Category: Persönliches

Sinnestäuschungen

Das letzte der 4 Fotos, die Myriade in ihrer neuen Folge der Impulswerkstatt vorstellte.

Ein Wasserglas auf dem Holz eines Tisches, das ein optisches Verwirrspiel mit dem Tisch und dem Inhalt des Glases treibt.
Wir hinterfragen ja gewöhnlich nicht, was uns unser Auge (an)liefert, wie etwa die doppelt abgebildete Zitronenscheibe.
Gelegentlich kommen wir trotzdem ins Schleudern: Ich kann mich mindestens an 3 Fälle erinnern, in denen ich optisch etwas wahrnahm, das eigentlich nicht sein konnte:

  1. Einmal bin ich in der Dämmerung über eine Brücke gegangen, als mir aus einem Busch am Rand des Brücken-Gehwegs etwas entgegen zu kommen schien. Spontan wich ich aus. Zuhause wurde mir klar, daß verstärkter Tränenfluss diese Täuschung hervorgerufen hatte.
  2. In einem Tierpark schien mir das Wasser in einer Zementwanne nicht waagrecht zu ruhen, sondern schief. Mir wurde spontan schwindlig. Es zeigte sich, daß Linien in der Wanne diese Schieflage implizierten. Diese linienförmige Spuren waren auf einer Seite höher gelegen.
  3. Unlängst hatte ich auf einem abschüssigen Gehweg in der Stadt plötzlich das Gefühl, ich laufe auf ein Brett zu. Ich bückte mich instinktiv. Eine Farbe eines Werbebanners zu meiner Rechten hatte das offenbar begünstigt.

Aber auch andere Sinne können falsche Informationen liefern.
So vermeinte ich als Kind jemand mit einem Stock im Haus herumlaufen zu hören. Aber ich war ja alleine. Also floh ich rasch aus dem Haus.
Auch da wurde mir später klar, daß es sich um das Pochen des Bluts bei mir gehandelt hatte.

Auch der Geruchssinn kann täuschen. Vor geraumer Zeit nahm ich ab und an einen gewissen Geruch wahr, der signifikant war und den ich schwer zuordnen konnte. Es war klar, daß es diesen Geruch in der aktuellen Situation nicht geben konnte.

Weitere Beispiele könnte ich anführen, will es aber damit bewenden lassen.



Augenparade

Das obige Foto von Myriade in ihrer neuen Folge der Impulswerkstatt lässt mich an so manch Gelesenes über Augen zurückdenken.

Simon Ings schrieb 2007 ein populärwissenschaftliches Buch über das Auge, das dann 2008 in Deutsch erschien.

Das war meine erste populärwissenschaftliche Lektüre über das Sehen. Ich ging das Buch vor kurzer Zeit noch ein zweites Mal durch.
Ings beleuchtete das wohl erste Sehen im Tierreich, das lediglich den Ort der Lichtquellen ausfindig machte, um sich die Energie des Lichts nutzbar zu machen. Mehr als Augengruben waren das nicht oder sogar noch rudimentärere Detektoren.
Der Weg hin zu den hochentwickelten Augen der Jetztzeit im Tierreich war ein sehr langer Weg, der so manche Zweifler auf den Plan rief. Wie sollte denn eine solche Entwicklung, ganz von alleine, “in relativ kurzer Zeit” vor sich gehen?! Menschliche Augen und der dazugehörige “Gehirn-Apparat”, der die Lichteindrücke adäquat verarbeitet, sind ein solch komplexes Gebilde, daß man dachte, daß die Zeit dafür, selbst 500 Millionen Jahre, mit reinem “Trial and Error” nicht ausgereicht haben konnte.

Aber sie hat ausgereicht.

Die Nutzbarmachung aller möglichen Informationsquellen, sei es Magnetismus und Elektrizität, Licht, Tastinformationen, Riechinformationen ( und auch inwendige Informationen) wurden m.E. im Tierreich genutzt, sobald man ihnen irgendwie habhaft werden konnte. Alles Leben auf Erden, sei es Pflanzen oder Tiere, “war bestrebt”, diese zu nutzen. Was ergründbar war, wurde in der Natur “angegangen”, die möglchen Informationen in der Evolution genutzt.

Nenne den Motor dahinter Selektionsdruck oder etwas anderes. Diese Auffassung ist meine eigene laienhafte Überlegung dazu.

