Das folgende Foto von Myriade in ihrer neuen Folge der Impulswerkstatt erinnerte mich an eine jüngst stattgefunden habende Aufklärung durch Hans-Joachim Schlichting.
Ich sah in einer Regentonne hilflos Insekten treiben. Der Wind trieb sie in einer Kreisbewegung um die Mitte herum um.
Wieso konnten sie sich nicht befreien?
Joachim sagte, daß der Insektenkörper wasserliebend ist. Hydrophil sagt man dazu. Ist der Körper benetzt, verbindet sich das Wasser am Körper leicht mit dem der Tonne. Das Wasser bildet so eine zusammenhängende Einheit und das Flieglein wird so zum Teil eines Systems. Dieser Wasserverbund wirkt sich dann wie Klebstoff aus. Aber wenn das so ist, wieso landen dann die Fliegen überhaupt auf dem Wasser? Nein, das tun sie natürlich nicht. Sie trinken vom Rande her, können aber durch Unfälle ” ins Netz des Wassers” geraten. Dann strampeln sie in der “Klebemasse” und kommen durch Winde unweigerlich mehr hin zur Mitte des Trogs, wo ich sie evtl. noch zappelnd vorfinde.
Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Nun denn: Kann man zuviel vom Leben verlangen? Und was ist ein solches Verlangen im Einzelfall: Ist es neurotisch oder wohlbegründbar?
Man wird ja in dieses eine Leben gestellt und muss bald wieder ab- und austreten. Kein Wunder, daß man dann wenigstens das (kurze) Leben “auskosten” möchte. Kann man es denn wirklich aus-kosten, kann man satt werden? Ist das Leben wie ein Bankkonto, das man zu steigern versucht? Und ist die angestrebte Höhe eines solchen Kontos dann wirklich befriedigend?
Die Phrase “Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach” transportiert eine Bescheidung. Im sogenannten Ultimatumspiel muß ein Spieler A dem unbekannten Spieler B ein Angebot machen und zwar einen Prozentsatz des “Kuchens”, den er ihm abgeben will. Lehnt B ab, bekommt keiner etwas. Nun ist die Frage, was A anbieten soll. A kann auch mit 50% scheitern. Soll er stattdessen nur einen Bruchteil des “Kuchens” für sich behalten und dem anderen das Gros des Kuchens anbieten? Da hätte er grössere Chancen oder soll er das Maximale für sich fordern, denn B möchte doch , so nimmt er an, wenigstens einen kleinen Anteil?! Fragen über Fragen!
Manche drängen sich in Diskussionen gerne in den Vordergrund und reden, obwohl sie wenig beitragen können. Wenn sie merken, daß sie sich so diskreditiert haben, gilt der Satz” Hättest Du geschwiegen, wärest Du Philosoph gewesen!”. Jedenfalls ergreifen nicht immer die Kundigsten das Wort in einer Runde. Vielleicht denken solche, daß es nicht wichtig ist, auf eine gerade diskutierte zweifelhafte Auslegung zu kontern. Also schweigen sie und lassen die Diskussion geschehen. Oder schweigen sie deshalb, weil sie fühlen, daß der diskutierte Sachverhalt überkomplex ist – und auch sie nur einen Brocken beisteuern könnten?!
“Bietet sich eine Möglichkeit, musst Du zugreifen!” Jedenfalls griff ich selbst nicht immer zu. Eher in sehr sehr wenigen Fällen. Ein Beispiel: Bringt ein Gespräch mit einem Prominenten wirklich etwas, denn morgen hat er Dich vergessen, Du wirst nicht eingeprägt. Also wieso “seinen Arm anbieten und sich einhängen”?!
Vor etwa 20 Jahren bin ich in 3 Tagen zig km gefahren, von Fete zu Fete, von Treffen zu Treffen. Etwa zweimal machte ich so etwas. Es war gut, so etwas kennenzulernen, so etwas mal gemacht zu haben. Ich kenne das also, muß es aber nicht wiederholen. Zumal jetzt auch wohl nicht mehr die Kräfte dazu reichen.
