Tagesgedanken XXIII

Drei stilisierte Pferde habe ich in Ton geschaffen, zwischen dem, was ich sonst noch anliegt: Haushalt, Hof, Garten , Geselligkeit.
Etwa auch:

Den Worldcup im Schach verfolgen. Da kämpfen 256 hochkarätige Spieler fast einen Monat um einen einzigen Platz, nämlich die Karte fürs Kanditatenturnier, die letzte Stufe vor dem Weltmeistertitel.

Was ich auch heute bemerkte, ist, daß einstige Größen, die auf die 40 zugehen oder darüber sind, große Schwierigkeiten haben, weiter zu kommen.
Erfahrung gegen superschnelle Auffassung.

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Grégory Privat gab ein Piano-Solokonzert in Rottenbauer bei Würzburg.
Dort war ich am Sonntag mit meiner Frau.

Ganze 85 Minuten dauerte das Matinee.

Das Konzert war einzigartig. Als Jazz konnte man es nicht einstufen, es war eine Art Hybrid.

Der 39-Jährige aus Martinique bot in der Tat ein Feuerwerk an musikalischen Einfällen.
Hinterher traten viele an, um dem Musiker nochmal persönlich zu huldigen. Meine Frau tat das nicht.
Es gab keine Worte – und sich da einreihen wollte sie keinesfalls. Was ich sehr verstehe.


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Ich habe fast vergessen, wie lang es dauert, eine Skulptur in Ton zu versäubern. Eine fast endlose Arbeit. Man entdeckt immer wieder unsauber verlaufende Linien oder Flächen.

Katz und Maus

Am Wasserdost im Wald ergab sich ein Katz-und-Mausspiel zwischen mir und der Spanischen Flagge.
Immer wieder flog der Falter davon. Kam entweder im großen Bogen zurück oder saß weiter weg irgendwo und bequemte sich nach ein, zwei Minuten, wiederzukommen.

Nach etwa einer Stunde hatte ich den Falter endlich vermeintlich gut fotografieren können.

Auch schön: Versteckt und durchscheinend

Auf dem Wasserdost reitend

Was für einen breiten Saugrüssel die Spanische Flagge hat.

Und nun hatte ich den Falter eigentlich am Schluss am günstigsten, aber:

Etwas blass und unscharf.
Er macht es einem nicht leicht, ihn gut zu erwischen!

Rettung aus der Not

In meinen Wasserkübeln aus Keramik verirren sich des öfteren kleinste Insekten.

Die strampeln, aber die Oberflächenspannung des Wassers hält sie gefangen.

Mit solch einem Stengelchen der wilden Clematis, knapp 3 mm breit oder einem Blatt verhalf ich ihnen aus dem Nass.

Das Insekt selbst ist also etwa 3 -4 mm lang.
Es dürfte die Winzige Schmalbiene (Lasioglossum minutissimum) sein.

Sie krümmt sich heftig, um all das Wasser los zu kriegen.

Das geht so eine ganze Weile

Und nun eine weiteres Insekt:

Diese Ameise (?!) mit honigfarbigem Hinterteil konnte ich nicht bestimmen.
Nach der Rettung streckte sie mir zur Abwehr ihr Hinterteil entgegen.

Reine Abwehr! An ihrem Kopf geht ein kleiner Käfer vorbei.

Diese Buchenmotte hat es vermutlich nicht überlebt. Um sie herum sind weitere Winzlinge, alle voll ausgestattet wie ihre grösseren Zeitgenossen.

Mir hat diese Rettungsaktion große Freude bereitet.

Tagesgedanken XXII

Dieser Tage war ich auf einer Versammlung einer Schmetterlingsgruppe.
Ich war als Gast dieser Gruppe anwesend.

Gebündeltes Wissen und Erfahrung.
Dennoch konnte ich hie und da gut folgen.
Ein Thema war die deutliche Diskrepanz in der Farbgebung zwischen Raupen und den dazugehörigen Nachtfaltern.
Die Raupen waren oft bunt, die Nachtfalter eher nichtssagend..
Was für uns bunt ist, ist für tierische Angreifer wohl eher abschreckend.
Als letzten Schutz haben diese Raupen oft Ausstülpungen wie Äste, die Stachel suggerieren.

Beim Hinausgehen meinte ich zu einer Teilnehmerin, daß man, wenn man immer spezieller in seinem Wissen wird, es mit niemanden mehr teilen kann. ( Das wusste ich vom Schach her. Die Feinheiten dieses Spiels kann man dann nur noch mit Experten, die irgendwo weit weg wohnen, teilen. Das ist der Preis.)
Sie meinte, daß sie, um dem zu wehren, sehr breit aufgestellt sei.

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Ich erwähnte vorhin Schach. Erst vor vier Tagen erzählte ich einem Ornithologen von einer Situation im Schach in der Bundesliga. Ich hatte eine Partie verloren, Dr. Fahnenschmidt trat ans Brett hinzu und ich fragte ihn, den Nationalspieler, über die Qualität eines Zugs, den ich eigentlich hätte spielen wollen. Er antwortete nicht mit einer langen Erklärung, sondern machte eine etwas fahrige Geste, die heissen konnte, daß es da noch schneller gegangen wäre ( mit meinem Verlust).
Diese Geste half mir nicht. Erst eine gute Zeit später kam ich darauf, was er wohl mit sder spezifischen Handbewegung ausdrücken wollte. Es gab keine direkte Zugfolge, kein 1-2-3, die es zu bemerken galt, sondern eine allgemeine Verkümmerung meiner Situation wäre eingetreten. Und damit auf kurz oder lang auch ein Verlust.

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Beim Fotografieren der Mordfliege (ich berichtete) bin ich heftig gestürzt, aber wie durch ein Wunder blieb Mann und Kamera heil.
Als wäre mir das nicht eine Mahnung gewesen, bin ich 10 Tage später noch heftiger auf einer Treppe gestürzt. Beim Fallen dachte ich, während ich schrie, an alle möglichen Konsequenzen, wirklich an alle, aber ausser einem etwas lädierten Knie und dem Zerschlagen einer großen Keramikkugel ist nichts passiert.
Ich sollte das nicht ein drittes Mal probieren!

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