Ein innerer Ausdruck

Eine tolle Arbeit meiner Frau. Eine ihrer bestimmt besten, wie ich finde.

Die Arbeit hätte es eigentlich gar nicht mehr geben sollen!

Durch irgendeinen Umstand, den ich nicht mehr erinnere, ist sie ihr umgefallen und der Kopf abgebrochen.
Sie wollte das Ganze in die Mülltonne tun, ich klebte dagegen das gute Stück – man sieht jetzt nur noch einen Haarriss.
Für sie war das Stück nichts mehr wert, denn zu verkaufen war es ja so nicht. Und es war zu groß, um es, mit Paperclay repariert, nochmal zu brennen. Das verändert ja auch ein wenig die Farben.

Ist das Stück nun entwertet?

Ich habe mal einen Schwarzkeramiker in Diessen erlebt, dessen riesengrosse flache und ausladende Schüssel (superb!) eine leichte Unwucht hatte. Sie fiel ihm selbst auf, als er sie gerade verkaufte. Der Käufer nahm sie trotzdem ohne jede Umschweife und wollte auch keinen Nachlass.

Das ist das Eine.

Aber: Was sagt Euch dieser Engel? Was drückt er aus?

69 thoughts on “Ein innerer Ausdruck

  1. Sometimes a repair adds to the piece, deepening the story or potential story of it. I think that’s true here and I’m glad the piece is still in the garden. You probably know about kintsugi, the Japanese technique and philosophy of repairing ceramics. There are so many ways to see an object.

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  2. Auf diesen Engel mit seinen breiten Schultern ist bestimmt Verlass. Den hätte sicher jeder gerne als Schutzengel …
    Entwertet durch eine Verletzung? Es kommt wohl auf die gemeinte Bedeutung von “Wert” an … oft ein mir zweifelbehafteter Begriff.

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    1. Beim etwaigen Verkauf müsste man darauf hinweisen. Es könnte auch der Eindruck entstehen, da stünde im Garten noch mehr an Dingen herum, die man erst mal genauer prüfen sollte.
      Egal.
      Ich weiss letztlich nicht, wieso sie sie zerstören wollte.
      Danke, Ule!

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  3. Der Engel ist toll, eine fantastische Arbeit! Auch ich bin froh, daß du sie gerettet hast. Mir geht es auch so, daß ich finde, daß der Engel eine schwere Last trägt. Der Kopf so klein und zierlich, die Last so groß. Wenn mir etwas gefällt, stört mich persönlich so ein kleiner Schaden nicht, aber man selbst sieht of strenger auf die eigene Arbeit.

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            1. Vielleicht für seine Mitmenschen, die ungefragt und laut ihre Meinung herumposaunen, als wär’s der Weisheit letzter Schluss?
              Vielleicht hat sie eine Freundin/ einen Freund enttäuscht?
              Da gibt es ja viele Möglichkeiten, lieber Gerhard. Jede Menge Stoff, aus dem Christianes Etüden sein könnten…😉😉

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              1. Das Erste gefällt mir ausserordentlich, Birgit. 🙂
                In jeder Krise gibt es “Salzstreuer”.
                ich erinnere mich, wie in einer Stadt in meiner Nähe um 2015 verbreitet wurde, die Asylanten würden einkaufen und nicht bezahlen.

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  4. Habe hierzu auf Japandigest eine interessante Bemerkung gefunden:
    Kintsugi ist eine von langer Tradition geprägte japanische Methode, zerbrochene Keramik zu reparieren. Das Besondere: Kintsugi versucht nicht, die augenscheinlichen Makel der Reparatur zu verbergen, vielmehr stellt es diese durch die Verwendung von Gold- oder Silberpigmenten im Lack in den Vordergrund – und schafft so eine völlig neue Schönheit und Wertschätzung des ursprünglichen Objekts.

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    1. Ja, das ist mir auch bekannt., Leela . Wenn auch nur vom Hörensagen.
      Wir/ich können so etwas auch machen. Nicht selten wird durch den Branbd etws beschädigt. Etwas wenn die Glasur bis auf den Ofenboden geronnen ist. Dann muss abgeschlagen werden.
      Oder wenn eine Skulptur gegen eine andere Gefallen ist und festklebt/verschmolzen ist mit ihr. Auch da muss man mit dem Meisel ran.
      Wie haben verschiedene Lacke: Blau, Bronze, helles Gold, Rot, Silber…
      In so einem Fall ist es sinnvoll, nicht nur die schadhafte Stelle zu versehen, sondern die Lackfarbe auch sonst auf dieser Skulptur punktweise/streifig zu verwenden.

