Zustände


Dies hier schrieb ich schon am 12. März:

Zur Zeit der Pandemie war mir zwar des öfteren bang, aber erst seit dem Krieg in der Ukraine bin ich mit etwas konfrontiert, das sich als Flashbacks bezeichnen lässt.
Ab und an tauchen bedrohliche und unklare „ Gefühle“ auf, die sich in eine gewöhnliche Stimmung für Sekundenbruchteile einschieben können. So als würde ich gleich irgend etwas gewahr werden, was es an der Stelle nicht gibt/geben kann.

Zur Zeit meiner schweren Depression vor 22 Jahren waren es im Unterschied dazu zwanghafte Gedanken, die sich ins Gedankengefüge einschleichen wollten, meist über als schlimm erlebte Versäumnisse, und wehe, ich lies sie, wenn auch nur partiell, rein. Dann gab es kein Halten mehr.
Die Depression hörte übrigens genau da auf, als dieser Druck der Zwangsgedanken aufhörte. Ich musste nicht mehr von vorneherein dagegenhalten.
Es war damals „die Kunst“, eine einzelne schlichte Zeichnung, die mich eines Abends befreite.

19 thoughts on “Zustände

  1. @k&g: Blitzartig einschlagende Zwangsgedanken sind das schlechthin Schlimmste, das ich mental erlebte und manchmal immer noch erlebe. Es sind sozusagen psychische Splitterbomben, die bei mir auch Symptome einer Panik-Attacke wie innere Unruhe, Schweißausbruch und Unwohlsein in der Magengegend triggern. Das eigentlich Unerträgliche aber ist das Gefühl überwältigender Angst vor etwas, von dem man weiß, dass es nicht existiert bzw. das es komplett trivial ist. Dieses Etwas bläst sich zu einem gewaltigen Monster auf, das sich aber nicht bekämpfen lässt, denn es sagt beständig hämisch: “Ich existiere doch gar nicht, du Loser!” Und genau dagegen, so sagte es mir ein auf die Therapie von üblicheren Zwangsstörungen wie etwa Waschzwänge spezialisierter Psychologe in einer Spezialklinik für Zwangsstörungen vor einigen Jahren, könne er nichts tun.

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    1. Ja, man kann da komplett gefangen sein.
      Vermittelbar sind die Zustände meist schon, wenn das Gegenüber empathisch ist. Doch durchleben muß man das alleine.

      Nach der Zeichnung spürte ich über 2, 3 Tage keinen Druck mehr, also eine Art Potenz, daß das Irre zurückkehren könnte. Als diese 3 Tage rum waren, passierte tatsächlich nichts mehr, ausser um einiges später in zugespitzten Situationen wie der nahende Tod eines direkten Angehörigen.

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  2. Ich fühle mich völlig wortlos, lieber Gerhard, und habe nicht mal mehr Lust auf Blogbeiträge, weil ich das Gefühl habe, wie bedeutungslos das gegen das Aktuelle ist… Liebe Grüße. Birgit

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  3. Das klingt so, als nutze deine Seele die Gelegenheit, sich von etwas zu befreien, was dir lange Druck gemacht hat. Manchmal werden einem dabei “die Hände gebunden”, damit man nicht etwa versehentlich anfängt, gegen diese Heilung zu arbeiten … .

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    1. Danke für Deinen Anstoss.
      Wenn ich ein Kind spielen sehe, bin ich es fast selbst. Eine milde Form von Depersonalisation könnte man es wohl auch nennen.
      Ich kann mich auch erinnern, wie ich als Knirps 1962 während der Cubakrise viel Angst hatte.

      Dem Köper messe ich nicht viel Weisheit zu, obwohl ich ja aus deiner Tradition komme. Ich hatte einiges gearbeitet darin.

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      1. “Depersonalisation” würde ich das nicht nennen. Eher eine Sehnsucht danach, dass alle Kinder dieser Welt spielen dürfen, ohne Angst haben zu müssen vor Gewalt, vor Krieg, vor Bomben oder sonstigen Angriffen! Dass sie einfach Kind sein dürfen!

        Was du mit “meiner Tradition” meinen könntest, weiß ich allerdings nicht. Ich bin alles andere als “traditionell”.

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        1. Schon wieder zwei Missverständnisse… 🙂

          Der Begriff Depersonalisation bezog sich auf meine Flashbacks, nicht auf das Kind.

          Kind sein dürfen, ja, das ist so eine Sehnsucht.
          Das sollen sie, ohne Ängste sein.
          Doch gibt es das selten, wenn man an die Kindheiten anderer denkt, von denen man Kenntnis hat.

          Mit Tradition meine ich spirituelle Arbeit/Körperarbeit, die ich eine gute Weile nutzte.

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          1. Ah, du meinst, weil ich die Seele in meine Arbeit einbeziehe, wie es ja tatsächlich eigentlich alle Heiltraditionen der Welt schon immer gemacht haben, – vielleicht mit Ausnahme der “modernen” Medizin.

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          2. ich verstand es so, dass du dich in andere hineinversetzen kannst und ihre Emotionen miterlebst. Das ist in der Tat eine Art Gabe, die man lernen muss zu verarbeiten.. es gibt auch viel Anteil an der Welt, oft zuviel. Das andere ist die Dissoziation, aus sich selbst herausgehen, das ist sehr verunsichernd, passiert aber doch weil man drohender Gefahr entgehen musste. Ich lernte über Bioenergetik wieder im Körper anwesend zu sein , um solcher sehr viel besser begegnen zu können. Der Körper und seine Weisheit ist heute der grösste Schlüssel für mich, ohne dass es einer Tradition oder Lehre bedarf.

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            1. Die letzen Tage kam noch etwas dazu:
              Ich erlebte mich punktuell vielleicht zwei, drei Jahrzehnte jünger, mit all der Befindlichkeit von damals.
              Eigentlich war das angenehm.
              Es zeigte, daß Lebensgefühl unabhängig vom biologischen Alter sein kann.
              Es geht dabei nicht ums Bäume ausresssen, nein, man ist versetzt in eine Befindlichkeit, so als sässe man in einem anderen Auto.

              Ich denke, mit 68, ist man schon recht weit im Alter. Viele sind in ihren 60ern gestorben. Eine Art Rückschau/Rückblick drängt sich gleichsam vom Organismus aus auf.

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