
Einen zweiten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.
enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.
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Harald Welzer ist zweifelsohne keine Biedermeier-Figur, aber in seinem neuesten Werk „Nachruf auf mich selbst“ lobt er auch den Müssiggang. Zitat:
„Ich habe gelernt, das „Sinnlosen“ (um dieses wunderbare, von Gerhard Polt erfundene Verb zu zitieren) dem Fleissigsein vorzuziehen, gelegentlich jedenfalls.“
Nun, dazu passend, auch Inkonsequentsein schreibt er in seinem Buch durchaus interessante Aspekte zu.
Der Humor geht Welzer offenbar niemals flöten, selbst wenn er in diesem Buch über die breit bekannten Folgen des industriellen Fortschritts spricht.
Er weiß, hier Schreckensszenarien auszubreiten bewegt wenig bis nichts!
Im Gegenteil: Wird angemerkt, daß eine bestimmte Insel wohl durch den steigenden Meeresspiegel überflutet werden wird, könnte es sein, daß einige niederträchtig nochmal schnell die Insel besuchen werden wollen.
Oder sich schnell einen SUV kaufen, bevor er verboten wird.
Nein, er möchte einfach stattdessen schmackhaft machen, daß ein Ausstieg, ein geordneter Rückzug, aus bisherigen Produktions- und Lebensweisen sowohl unabdingbar ist als auch Chancen bietet, Leben neu zu befruchten.
In seinem Buch interviewt er Leute, die das Thema Aussteigen kennen.
Zuerst den Bergsteiger Reinhold Messner, der einige kostspielige und lang geplante Touren abbrach, weil er vor Ort erkannte, daß er sich mit der Schwierigkeit der Tour verschätzt hatte.
Andere beendeten eine Karriere in dem Augenblick, wo sie erfolgreich waren und wendeten sich neuen Feldern zu, auch solchen, wo sie dann wenig an Erfahrung mitbrachten.
Banal wäre es für diese Leute gewesen, weiterzumachen, denn dann wäre wohl der Input nicht mehr wirklich schöpferisch gewesen und nur dem Erhalt des Prestiges geschuldet.
Welzers Buch liest sich flüssig, es ist geistreich und frisch und bietet, allein durch die eher beiläufige Nennung von Namen, Querverweise zu manch interessanter Quelle, um dort Atem zu holen.
Dort zu holen, wo man neu und anders an Dinge herangeht.



