Category: Etüden

Übers Aussteigen

Bleistift-Skizze an irgendeinem Dienstagabend in irgendeinem Jahr der 2010er Jahre.

Einen zweiten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.

*

Harald Welzer ist zweifelsohne keine Biedermeier-Figur, aber in seinem neuesten Werk „Nachruf auf mich selbst“ lobt er auch den Müssiggang. Zitat:
„Ich habe gelernt, das „Sinnlosen“ (um dieses wunderbare, von Gerhard Polt erfundene Verb zu zitieren) dem Fleissigsein vorzuziehen, gelegentlich jedenfalls.“

Nun, dazu passend, auch Inkonsequentsein schreibt er in seinem Buch durchaus interessante Aspekte zu.

Der Humor geht Welzer offenbar niemals flöten, selbst wenn er in diesem Buch über die breit bekannten Folgen des industriellen Fortschritts spricht.
Er weiß, hier Schreckensszenarien auszubreiten bewegt wenig bis nichts!
Im Gegenteil: Wird angemerkt, daß eine bestimmte Insel wohl durch den steigenden Meeresspiegel überflutet werden wird, könnte es sein, daß einige niederträchtig nochmal schnell die Insel besuchen werden wollen.
Oder sich schnell einen SUV kaufen, bevor er verboten wird.

Nein, er möchte einfach stattdessen schmackhaft machen, daß ein Ausstieg, ein geordneter Rückzug, aus bisherigen Produktions- und Lebensweisen sowohl unabdingbar ist als auch Chancen bietet, Leben neu zu befruchten.

In seinem Buch interviewt er Leute, die das Thema Aussteigen kennen.
Zuerst den Bergsteiger Reinhold Messner, der einige kostspielige und lang geplante Touren abbrach, weil er vor Ort erkannte, daß er sich mit der Schwierigkeit der Tour verschätzt hatte.
Andere beendeten eine Karriere in dem Augenblick, wo sie erfolgreich waren und wendeten sich neuen Feldern zu, auch solchen, wo sie dann wenig an Erfahrung mitbrachten.
Banal wäre es für diese Leute gewesen, weiterzumachen, denn dann wäre wohl der Input nicht mehr wirklich schöpferisch gewesen und nur dem Erhalt des Prestiges geschuldet.

Welzers Buch liest sich flüssig, es ist geistreich und frisch und bietet, allein durch die eher beiläufige Nennung von Namen, Querverweise zu manch interessanter Quelle, um dort Atem zu holen.
Dort zu holen, wo man neu und anders an Dinge herangeht.




Nieder ged(m)acht

Foto am Abend des 2.10.2021, sehr künstlerisch

Einen ersten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.

*


“Spitzweg, das war noch ein Maler!” Dem Galeristenbesucher, der neben mir stand, schwebte der bekannte Biedermeier-Künstler als Ideal vor.
Kann man so sehen, nur niederträchtig war dabei, daß er das der Galeristin zu Gehör brachte, die EBEN keine Biedermeierkunst ausstellte, sondern neuzeitliche Formate.

Wer Galerist ist, muss solche Töne ertragen lernen. Mit diesem Besucher ging ihr ja auch definitiv kein Kunde flöten.
Wieso er die Galerie überhaupt besuchte und nicht gleich eine Bratwurst am nächsten Stand kaufte, das blieb sein Geheimnis.

Tut mir herzlich leid, dass dieser Text so kurz geworden ist!!

Ich hätte ja auch in der Fortführung des Textes über Galerien philosophieren können, aber das lasse ich mal jetzt.

Wenn interessiert es schon, daß ich in den Neunzigern in Leo Castellis Galerie in NY war, um mir Hanne Darboven anzuschauen? Der Meister war damals nicht da, ich durfte trotzdem durch die Räume. Mit mir im Aufzug war eine junge Künstlerin, die bei Castelli vorsprechen wollte.
Oder wen interessiert es, daß ich in einer Schweizer Galerie plötzlich neben einer bekannten Künstlerin stand, die sich auch für die Ausstellung interessierte?
Auch nicht interessant ist es, wie eine Begleiterin von mir mal aus Versehen einen markerschütternden Piepser auslöste, weil sie einem Bild zu nahe getreten war.

Gerade las ich, daß gerade irgendwo in einer Galerie ein Bild mit plein weiss ausgestellt wird. Eine Sache, die ich verortet hätte in einer Zeit von vor vielleicht 70 Jahren.

