Author: kopfundgestalt

Keinen Hauch bitte!

Horst spielt gerade wieder eine 3-Minuten-Partie am Rechner.

Das klingelt es draussen, ein Handwerker kommt in den Hof.

Dieser kurze Laut des Ding-Dong verdirbt die Partie.
Schliesslich spielen Blitzspieler ihre Partien im sogenannten “Nähmaschinenmodus“.
Eine Störung stört meist das Getriebe. und zwar nachhaltig.

Besser wäre es, bei einer Störung wie dieser sofort aufzugeben, hinauszueilen und den Handwerker zu freundlich zu begrüssen.
Aber Horst denkt nicht dran!!
Sondern stolpert munter in seiner “verletzten” Partie weiter. Und verliert.

Der Handwerker ist schon längst gegangen, die Frau hatte sich um ihn gekümmert, da versucht Horst die blöde Partie, in der er in Vorteil war, vergessen zu machen. Und spielt weiter und weiter.

Nach dem Verlust von mindestens zehn weiteren Partien lässt er es endlich sein!
Dieses verdammte Ding-Dong!

Drabble Dienstag – Dezember 10

Wieder nehme ich an einem Drabble-Dienstag teil, hier von mir diesmal ausgerufen.

Die 3 Stichworte dieses Mal lauten:

Radar + beschreiben + individuell
***

Das war nicht auf Theos Radar, daß Horst zu seiner Vereinseinladung kommen würde.
Damit konnte er wirklich nicht rechnen.
Zwar hatte er genau beschrieben, um was es gehen sollte, aber vermutlich hatte Horst das nicht gelesen.

Was tun? Horst ist ja ein sehr “individueller” Mensch. Wenn man ihn lässt, zerstört er jeden Treff.
Auch seine Lautstärke! Da er keine Hörgeräte benutzt, obwohl ihm seine Trude das oft angeraten hatte, wirkt er leicht penetrant.
Nun ist er da. Die Augen der Eingeladenen verraten, daß sie nicht glücklich sind.
Es geht um eine Beitragserhöhung von 5 Euro.
Da wird Horst bestimmt grantig.


Tagesgedanken XLIII

Konsistenz / Inkonsistenz

Manche Menschen verhalten sich sehr widersprüchlich.

Eine Frau X hatte sich auf einer Reise am Abend sehr intensiv mit einer Frau Y unterhalten. Die intelligente und auch lebensgewandte Frau X war froh über diesen Austausch, er war reich und tat gut.
So etwas hat man ja nicht alle Tage.
Am nächsten Morgen aber grüsste Y X nicht, ging vorbei, scheinbar ohne Erinnerung an den Abend.
X war sichtlich betroffen, konnte sich das nicht erklären.

*

In Italien lernte ich einen Sportfotografen kennen, der seine Fotos meist sehr umfänglich nahe dem Restaurant an einem Tischchen bearbeitete. Eins ums andere Mal setzte ich mich zu ihm, um zu fachsimpeln.
Wir wussten, daß er am nächsten Morgen abreisen würde.
An diesem Abend ging er mit seiner Frau ohne zu grüssen an uns vorbei, um mit einem anderen Paar zusammenzusitzen. Ich hätte zumindest beim mehrmaligen Vorbeigehen (Biere wurden geholt) ein Kopfnicken erwartet. Das kam nicht.
Überrascht war ich eigentlich nicht.

*

Mit einem direkten Nachbarn habe ich mal 10 Monate kein Wort gewechselt (ausser vielleicht “Guten Morgen” von mir), obwohl wir uns ab und an auf der Strasse sehen. Dann lud man uns ein, der Abend wurde sehr herzlich.
Bei einem Jazzevent einige Tage darauf würdigt er mich keines Blicks, geht zielstrebig in den Pausen auf die jungen Musiker und Sängerinnen zu und fachsimpelt. Da mir dieses Verhalten schon bekannt ist, denke ich mir wenig dabei, lasse es wie es ist.
Ich ziehe daraus nicht die Konsequenz, eine zukünftige Einladung bei ihm abzusagen.

*

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?