Florian Freistetters Buch über Newton

Florian Freistetter hat über Isaac Newton ein neues Buch geschrieben, das betitelt ist mit:

“Newton. Wie ein Arschloch das Universum neu erfand”.

Isaac Newton war im ausgehenden 17. Jahrhundert einer der bekanntesten und einflussreichsten Wissenschaftler, nach Freistetter  möglicherweise sogar der genialste Wissenschaftler unter allen.

Newton lebte an der Schnittstelle zur Wissenschaft der Moderne.

Er entwickelte aus der bitteren Notwendigkeit für eine klarere Wissenschaftssprache eigens mathematische Werkzeuge, mit der sich die Theorien klarer und präziser formulieren liessen und die man dann dadurch auch verifizieren konnte.
Für die berühmte Gravitationslehre entwickelte er ein mathematisches Werkzeug, da nur durch dieses die Theorie formulierbar wurde.

Später entwickelte er zur Beschreibung von “Veränderungen” die berühmte Differentialrechnung. Das veröffentlichte er aber aus gewissen Gründen nicht, weshalb er später mit dem deutschem Wilhelm Leibniz in Streit geriet, der diese unabhängig von ihm Jahre später fand, aber sie als Erster veröffentlichte.
Dadurch entbrannte, merkwürdigerweise relativ spät und verzögert,  ein gnadenloser Streit, der auch nach dem Tode von Leibnitz kein Ende fand.
Dieser Streit unter diesen zwei Größen ist allgemein bekannt. Er wurde mittlerweile umfassend ausgewertet. Man kam zu dem Schluß, daß beide unabhängig voneinander dasselbe mathematische Werkzeug fanden.

Was Freistetters Buch zeigt, ist, daß Newton etliche Feinde im Laufe seiner Karriere hatte. Man fragt sich bei der Lektüre des Buchs erneut, wie er bei all den Streitigkeiten, die er  hatte, überhaupt noch produktive Arbeit leisten  konnte!
Newton war ein jedenfalls rastloser und unermüdlicher Arbeiter. Schlaf und Essen war offenbar Nebensache. Trotzdem wurde er über 80.

Was für mich spannend und vor allem unerwartet war: Newton war neben der Physik und Mathematik sogar weit mehr mit der Auslegung der Bibel beschäftigt. Er versuchte die ursprünglichen Inhalte hinter den Texten herauszukristallisieren. Er wollte offenbar “Gott destillieren” (meine Worte). Erst 2003 wurde diese besondere Beschäftigung einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Und die Alchemie, die damals schon ihren Zenit überschritten hatte, war sein drittes und deutlich wichtigstes Standbein. Ihm ging es offenbar nicht primär um Umwandlung von Elemente, sondern um das “Schauen Gottes”. Er wollte Gott vermittels seiner Schöpfung erkennen können.
Diese Beschäftigung mit Alchemie erscheint heutzutage wirklich reichlich merkwürdig, gerade wenn man seine gleichzeitigen bahnbrechenden Arbeiten in den exakten Wissenschaften zur Kenntnis nimmt. Doch die Welt vor 350 Jahren war eine deutlich andere. Und das vor Augen geführt zu bekommen, ist auch ein Verdienst dieses Buchs.

Florian Freistetter vergleicht auch immer wieder so manche Verhaltensweisen des Wissenschaftlers Newton mit dem heutigen Wissenschaftsbetrieb, zieht Parallelen, etwa da, wo man Ergebnisse bewusst zurückhält oder in den Streitszenarien und Rechthabereien, die es natürlich auch heute noch zuhauf gibt.

Ich hatte mich etwas über die Schilderung der Auseinandersetzung Newtons mit dem Münzfälscher William Chaloner gewundert. Newton hatte ab 1696 in verschiedenen Verwaltungspositionen der Königlichen Münze gedient. Er überführte Chaloner und sorgte für dessen Hinrichtung.
Meines Wissens verfolgte Newton den Fälscher deswegen so unerbittlich, weil sich dieser öffentlich gerühmt hatte, seinem Häscher Newton allzeit überlegen zu sein. Florian Freistetter vermeldet nichts darüber. Wieso Newton so umtriebig war wie man sich nur vorstellen kann, um Chaloner zu überführen, bleibt für mich ungeklärt.
Ich habe überhaupt den Eindruck, daß trotz einer unglaublichen Summe an Fakten über Newtons Leben so manches dennoch im Unklaren bleibt/bleiben muß.

Fazit:

Eine sehr spannende Lektüre. Sie ist für Laien sehr gut verständlich und liest sich im Grunde wie ein Krimi.

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