All das scheint mir wenig interessant.
Wenig.

Daher habe ich es bei der Episode mit Spitzweg belassen.




Geheime Gunst

Einen sechsten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Altes Gekritzel aus einem Kalenderchen

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Heinz, Du Geheimgünstler!

Nutzt die Stunde, um dich günstig zu bereichern, was?! So günstig kommt man ja nicht zu praktisch neuen Geräten!

Heinz:
“So sperrig, wie die Sachen zur Sperrgutabfuhr an der Strasse rumliegen, da lohnt sich schon mal ein Blick. Aber bereichern tue ich mich an diesen Sachen nicht.
Was die Leute alles so wegwerfen: Eine Kaffeemaschine, die an einer Stelle leicht abgeschabt wirkt, aber ansonsten tiptop. Ein feines Tablet, bei dem der Akku nicht mehr so zündet. Oder 2 Jahre alte Handys, weil brandneue Modelle rauskamen.
Wer suggeriert eigentlich den Leuten, daß sie ständig ein neues Modell brauchen?”

Und was machst Du nun mit all den Geräten, Heinz? Verkaufst Du die?

Heinz:
“Iwo. Ich baue damit gerade eine Kunst-Installation auf: EGALM, “Elektrogeräte am laufenden Meter“, heisst die. Seitdem ich das mache, ist schon eine Wand 2m hoch und 180 m lang entstanden. Alles Ware aus unserem Stadtteil. In einer spiraligen Schnecke umlaufend.

Das Blöde an der Installation auf dem alten Industriegelände ist, dass mir die Behörden jetzt auf den Leib rücken. „All das Zeug gehört entsorgt, auf ganz normalen Weg und soll nicht unsere Umwelt verschandeln, auch wenn das hier ein ehemaliges Industriegebiet ist.”
Echten Ärger habe ich damit. Sie finden das asozial, was ich da mache. All den Müll einfach so komprimiert herzuzeigen.
Vermutlich rücken sie bald an, mit ihren Müllautos . Ich filme dann das Ganze, da brauchen sie Tage dafür. Wäre sozusagen das nächste Kunstprojekt und kommt dann als Filmdoku raus.



Ruhe im Karton

Einen fünften Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Heinz, der Ratgeber

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Heinz ist bekannt fürs Umdeuten. Naja, sein Wirken umschreibe ich halt so.

“Angst vor dem Tod zu haben, ist nicht nötig, denn er gehört ja nicht zum Leben.”, meinte er jüngst.
Aha, so ist das. Eigentlich logisch, aber ein schon sperriger Rat, wenn Sie mich fragen.

Ein Geheimkünstler, was er jeweils aus dem Hut zaubert. Es ist im Einzelnen nicht vorherzusehen.
Ich lag da schon oft falsch….

Wenn es nach ihm geht, gibt es eigentlich keine Probleme.
Was er suggeriert, ist, daß nur die Denke falsch sei, das Gefühl, die Stellung zu einem “Problem”.

“Halte Dich an Deine innere Weisheit. Lasse Dich von ihr führen. Dein Bauch weiß was richtig ist”.
Ja, so ist , dachte Eva und traf kraftvoll eine Entscheidung, die sie dann aber am nächsten Tag umwarf. War es wirklich so einfach? Heinz hatte doch gesagt, daß alles ganz einfach ist. Jetzt war sie noch mehr “umgeworfen”.

Und Elvira beklagte sich, daß ihre Freundin Dana ihr nur schwere Dinge erzähle. Also ihre Sorgen und Nöte und Nöte und Sorgen. Immer wieder!
Wie aber Elvira mitbekommen hat, teile Dana dagegen leichte und unbeschwerte Dinge “in rauher Menge” mit einer ihrer jüngeren Freundinnen. Wieso denn das?!
Heinz sagte: “Das musst Du Dir von Dana nicht bieten lassen. Dana ist ein Energieräuber! Lasse sie nicht mehr zu Dir. Du kannst dazu durchaus Notlügen verwenden”.
Elvira fand den Rat klasse. Gerade das Wort “Energieräuber” sagte ihr zu. So war das also.
Doch ging es ihr damit nicht gut. Irgendwie hing sie an Dana. Konnte nicht loslassen. Denn Dana sollte ihr insgeheim wohl irgendetwas geben. Aber was denn?! Was könnte es sein? Was wünscht sie sich von Dana?