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  5. Bin kein Engel-Gläubiger ebenso wie Seele ein für mich ins nirgendwo führender Ort ist.
    Ich biete ersatzweise den Namen “innere Grotte” in der sich unser ortsloses Leibgefühl (nicht Körper) einfindet. Deren Gestimmtheit kann sich in solchen Figuren ausdrücken weil einem oft die Sprache dazu fehlt und es sich um eine “dynamische Grotte” handelt. Sie schwankt zwischen erhebender, befügelnder Weite bis zu entgrenzendem Schweben, einem Flow ähnlich. Auf der anderen Seite kann sie sich zusammenziehen: zu bedrückender, beklemmender, erdrückender Enge, bis zu einer entleerten Grotte. Wir nennen es “Depression”, wenn alles in mir leer und verlassen scheint. Dann finde ich meine Grotte verschlossen. Dieser Engel hat offensichtlich seinen Auftrieb in die Weite verloren. Seine Flügel liegen enge am Körper. Sie müssen eng anliegen, weil sie das einzige sind, was ihn noch erwärmen kann, wie die Bettdecke an traurigen Abenden. Vom traug sein scheint der Engel müde, so zumindest würde ich seine Kopfhaltung empfinden

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  6. Congratulations to your wife for creating a masterpiece. of an angel! I am so glad that you prevented it from landing in the trash can, Gerhard. I agree with you. The angel radiates a positive effect. It appears to be in deep thought caring for a world that is in serious trouble. Please give my regards to your wife.

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    1. I’ll do that. She even doesn’t know that I portrayed one of her pieces.

      “deep thought caring for a world that is in serious trouble”
      I think that too, well said
      (Don’t use a translater anymore, I’m lazy :-))

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  7. Ich finde den Ausdruck und die Haltung des Engels wunderschön und sehr anrührend. Da wäre mir der Haarriss völlig egal. 🧡😁
    Nachmittagskaffeegrüße Nachmittagskaffeegrüße 😁🌤️🌡️☕🍪👍

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    1. Christiane, es ist schon so viel umgefallen, auch von mir, da muss man nicht “a Gschiss” um jedes Stück machen, aber hier musste ich einfach Einspruch erheben. 🙂

      Der Kaffe kann kommen, hier regnet es grade dolle…

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  8. ein trauriger engel, auf den ersten blick, aber vielleicht auch (auf den zweiten blick) nur in sich gekehrt; auf jeden fall sehr schön und ausdrucksstark. auch engel können nicht immer nur lächeln. (und ja, du bist ein engel, dass du diesen gerettet hast – ich finde auch, diese kleine “narbe” tut ihm gar keinen abbruch, im gegenteil.) 🙂 liebe grüße von diana

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      1. Stimmt und hatte mich nur etwas verlesen bzw im Kopf anders umgesetzt. War mit meinen Töpferarbeiten oder auch anderen Ergebnissen beim Malen oft nicht zufrieden oder es ging etwas in die Brüche, was mein Mann dann aber stets rettete, bevor ich es enttäuscht in die Tonne beförderte und dann doch oftmals sehr froh über die Rettung war.
        Liebs Grüßle und Danke🙂

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        1. Wegwerfen kann man ja immer etwas. Das ist immer die letzte Massnahme.

          Mit Paperclay haben wir auch schon mal was gekittet und neu gebrannt, das geht – ist aber aufwändig.

          Lieben Gruß zurück
          Gerhard
          🙂

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      1. That is a wise decision, rebuilding is usually better and different from what was broken. That’s how I usually do it too, no use and no sense in fiddling with a repair. Of course, this does not apply to valuable and antique objects.

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        1. It really depends.
          If she had used “paperclay”, no one would see the scar afterwars. But the angel takes the whole killn for a new buning-Try. and the cours will be different adfterwards.

          I think a bit differently, because usually the objects take a long time till they are finished.

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            1. In those times, in which I don’t create many things it takes several weeks, even more than one or two months till the final result. Because the killn needs to have several objects and sculptures before starting it.

