Month: February 2019

Ein Großer verlässt die Bühne

schach

Vladimir Kramnik, der Weltmeister im Schach von 2000 bis 2007, hat vor kurzem mit 43 Jahren seinen Rücktritt erklärt.
Seit seinem Sieg 2000 über Garry Kasparov verfolgte ich seine Karriere sehr intensiv , war von der Tiefe seines Spiels beeindruckt. Gerade in seinen Analysen auf Pressekonferenzen zeigte er, was er in den jeweiligen Partien alles bedacht hatte.
Andere Zeitgenossen beachtete ich in dieser Zeit wenig.
Vor 5 Jahren kam der jetzt 28-jährige Magnus Carlsen ins Spiel. Er versteht es vor allem, völlig gleiche Stellungen zu einem Vorteil zu verdichten. Dennoch verfolgte ich weiter Vladimir Kramnik.

Wie fing alles an?
1972 gab es ja den legendären WM-Kampf Boris Spassky  gegen Bobby Fischer.
Ich als Novize im Schach versuchte die 24 Partien des WM-Kampfs so gut wie möglich zu verstehen. Was natürlich nur näherungsweise gelang.
Nach dem Gewinn des WM-Titels verschwand Fischer von der Schachbühne und andere nahmen seinen Platz ein.
Damals war ich über einige Jahre ein Fan des Dissidenten Viktor Korchnoi. Ich lies mir eines seiner Bücher von ihm signieren und nahm an einem Simultan gegen ihn in Würzburg teil. Auch in Bad Kissingen, wo er mehrmals spielte, war ich Zuschauer.

Kasparov war von 1985 an der maßgebliche Spieler. Er war der erste, der seine Varianten mithilfe von Computeranalysen schärfte.

Und dann kam Kramnik, über den ich anfangs sprach.

Sein Verzicht jetzt auf weiteres Mitspielen im Olymp des Schachs lässt sich leicht erklären: Er ist Familienvater und wird es zunehmend schwierig finden, 8+ Stunden täglich hart zu trainieren, d.h. vor allem die neuesten Partien anzuschauen, seine Eröffnungen zu checken und die Schlüsselvarianten ständig zu memorieren.
Leute, die 20 – 25 Jahren jünger sind, haben eine ganz andere Motivation – sie wollen ganz nach oben und sind bereit, endlos Arbeit in ihre Passion zu legen.

Für mich persönlich ist der Weggang von Kramnik ein Schlag.
Ich weiß nicht, welcher Spieler ihn ersetzen könnte. Der Weltmeister Magnus Carlsen hat z. Zeit keinen ebenbürtigen Gegner und es tauchen auch keine charismatischen Spieler, wie es Kramnik war, neu auf. Die, die in Frage kämen, haben nicht die Stamina über lange Zeit hinweg.
Auf alle Fälle entfällt ab jetzt das Mitfiebern bei einem Turnier, an dem Kramnik teilnahm.