Category: Kreatives sonst

Zeitvertreib/Pastime

Eine Kundin war da.
Sie hatte meine Gefässe (Objekte) auf einem Markt gesehen.

Nun wollte sie ein sogenanntes Doppelwandgefäss erwerben. Die etwa 10 Gefässe dieser Art im Haus und fünf weitere im Garten sagten ihr nicht zu, war es die Grösse, die Tonart, die Neigung der zweiten Schale oder die Glasur.
Also fertigte ich in weißem Ton in einer Pause der Betreung von 2 Bad-Handwerkern zwei Doppelwandgefässe mit aussen 30 cm und innen 20.

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Die Innenschalen haben verschiedene Neigungen.
Da kann sie sich aussuchen, welche sie mehr mag.

Das sogenannte Versäubern, nach dem Zusammenbau der zwei Schalen, geschah in vier Etappen.

Jedes Mal korrigiere ich weiter, schaue mir das Stück aus jeder verfügbaren Richtung an.
Das kann durch Klopfen mit einer Spachtel sein, mit neuem Tonauftrag oder dem sogenannten “Finger”. Auch Gummiglätter kommen zum Einsatz.

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Nun müssen die Teile trocknen. Eine zehnprozentige Schrumpfung inbegriffen, also aussen das Maß 27 cm und innen 18.
Sollte kein Riss auftreten, was immer möglich ist, kommen sie dann in einen sogenannten Schrühbrand.

Die gewünschte Glasur habe ich mir auch fleissig notiert.

Der Strom der Buchstaben

Dieses Gemälde misst erstaunliche 330 x 425 cm. Es entstand Ende der 50er Jahre.
Es stammt von Simon Hantaï und wurde im Harenberg-Kalender von 2002 besprochen.

Es ist übervoll mit philosophischen, literarischen, biblischen oder mystischen Schriften.
Solche Maße habe ich nur bei Gerhard Richter oder Pawel Nikolajewitsch Filonow gesehen.

Bei Filonow, da erinnere ich mich, war jeder Quadratzentimeter ein kleines Universum.,
bei Simon Hantaï vermute ich dasselbe.

Ob Hantaï seine in Schrift gegossenen Überlegungen seriell aufgetragen hat oder bestimmte Themenbereiche nur in bestimmte Ecken, weiß ich nicht.
Jedenfalls ist die Schrift jetzt zum Teil verwaschen.
Man erkennt auch nicht, zu welchen Lebensumständen dies und das verfasst wurde. Ohne die Kenntnis davon sind solche meist kurzen Sätze sicherlich eher rätselhaft.

Tears

Am 20. Januar 2024 besuchte ich die Akomfrah-Ausstellung in der Schirn Frankfurt.

Drei Räume mit Videoleinwänden.

Ich hatte mich zuvor informiert.

Die Melange an choreographierten Bildern zog mächtig in den Bann.

Dieses Foto oben tauchte ab und an auf. Es zeigt einen Sklaven im Jahre 1850 !

In den Bildern ging es um Kolonialismus, aber auch, so sah ich den zweiten Raum, um das, was Menschen so alles anstellen. Mit ihresgleichen, mit Fauna und Flora.

Im 3. Raum, einer Arbeit von 2023, lies Akomfrah davon ab. Nun ging es um die Wunder der Erde.

Es war ja alles gezeigt worden. Jetzt hatte Schönheit ihren Platz, aber keine aus Werbeschriften, sondern natürliche, der Erde innewohnende.

Obwohl ich an diesem Tag sehr sehr müde war, vielleicht auch gerade deshalb, haftete mir diese Ausstellung lange im Gedächtnis.