Spiel mit Worten und Gesten

Letzten Herbst war ich auf der Rückreise vom Urlaub auf dem famosen Keramikmarkt Milsbeek in Holland, u.a. um dem Töpfer Job Heykamp einen Besuch abzustatten.

Ich schätze Job, auch und gerade wegen seines Humors. Wir bewegen uns da auf einer Wellenlänge, meine ich, und zudem ist er auch nur 2 Monate älter als ich.

Job

Am frühen Morgen des zweiten Markttags kaufte ich zwei Keramiktafeln von ihm – und lies sie von ihm verwahren.
Als ich mich am Spätnachmittag von ihm, die gekauften Platten mitnehmend,  verabschieden wollte, fielen mir zwei weitere, ausgesprochen schöne Tafeln auf, die ich bei ihm schon letztes Jahr gesehen hatte und die er als Ersatz für die von mir gekauften Tafeln auf seinem Tisch ausgelegt hatte.

Weil ich Job sehr mag und ich ohnehin gerne etwas tue, was man nicht erwartet, beschloß ich spontan, die 2 Tafeln jetzt auch noch zu erwerben.
Und ihn dabei auch etwas “aufzuziehen”.
Ein Kitzel geboren in Sekundenbruchteilen.

Ich zog ihn leicht beiseite, so als wolle ich ihm im Geheimen etwas zuflüstern, beugte mich leicht vor und bekundete mit einem gespielt leichten Zögern: “Du Job, gibst Du die auch her?”
Ich fand es witzig, meinen Kaufwunsch so rüberzubringen, als ginge es um einen geheimen Handel. Es war ja im Grunde einer, denn normalerweise kauft man nicht noch ein weiteres Stück (und zeigt ein solches Verhalten den Umstehenden).

Er reagierte aber auf meinen Wunsch mit “Oh, oh!” und schien sich etwas zu winden.

Ich tat so, als hätte ich den Eindruck, daß er sich eigentlich nicht von den zwei sehr schönen Teilen trennen wolle. Was natürlich absurd wäre.

“Ja, willst Du nicht?”

“Doch, doch!…Pass auf, ich mache Dir einen Preis”. Und er gab mir die zwei Tafeln geringfügig billiger.

Jetzt hatte ich also meine Tafeln (siehe unten) und Job freute sich sehr. Wir freuten uns beide!

Am Abend sprach ich mit meiner Partnerin darüber und sie klärte mich auf, daß Job sicher geglaubt hatte, daß ich die Objekte geschenkt haben wollte!

Das war bitter für mich zu hören!
Ich hatte offenbar zuviel des Guten mit meinem Gag getan,  ihm als Fremdsprachler einfach zuviel abverlangt.
Ich bin ja auch zudem wirklich nicht jemand, der etwas geschenkt haben möchte und dabei auch noch Freundschaft in die Waagschale werfen will. So möchte ich nicht dastehen!

Dieser Vorfall belastete mich über Gebühr. Aber wie sollte ich dieses Mißverständnis aufklären?

Ich konnte 8 Monate später beim Diessener Töpfermarkt im Mai 2017 den Fall mit ihm klären. Er erinnerte sich wage, verstand, was ich meinte, “gab Absolution” und erklärte, daß er nach langen Markttagen mit solchen Dialogen, noch dazu in einer Fremdsprache, überfordert sei. Noch dazu denke ich, daß ich mit meinen theatralischen Künsten so überzeugend war wie ich es oft bin. Das ist ja gerade der Kitzel immer.

Ende gut, alles gut!

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