Werden und Vergehen

Im Kunstverein Frankfurt wurde eine Arbeit von Alberto Burri gezeigt.

Burri hatte angeregt, ein von einem Erdbeben zerstörtes Dorf, Gibellina, unter einer 1.50 m hohen Schicht aus weißem Zement zu “versiegeln”.

Dieses Werk (Fläche 90.000 Quadratmeter) brauchte sehr lange bis zu seiner Vollendung. Es fehlte zwischenzeitlich das Geld.

Es ist ein Ort der Stille, der Trauer und des Schmerzes.

Mit der Zeit wird auch dieses Material brüchig und wird vergehen.

Es gibt einen Verein, der diesem allmählichen Zerfall (und dem Vergessen) trotzen und den skulpturalen Körper und sein Weiß pflegen will.



27 thoughts on “Werden und Vergehen

  1. Ein sehr interessanter Beitrag mit viel Stoff für Diskussionen ist das, Gerhard und ich bin da gedanklich sowie auch empfindungsmäßig ganz bei Gerda sowie auch Almuth (Pflanzwas), ohne weitere Worte…

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  2. So von weitem gesehen finde ich es eher krass, sehr massiv, fast verletztend in der Landschaft. Wie eine Wunde (was ja irgendwie paßt) Die Details gefallen mir dann wieder. Sie erinnern mich an Arbeiten von Christo, der ja mit Stoff verdeckt bzw. verkleidet hat. Wenn man dann wieder dran denkt, daß da drunter die Ruinen eines Dorfes liegen…alles sehr konträr, aber wie hier schon erwähnt wurde, regt es zum Nachdenken an. Der zementierte Schmerz…..bis der Zement zerbröselt…und vielleicht etwas Neues entsteht.

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  3. Danke fürs Teilen. So durfte ich dieses Kunstwerk auch kennenlernen, ohne dass viel zusätzliches CO2 ausgestoßen wurde. Das hat mich jetzt einige Zeit nachdenken lassen. Interessant, dass uns Beton in der Landschaft so irritiert. Ich nehme mich da nicht aus. Gleichzeitig gehe ich durch Städte, die zunehmend aus Beton bestehen, und wenn er gut und funktionell eingesetzt ist, stört er mich kaum. Insofern hält das Werk von Alberto Burri nicht nur Trauer und Schmerz fest, sondern regt auch zum Nachdenken über das verwendete Material an. Vielschichtig und kontrovers, so wie Kunst sein soll. So schockiert ich am Anfang war: Wenn ich es mir länger anschaue, gefällt es mir.

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    1. Kooyanisquatsi, das uns zunächst schöne, glitzernd gleissende Fotos einer riesigen Industriestadt zeigte und dann “umschwenkte” auf das Unschöne einer solchen Mega-Beton-Messingstadt, übte uns schon im Sehen und Erkennen des Widerspruchs.

      Dem Elend damals gab Burri eine Stimme! Jetzt, 2024, in dem viele Einwohner nicht mehr leben, wird vielleicht das Monument allmählich seine Bedeutung verlieren und den Weg des natürlichen Zerfalls gehen.

      Wir reden in unseren Tagen auch immer davon: Wir dürfen nicht vergessen! Aber das Vergessen wird man nicht aufhalten können.

      Danke Richard!

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  4. Ich habe die damaligen Arbeiten (und auch die Erschütterung durch die völlige Zerstörung dieses schönen Ortes) mit großer Anteilnahme verfolgt und fand Burris Herangehensweise in wunderbarem Einklang mit den Ereignissen. Danke fürs Erinnern. Hier in Griechenland haben wir ja ähnlich tragische Geschehnisse durch Erdbeben, manche Inseln haben ihr architektonisches Gesicht verloren, manche Orte sind ganz verschwunden. Auch Kalamata wurde am schwarzen 13. September 1986 durch ein Erdbeben schwer getroffen, die Wunden sind bis heute nicht verheilt.

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    1. Die Wunden sind nicht verheilt.
      Aber vielleicht teilte Burri mit seinem Werk AUCH mit, daß die Wunden in den Zeitläuften vergessen werden, denn auch dieses Werk wird irgendwann seinen Weg der Zerrüttung und des Zerfalls gehen.

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  5. Hm. Ich tu mir schwer damit. Klar wird das ukrainische Kraftwerk mit Betondeckeln zugedeckt in der Hoffnung, dass man es vergißt und neue Ungeheuer erbaut. Aber die Taten der Natur, seien sie noch so eindrucksvoll und schrecklich, wie Bauten mit noch mehr Kunsttofffolie, wie sie unsere Äcker bedeckt, mit CO 2 – intensiven Baumaterialien zu bedecken? Was ist der Sinn? Ich kann (oder will) es nciht recht fassen.

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  6. off-topic:
    Lieber Gerhard, du hattest dich vor einiger Zeit mal explizit für meine Beiträge interessiert und ich habe damals aus verschiedenen Gründen nicht reagiert. Heute habe ich meinen blog wieder öffentlich gestellt; bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob ich mich nicht vielleicht bald wieder ins Private zurückziehe.
    Mein heutiger Beitrag ist – wie immer bei mir – alles andere als “leichte Kost”. Und man muss auch wieder einige Zeit investieren zum Lesen und Verdauen …
    Aber du hast ja Interesse an tiefgründigen Texten.
    Viele Grüße
    Maren

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  7. An sich finde ich ein solches Kunstwerk sehr wirkungsvoll. Ich frage mich nur, ob es unbedingt Zement sein muss, das  in der Herstellung so CO2-intensiv, dass die Produktion für bis zu acht Prozent des globalen jährlichen Kohlenstoffdioxidausstoßes verantwortlich gemacht wird. Bei der Größe des Kunstprojekts wäre das schon bedenkenswert.

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    1. Damals, 1984, dachte man wohl noch nicht daran?!

      8 % ist enorm viel. Ich muß das nochmal nachschlagen.

      Allerdings, in einer Welt, in der nunmehr alle Bedenken in den Wind geschlagen werden, weil Wirtschaft alles ist, sind Bedenkenträger kaum mehr gewünscht.

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        1. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, daß alle von Menschen geschaffenen Produkte, also Häuser, Anlagen, Strassen, Gerät ect. mittlerweile genau soviel Masse beanspruchen wie alle Biomasse auf Erden, also Fauna und Flora.

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