Torschlusspanik kenne ich nicht. Jedenfalls noch nicht. Das Argument “Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen” ist so ein Schlager! Und so fahren viele Alte im Stakkato in Urlaub, weil sie argumentieren: “Vielleicht kann ich das nicht mehr in 2, 3 Jahren?!” Also wird gehetzt und schnell gelebt. Es gibt dabei ja auch das Argument: “Das hält Dich jung!”. In der Tat kann das wie eine Droge sein, die einiges an Botenstoffen freisetzt.
Was gibt es noch in diesem Zusammenhang?!
Wer zu hoch strebt, kann auch tief fallen. Sind das die Übervorsichtigen, die dieses Sprichwort gerne zitieren? Ab und an bewahrheitet sich dieses Sprichwort und dann nicken die zurückhaltenden Köpfe im Gleichklang…man hatte es schon immer gewusst!
Genügsamkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Wer sich nicht rührt, dem gebührt eben ein Platz weiter hinten.
Und schon sind wir hinten angelangt in dieser kleinen Betrachtung! 🙂
Das 38. Jazzfestival der Jazzini Würzburg fand am Wochenende statt.
1989 habe ich ihm wohl das erste Mal beigewohnt. Danach immer wieder einmal, ab etwa 2008 regelmässig.
Bis der Bruch kam.
Nach 2019 also wieder ein Besuch beim Jazzfestival.
Ich kenne doch viele der Jazzfreunde vom Sehen, aber da war ja jetzt ein Gap von 4 Jahren. Den einen oder anderen begegnete man dennoch bei anderen Gelegenheiten.
Live Jazz zu hören, wieder einmal, und auch zweimal 5 Stunden am Stück, das ist besonders. Eine sehr lebendige Musik. Die Liebhaber dieser Musikrichtung erweisen sich meist auch als sehr lebendig: Es ist eine Mischung verschiedenster Leute. Manche von ihnen könnte man im Naturschutzbund verorten, andere in philosophischen Seminaren oder in Werkstätten als Künstler. Das Gros sind wohl aktive Musiker oder Musikstudenten.
So wie mir einst ein ganzes Feld an Leuten beim Verlassen des Berufslebens verloren gingen, waren es die Jazzliebhaber ab 2020.
Es war wie ein Heimkommen. Fast enthusiastisch begrüsste ich den einen oder anderen. Ob dieser jeweils den Hintergrund kannte? Wohl nicht. Denn jeder erlebte die letzten Jahre doch ein Stück anders, passiv oder weniger passiv.
Zwar habe ich in den letzten Jahren ein vernünftig großes Bekanntenfeld gehabt, aber das Wiedereintauchen in diese spezifische Szene war ein Stück weit wie eine Neugeburt.
Ich habe seit 6 Jahren ein neues Thema für mich, das sind die Insekten. Obwohl ich fast täglich dran bin, kann es sein, daß ich etwas aus der Insektenwelt falsch deute. Das mag sein!
Ich hätte mich vor 6, 7 Jahren versteifen können, eine schon lange bestehende Leidenschaft noch weiter auszubauen. Dort, in diesem Feld, kann mir tatsächlich kaum einer ein X für ein U vormachen.
Aber es war für mich damals interessanter, ein weiteres Feld aufzumachen.
Ich finde das richtig. Ich kenne einen Doktor der Biologie, der sich neben anderem nun intensiv der Physik widmet und zwar hardcore.
Einer meiner Leidenschaften ist auch Musik. Gerade in letzter Zeit greife ich das einst intensiv beackerte Feld wieder auf.
Gerda meinte einst lakonisch – und sinngemäss: “Dann ist man in keinem Feld richtig Experte“.
Das mag stimmen.
Aber was ich schon vor Jahrzehnten zu wissen meinte, ist, daß man, um eine weitere Tiefe in einem bestehenden Feld begehen zu können, man unverhältnismässig viel Energie reinstecken muß. Ich denke, das stimmt nachwievor.
Vor Jahren portraitierte ich hier auch ein, zwei, drei Leute, die in völlig verschiedenen Feldern “Meister” waren: Sport, Literatur und Kunst etwa. Heute wäre ich nicht so scharf darauf: Man muss nicht etwa Boxer sein, Lyriker, Wissenschaftler ,Koch und Gartenexperte. Darauf käme es nicht an. Nicht Experte in völlig disparaten Feldern. Aber offen sein für manches andere – neben seinen bisherigen Vorlieben.