Kürzlich las ich, wie Insekten eigentlich auf einem Blatt landen. Sie tun das, indem sie beim Anflug das Vorbeigleiten der Umgebung wahrnehmen und das charakteristisch schneller werdende Umgebungsbild als Hinweis nutzen, wie weit denn ein Aufsetzen zeitlich weg ist. So landen sie dann sicher.
Man vergleiche das mit dem Landevorgang eines Flugzeugs. Wenn im Kabinenfenster die Bilder auf bestimmte Weise zu rasen beginnen, dann weiß man: Das Aufsetzen ist nicht weit entfernt.

Auch beim menschlichen Auge gibt es noch vieles zu entdecken.

Es gibt Seeinformationen, die nicht bewusst werden, die aus irgendwelchen Gründen sozusagen “den Bildschirm des Bewusstseins” nicht erreichen. Und dennoch intern verarbeitet werden und eine Entscheidung oder ein Verhalten beeinflussen können.

Wir wissen das alles natürlich längst (unterbewusste Beeinflussung) ,es aber im Detail nachweisen zu können, ist etwas anderes.

Damit will ich meine kleine Betrachtung beenden.

P.S. Im aktuellen Beitrag von Joachim Schlichting (Picasso in Münster) geht es auch um Wahrnehmungstheoretisches und zudem nicht wie bei mir aus der Sicht eines Laien.



Tagesgedanken XXXIV

Get used to it

Ich hadere oft mit mir, weil ich nicht mehr die Kräfte eines jungen Manns habe.
Da spiele ich z.b. online Blitzschach und muß mich allzuoft jungen Leuten geschlagen geben, weil mir die Kondition für andauerndes blitzschnelles Rechnen fehlt.

Eigentlich sollte ich das WIRKLICH allmählich akzeptieren, aber es fällt mir schwer. Ich denke aber, allen fällt das schwer.

Das Aktzeichnen am Montagabend hatte ich zuletzt einige Male ausfallen lassen, weil ich vom Tag her zu müde war. Früher gab es das natürlich nicht, da bin ich etwa vom Büro gekommen, habe schnell Gartenarbeit gemacht und bin dann sofort 45 Minuten zum Zeichnen, das dann knapp 2 Stunde dauerte, gefahren.

Eine neue Situation also.
Get used to it, würde ein Engländer sagen.

Wie sich Bilder ändern

Das obige Foto von Myriade in ihrer neuen Folge der Impulswerkstatt erinnerte mich an manche Eindrücke auf meinen Reisen.

Innerhalb weniger Jahre kann sich ein Strassenbild einer Stadt wandeln. Die Transportmittel verändern sich und auch sonst ändert sich manches.

Wenn ich mich an die Mitte der 90er erinnere, ich war für eine Woche in New York, da fand ich beeindruckend, wie schnell und sicher sich die Kuriere auf Rollerblades bewegten. Rollerblades im Stadtbild waren mir von Würzburg und auch sonst damals nicht bekannt.
Eine Szene ist mir in Erinnerung, wie ein junger Mann quer über ein Strassenfeld einen leichten Anschlusshang hochschoß, traumhaft leicht, sicher und schnell. Wenn man ein Transportmittel so sicher beherrscht, kann man es so nutzen, daß man nur noch auf den dazu meist trägen Verkehr achten muß.
“Knock on wood (Holz)” war da sicher nicht nicht nötig. Rollerblades waren damals einfach trendy.

2001 war ich in Tokio, auch für eine Woche,
Vor einer U-Bahnstation gab es eine Unmenge Leute, kommend und gehend, die in ihr Handy schauten. Das war damals in Europa noch nicht so.
Es gab vor dieser U-Bahn-Station praktisch fast niemand ohne direkten Kontakt zu seinem oder einem seiner Handys.
Das war damals sehr befremdlich für mich. Auch in der Werbung war da immer ein Handy integriert.
Ich dachte mir damals: Diese Leute würden eine Gefahr, eine Performance oder eine auffällig schöne Frau in ihrer Umgebung nicht bemerken können!
Heute aber denke ich, daß die Japaner damals schon längst im Multi-Aufmerksamkeits-Modus geschult waren und keineswegs eine Gefahr nicht bemerkt hätten.

So ändern sich die Zeiten.