              Enjoy your day too,
              best regards, Gerhard

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  9. Meine erste Assoziation hatte mit Engel gar nichts zu tun, sondern eine junge Frau, die schwer trägt an der Last auf ihren Schultern, die ihr (vermutlich) jemand anders aufgebürdet hat … . Sehr ausdrucksstark!

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    1. Eine Last auf ihren Schultern – ja, so könnte man die Flügel auch sehen.
      Die Irdenexistenz hat aber auch selbst etwas Belastendes, nicht wahr?! Das kann vom ersten Moment an so sein.
      Später dann versucht man, Belastungen abzubauen, abzuschütteln, sofern man kann.

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      1. Ich weiß gar nicht, ob die Irdenexistenz selbst unbedingt etwas Belastendes hat. Das kommt vermutlich immer auf die Umstände, die konkreten Bedingungen und die eigene Sichtweise drauf an. Ich hatte dem Gesicht der Figur etwas Afrikanisches unterstellt… . Und so sozusagen meine Sichtweise über die Bedingungen für Frauen in Afrika in die Statue hinein interpretiert 😎… .

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        1. Meine Frau hat ein Faible für afrikanisch-anmutende Gesichter, das stimmt. 🙂
          Für Frauen ist die Welt im Verlauf der letzten 100 Jahre im allgemeinen besser geworden, aber natürlich noch vielerorts im Argen.

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  10. Mir gefällt der Engel von hinten sehr gut, Gerhard. Zuerst habe ich gedacht, wo einst der Kopf war ist jetzt eine Hand und was für einen Hingucker ist es geworden…

    Von Vorne betrachtet, finde ich den Engel bedrückend, beklemmend – mir wird’s eng ums Herz. Ich habe bewusst weggeschaut und beim zweiten und dritten Mal schauen wird’s allmählich leichter.
    Jetzt muss ich an Margaret Atwood’s “The Handmaid’s Tale” denken; als ich die großartige Filmserie zum ersten mal sah, dachte “nein, das hier muss ich mich nicht antun” und heute freue ich mich jeden Abend auf die Fortsetzung.
    Der Engel wurde gut in die Dystopie von Atwood passen; die Haltung und die düstere Stimmung passt 1:1. Fortsetzung folgt …

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    1. “The Handmaid’s Tale” kenne ich nicht.
      Dystopien haben mich als jungen Menschen angesprochen, da kann ich mich gerade erinnern.
      Ich kenne auch eine junge Frau, die solche Dystopien gezeichnet hat, aber jetzt Mutter ist und – wohl – nicht mehr in dieser Welt zuhause ist.
      Für mich persönlich war diese Skulptur contemplating, in deep thought. Also eher eine positiv besetzte Auslegung.

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  11. Meine Meinung dazu: Der Engel, der dasteht mit hängenden Flügeln und gedankenverlorenem Ausdruck ist wunderschön und passt perfekt in die momentane Zeit. Sogar der Haarriss scheint mir irgendwie logisch zu sein.
    Mit liebem Gruss nochmal,
    Brigitte

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  12. Ich finde die Skulptur keineswegs entwertet. Im Gegenteil, kleine Brüche zeigen auch, dass nicht alles glänzt und scheint. Das passt auch zu dem Ausdruck de Skulptur. Für mich ist es ein Engel, der erkannt hat, dass es mit dem gefallenen Engel nun keine Engelschaar mehr geben kann.

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    1. Ja, kleine Unregelmässigkeiten sind ja oft das Salz der Kunst.

      Und ja, das mit der Engelschar war ein hoffnungsvoller Gedanke gewesen, aber leider wurde es anders. Noch immer aber glaubt man, daß die Menscheit letztlich auf eine Vervollkommnung hinlaufen würde.

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      1. Ja Hoffnung trägt uns immer dann besonders gut, wenn es uns nicht gut geht. Der Glaube auch, ich hoffe, dass ich meine Rechtschreibung irgendwann mal richtig in den Griff kriegen werde, aber großen Glauben daran habe ich nicht.;-)

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        1. Der Glaube an Erlösung auf Erden ist vermessen, das gewiss. Daran zu glauben, ist fast ridiculous.
          Und dennoch möchte man nicht verzweifeln und Schritte sehen, die die Situation der Menschheit verbessern.

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