Weg der Erinnerung

Am Berliner Ring in Würzburg fiel mir kürzlich zum ersten Mal eine Tafel auf, die auf die Deportation der Juden in der NS-Zeit hinwies.

Weg der Erinnerung

Mein Gefühl war, ob zurecht oder nicht, daß diese Tafel allgemein kaum bekannt ist.

Als ich im Mai dieses Jahres auf der Rückreise von Südtirol für zwei Tage im Ostallgäu Station machte, war ich vor Ort ganz entsetzt, übers Internet zu erfahren, daß unweit der Herberge einst ein Arbeitslager existierte, bei dem in kurzer Zeit die Hälfte der Belegschaft umkam.
Ich suchte am nächsten Tag die schwer zu findende jüdische Gedenkstätte am Rande eines Walds auf:

Riederloh

31 thoughts on “Weg der Erinnerung

  1. Um nicht missverstanden zu werden möchte ich gleich vorweg sagen, dass auch ich aus dem fernen Kanada mit allen deinen Lesern und dir völlig übereinstimme. Man darf die grauenhafte Geschichte über die Vernichtungslager der Nazis nie vergessen. Unser Ziel muss sein, dass sich solche Schandtaten in der Geschichte der Menschheit nicht wiederholen dürfen.
    Nun zu Kanada. Während des zweiten Weltkrieges wurden zig tausende von kanadischen Staatsbürger japanischer Abkunft von ihren Wohnungen an der pazifischen Küste vertrieben, ihr Hab und Gut wurde versteigert, Männer, Frauen und Kinder ins Innere des Landes deportiert, und in Lagern zusammengepfercht. Es hat der kanadischen Regierung über 50 Jahre genommen, bis sie diese Schandtat überhaupt zugab und sich bei den Nachkommen dieser ‘Volksfeinde’ entschuldigte. Entschädigung gibt es bis heute nicht. 1939 wurde ein Schiff voll mit Juden, die sich in letzter Minute gerettet glaubten, wieder zurückgeschickt. An ihrem Schicksal hat sich Kanada schuldig gemacht. Ihr seht, auch hier muss viel in Erinnerung bleiben.
    Herzliche Grüße und viel Mut! Peter

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    1. Danke Peter, das wusste ich auch alles nicht. Diese Zeit war so komplex, ich glaube es ist schier unmöglich irgendwann einmal ALLES darüber zu wissen, wenigstens erscheint es mir so, immer wieder erfahre ich noch einmal etwas, wie heute von Kanada.
      Herzliche Grüße, Ulli

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  2. Es waren eigentlich überall Lager. Mauthausen in Oberösterreich hatte um die 50 Außenlager, wenn ich mich recht erinnere, und in vielen von ihnen wurden tausende Menschen ermordet. Mein Großvater war Kommunist. Mit meiner Großmutter musste ich nicht diskutieren, dass die Nazis widerlich waren. Und die wusste schon während des Krieges, dass Nachbarn in Lager gebracht wurden. Nicht nachvollziehbar, dass so viele nachher nichts gewusst haben wollten. Das „Niemals vergessen“ wird immer wichtig sein.

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    1. Dein erster Satz ist sehr richtig!
      Überall.
      Es gab Lager, in denen in der Nähe im Tal ein Urlaubsort war, aus dem manch Junge zum Zahnarzt ins KZ ging.
      Es war gefährlich, zu wissen, denke ich!
      Ich möchte nicht in dieser Zeit gelebt haben.

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        1. Die nachfolgenden Generationen entschlüpfen sozusagen “dem Milieu”. Wenn die Eltern sozusagen 68er waren, dann waren es vielleicht die Großeltern, die man manchmal nicht einmal gekannt hat, die in dieser Zeit lebten.
          Die Gefahr ist, daß das alles nach hinten rutscht.

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    1. Das ist mal eine tolle Argumentation!
      Oje!
      Ich habe meinen Aufenthalt im Ostallgäu als Tourist trotzdem genossen, aber “das andere” war mir ungemein wichtig. Weil es zeigt, wie DICHT dran das alles war. Wie unheimlich dicht.

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      1. Mich hat es auch schockiert, vor einigen Jahren an einem Haus, an dem ich jahrelang entlanggegangen bin, eine Tafel mit der Schicksalsgeschichte der dort bis 1938 lebenden Familie zu finden. Von meiner kleinen Kindheitsstadt hatte ich das eindach nicht erwartet.
        Andererseits hat sich mein Grossvater in seinem Friseurladen in Buxtehude erhängt, nachdem er immer wieder antisemitisch drangsaliert wurde, weil er Benjamin hiess.

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          1. Hatte das Ur- vergessen zu schreiben, es war die Generation zuvor. Ja, einmal das, und zum anderen glaubten viele nicht, dass der besitzgierige Mob auch nicht davor haltmnachen würde, Antisemitismus zum Vorwand zu nehmen, einfach jeden, der sich nicht wehren konnte, auf diese Weise zu enteignen. Die Familie war in diesem Fall zugereist und “fremd”. Gäbe es nicht die Einträge zu den Taufen und Konfirmationen der Kinder in den Kirchenbüchern, wäre die Familie dort nicht nachweisbar – aus allen anderen offiziellen Verbuchungen wie dem Grundbuch zum Hausbesitz ist sie, wie ich im Stadtarchiv erfuhr, wie niemals dagewesen.

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