer fiktiven Geschichte in Helsinki.
Scherenschnittartig, komödiantisch, trocken und lakonisch erzählte der Film auf zunächst zwei Ebenen über “Flüchtlinge”:

Der spät-mitteralterliche Wikström, der aus seiner Ehe und – in einem Schwung – seiner bisherigen Existenz als Hemdenhändler (!) ausbricht und flüchtet, trifft durch Zufall in seinem Hinterhof auf den syrischen Flüchtling Khaled, der sich der Abschiebung widersetzt hat.
Beide Flüchtlinge arbeiten ab da zusammen, in einer von Wikström zuvor gekauften Wirtschaft.
Diversen Widrigkeiten zum Trotz schafft es Wikström – mit einer gewissen Sturheit, seiner angeschlagenen Existenz und derselben seiner Mitarbeiter, zu denen nun auch Khaled gehört, eine Zukunft zu schaffen. Er schafft es sogar, die noch lebende Schwester von Khaled zu ihrem Bruder zu bringen.
Doch spielte die omnipräsente Fremdenfeindlichkeit ganz zum Schluß des Filmes entscheidend hinein, sodaß offen blieb, ob es wirklich ein Happyend gibt.
Wenn man aber die immer wieder im Film – unerwartet – auftauchenden hilfsbereiten und selbstlosen Menschen ansieht, dann muß man eigentlich an ein positives Ende glauben.

Die slapstickartigen und minimalistischen Szenen des Films betörten mich. Die seltsame Kombination von Depression, Komik, Hoffnung, Lebenskraft und Fadheit, das ergab eine ungewohnte Melange, die mich dieser dadurch sehr speziellen Kunstform gewogen machte.

 

3 thoughts on “Aki Kaurismäki: Die andere Seite der Hoffnung

  1. Das ist ein feiner Filmtipp, den ich bei Gelegenheit gerne umsetzen werde. Dankeschön und lieben Gruss in die beginnende Woche,
    Brigitte

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  2. Grade gestern sprach ich mit einem lieben Freund über die gefühlte Zunahme “negativer Erzählungen”: immer mehr Krimis mit immer detaillierterer Zelebrierung von Gewalt, Hass, Angst, Mord, Folter – eine seltsame Lust am Abgrund tritt da zu Tage. Im Doku-Bereich sind die Tierfilme “fetziger” geworden, betonen und zeigen das Fressen und Gefressenwerden, Kämpfe, Konkurrenz. Und dann noch die Katastrophen: Sämtliche Mega-Katastrophen, die die Erde je erlebt hat, werden in Dokus visualisiert, solche, die stattfanden und solche, die irgendwann stattfinden könnten, der Wahrscheinlichkeit nach auch stattfinden werden.

    “Postivie Filme” abseits der Klamotte? Selten!

    Als Ausnahme nannte er die Filme von Kaurismäke – mit Recht!

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