Category: Etüden

Des Holzes Glanz

Wieder steht für zwei Wochen Christianes Aufruf für eine Etüde an.

Ich nehme daran teil.

In max 300 Wörtern kann man eine kleine Geschichte, ein Essay, ein Gedicht, ein Was-auch-immer schreiben, die drei vorgegebene Worte enthalten müssen.
Puzzleblume vom Blog puzzle ❀ gab diese drei vor:

Wetterbericht
ordentlich
irisieren.

*

Seit etwa 2011 besitze ich ein Makro. Ich fotografierte zunächst vornehmlich Blumen, dann zur Erweiterung des Spektrums Strukturen aller Art. Bei Insekten hatte ich wenig Glück – Die Fotos waren meist nicht ordentlich scharf. Ich vergaß das Makro wieder.

An einem Sonntag im Frühjahr 2017 verhies der Wetterbericht reichlich Sonne, sodaß ich einen Spaziergang im Wald unternahm.
An einer Wegkreuzung fand ich verbranntes Holz vor, das dort zusammengetragen worden war.
Wie überrascht war ich, daß dieses Holz irisierte, also in allen möglichen Farben glänzte.
Zunächst nahm ich primär silbrigen Glanz vor, aber dann entdeckte ich auch andere Farben.

Diese Entdeckung paralysierte mich, ich schoß sehr viele Fotos und habe auch andere Spaziergänger darauf aufmerksam gemacht. Für die schienen diese Effekte auch neu.

Zuhause wertete ich mit wachsendem Staunen die Fotos aus.

Ich wollte nochmal dorthin zurück, aber da war schon alles weggeräumt.

Aber das Feuer war da schon gezündet, ab da nahm das Makro von mir Besitz.

Altersweisheit

Wieder steht für zwei Wochen Christianes Etüdenaufruf an.

Ich nehme wieder daran teil.

In max 300 Wörtern kann man eine kleine Geschichte, ein Essay, ein Gedicht, ein Was-auch-immer schreiben, die drei vorgegebene Worte enthalten müssen.
Myriade gab diese drei vor:

Giraffe
mondsüchtig
suchen.

*

Unter meinen wenigen Freunden als Jugendlicher galten alte Leute als besonders weise. Man lauschte ihren Worten so wie eine Giraffe, die hochgelegene Blätter abklaubt.

Wir suchten ja damals die Welt zu verstehen, sie war ein Rätsel, das man glaubte durchaus bergen zu können, wenn man sich nur bemühte.

Dazu passte auch meist ein meditativer Zugang: Etwa im Gras liegen und lauschen, in nahezu mondsüchtiger Weise. Dadurch würde sich allmählich Wissen und Verstehen auftun.

*

Auch heute in Zeiten der Krisen konsultiert man in den Medien gerne sehr alte Leute, so als hätten sie durch ihr weit vorgerücktes Alter einen schärferen Blick.
Ihr oft edles und würdevolles Anlitz verführt dazu, einiges zu erwarten.

Hört man genauer hin, was sie sagen, dann kann man manchmal herb enttäuscht werden. Dann kommt einem das Gesagte nicht mehr wie ein Surrograt gesammelter Lebensweisheit vor, sondern nur wie eine blosse Ansicht.
Experten weit jüngeren Alters, die sich eingiebig mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen, scheinen da oft mehr zu wissen und zu verstehen. Vielleicht weil sie ihre Auffassungen wie in einem ständig betriebenen Dampfkessel ausbrüten und da mehr Energie reinstecken (können) als ein Mensch, der im Alter sehr weit vorgerückt ist.

Was für ein Traum !

Wieder steht für zwei Wochen Christianes Etüdenaufruf an.

Ich nehme wieder daran teil.

In max 300 Wörtern kann man eine kleine Geschichte, ein Essay, ein Gedicht, ein Was-auch-immer schreiben, die drei vorgegebene Worte enthalten müssen.
Myriade gab diese drei vor:

Giraffe
mondsüchtig
suchen.

*

Wie einem Fantasyfilm gleich wand er sich wie eine monströse Schlange, mit dem Kopf einer Giraffe , aber dennoch Mensch, durch Erdgänge. Wie er da durchs Dunkle rauschte!
Ab und an sties er , durch schwaches Licht aufmerksam, auf Höhlen, in denen sich Menschen befanden.
Wie froh war er einige von ihnen anzutreffen.

Und wie froh war er, daß, als er ihnen zuhörte, sie offenbar auf seiner Linie waren, jedenfalls die meisten. Keiner von ihnen schien mondsüchtig oder argumentierte verschroben.
Hier war er richtig!

Je länger er aber verweilte, um so deutlicher wurde es, daß sie doch substantiell anders dachten. Die Widersprüche häuften sich.
Der Vegetarier war doch kein Vegetarier und der Buchenthusiast hatte kaum ein Buch gelesen.

Dies war zunächst nicht zu erkennen gewesen, jetzt trat das aber zutage.

Er konnte nicht bleiben, also begann er wieder zu suchen. Rauschte durch die endlosen Erdflure, um unerwartet dann wieder auf eine weitere interne Höhle zu stossen.
Aber nach anfänglicher Begeisterung, nach einem Gefühl, jetzt doch zuhause zu sein, erwies sich dieses Gefühl als nicht tragfähig. Zu sehr wichen plötzlich die Meinungen ab, zersetzten das zunächst so klare Bild.

Und wieder surrte er durch die Gänge…
Das schien ihm auf einmal dann doch sinnlos. Er hielt inne!
Was wollte er denn wirklich? Wollte er 1+1=2, in allen Lebenslagen?! Oder konnte er doch irgendwie akzeptieren, daß die Gleichung auch anders zu lösen wäre?!

Als er aufwachte, fühlte er sich wie gerädert.
Was für ein Traum!

Immer hungrig

Wieder steht für zwei Wochen Christianes Etüdenaufruf an.

Ich nehme nach längerer Zeit wieder daran teil.

In max 300 Wörtern kann man eine kleine Geschichte, ein Essay, ein Gedicht, ein Was-auch-immer schreiben, die drei vorgegebene Worte enthalten müssen.
Myriade gab diese drei vor:

Giraffe
mondsüchtig
suchen.

*

Horst ist für mich ein Gierschlund! Eine Giraffe mit e dazwischen.

Alles ist ihm zu wenig. Wenn er auf Party A ist, wäre er stattdessen lieber auf B. Oder auf C.

Mondsüchtig scheint er auch zu sein, ich sehe ihn im Geist nachts heulen.

Was sucht er bloss? Es macht keinen Sinn.

Als ich ihn mal darauf ansprach, meinte er, er könne irgendwann nicht mehr in der Lage sein, bestimmte Wünsche zu leben.

“Aber das kommt doch ohnehin gewiss!!”, sagte ich ihm.

“Ja, sicher, aber dann habe ich vieles schon erlebt. Das kann mir dann keiner nehmen!”

“Horst, ich selbst erinnere mich aber an manche Reise nicht mehr oder bringe Dinge durcheinander!”

“Mir passiert das nicht. Ich mache Notizen.”

“Wann machst du denn Notizen?”

“Fragst du mich jetzt aus??! Bleib doch in deinem Einerlei hocken, ich mach mich lieber auf die Socken!”

Sprachs und sass schon in seinem Auto, nach Nirgendwo oder Sonstwo. Ich kenne die Orte eh nicht.