Generationenfolge

Dank Christiane geht es auch 2021 mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Ludwig Zeidler.
Folgende Worte sind in einem bis zu 300 Worte starken Text zu verwenden:

Zetermordio
weichmütig
backen.

*

Hans Oma war eine sehr weichmütige Frau. Generös, aufopfernd, immer ausgleichend. Sie war … die Liebe selbst!

Der Grossvater von Hans dagegen war bekannt dafür, daß er öfters Zetermordio schrie. Er soll einmal so stark getobt haben, daß man um das ganze Zimmer Angst haben musste. Und wahrscheinlich auch um ihn selbst.

Kein Wunder fast, daß seine Tochter Renate nach ihm gebacken wurde. Auch sie war zeitlebens jähzornig bis zum Geht nicht mehr.

Und kein Wunder dann auch, daß in der nächsten Generation Wut ein sehr ambivalentes Gefühl wurde. Renates Sohn Hans hatte immer Probleme damit, er verzog sich bei Ansätzen von Streit mit seiner Partnerin. Für Hans war Streit höchst bedrohlich, er konnte nicht bei einer Auseinandersetzung bleiben, wurde kribbelig oder ganz stumpf.

Seinen Opa hatte Hans nie kennengelernt, wusste nichts von ihm. Und das was er wusste, bezog er nicht auf sich.


18 thoughts on “Generationenfolge

  1. Ursachen erkennen, verstehen, wo eigene Verhaltensmuster herkommen, ja, das ist das eine. Ich glaube, es ist auch ein wenig individuell verschieden, inwieweit eine Person Ursachen “verstehen” muss, um verändern zu können. Es gibt Leute, die interessiert nicht das warum, sondern nur das wie. Die empfinden das “Wühlen in der Vergangenheit” als Zeitverschwendung.
    Für die Mehrheit aber (und das schließe ich mich ein) ist es aber doch erst einmal essentiell zu begreifen, woher bestimmte Angewohnheiten kommen, um sie dann hinterfragen und nach und nach ändern zu können. Ich bin inzwischen soweit, dass ich vieles begriffen habe, noch nicht alles, und vom Kopf her weiß, dass mir kein Leid geschieht, wenn ich sichtbar werde, widerspreche, andere nicht mit mir und meiner Haltung einverstanden sind. Aber die inneren Stimmen, die das Gegenteil behaupten, sind trotzdem noch laut und die körperlichen Reaktionen dieselben. Mit dem Verstehen wurde die Grundlage gelegt, aber der Weg – wohin auch immer – ist noch lang …

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    1. HERZLICHEN DANK, Ines, für die sehr differenzierte Antwort.

      Der Kopf kann vieles Begreifen…
      ich z.b. wache manchmal nachts auf, wegen einem “Fehlverhalten” meinerseits (das meist keines war”. Mir wird das immer und immer passieren. Das einzige HIEr: Akzeptieren.

      Körperliche Reaktionen zeigen doch IMMER an, wie tief verankert etwas vermutlich ist.
      Der Körper hat sein eigenes Lernen.

      Worin ich manchmal leide, sind “Irrationalitäten”, die mich anfliegen wie ein plötzlicher Bauchschmerz. Auch diese Irrationalitäten sind sozusagen somatisch.

      Fakt ist, daß viel schief laufen kann im Leben. Irgendwann aber muß man sich adäquat um sich selbst kümmern und tun, was etwas voranbringt.

      Danke!

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  2. Im Grunde genommen haben Gerda und Ulli schon alles gesagt. Man muss sich dessen bewusst werden, was man mit sich herumschleppt, um es hinter sich lassen zu können. Das Bewusstsein “Die haben das so gemacht, ich kann mich entscheiden, es anders zu machen” hilft, aber auch dahin muss man erst mal kommen …
    Morgenkaffeegruß, nachdenklich, ohne Schnee … 😁☁️☕🍪👍

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    1. Hans hat die Konfliktscheu quasi in jeder Zelle, da hülfe wohl nur lange Arbeit an ihr.
      Möge es ihm gelingen!
      Hoffentlich hat der Kaffee gemundet, Christiane, ich brauche noch einen zweiten.
      Lieben Gruß und danke
      Gerhard

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  3. Das Fremde im Menschen, mal ist es ein Erbe, mal eine Fruehpraegung, manches lässt sich nicht ergründen, aber wenn es stört, dann kann man es auch ohne Ursachenerkennung transformieren. Ja, es dauert. Und klappt auch nicht immer.
    Eine gelungene Etüde, lieber Gerhard.
    Gutenmorgenkaffeegruss,
    Ulli 🍞☕❄️ (mit Schneefall)

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    1. Ja liebe Ulli, die Ursache muss man nicht kennen, um etwas transformieren zu können.
      In dem falle machte schon “der körper quasi zu”, da würde wohl nur behutsame Konfrontation helfen.
      Guten Morgen, mit Kaffee aber ohne Schnee 😃

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  4. Interessant finde ich deinen letzten Satz: “Seinen Opa hatte Hans nie kennengelernt, wusste nichts von ihm. Und das was er wusste, bezog er nicht auf sich”. Dieses “Nicht-Wissen” ist die eigentliche Quelle seines Problems (Konfliktscheu), denn anstatt das in ihm wirkende Erbe bewusst anzunehmen und umzuwandeln, bleibt es im Unter- oder Halbbewusstsein stecken und bereitet ihm Angst.

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    1. Liebe Gerda, selbst wenn er es weiß, bedeutet es noch keine Heilung. Es steckt in all seinen Poren. Es ist körperlich verankert.
      Es gibt da schon therapeutische Ansätze, aber das ist generell ein schweres Ding.

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      1. Leicht ist es nicht, aber auch nicht sooo schwer, wenn er dazu kommt, dieses Erbe angstfrei zu betrachten und es bei denen zu lassen, zu denen es gehört. Im menschlichen Lebenslauf ist die erste Hälfte fast immer durch Erbe belastet, es kann sogar auch gutes Erbe sein, aber es ist eben nicht das Eigene, der eigene Weg. Erst wenn dieses Erbe durchgearbeitet ist, wird der Weg frei für das wirklich Eigene, das dann in die volle eigene Verantwortung fällt. Diesen Schritt in die eigene Verantwortung muss jeder machen.
        Dies ist im Grunde das ganze Programm, nach dem ich in meinen Therapien arbeite. wie komme ich zum Eigenen.

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        1. Gut, dass du geantwortet hattest.
          Ich bin kein Therapeut, aber ein therapierter.
          (Der geschilderte Fall hat nichts mit mir zu tun, by theway.)
          Ich bin in Kontakt mit einigen, die durch Therapien gingen. Ich sehe die Erfolge von Therapien auf lange Sicht mediocre.
          Dennoch gibt es durchaus Erfolgsstories, aber in der Regel durch harte, langwährende Arbeit – an sich selbst.
          Du als Therapeutin hast vermutlich wenig Kontakt zu Klienten von vor 20, 10 Jahren oder?!

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