Category: Gesellschaftliches

Tagesgedanken XXIII

Drei stilisierte Pferde habe ich in Ton geschaffen, zwischen dem, was ich sonst noch anliegt: Haushalt, Hof, Garten , Geselligkeit.
Etwa auch:

Den Worldcup im Schach verfolgen. Da kämpfen 256 hochkarätige Spieler fast einen Monat um einen einzigen Platz, nämlich die Karte fürs Kanditatenturnier, die letzte Stufe vor dem Weltmeistertitel.

Was ich auch heute bemerkte, ist, daß einstige Größen, die auf die 40 zugehen oder darüber sind, große Schwierigkeiten haben, weiter zu kommen.
Erfahrung gegen superschnelle Auffassung.

*

Grégory Privat gab ein Piano-Solokonzert in Rottenbauer bei Würzburg.
Dort war ich am Sonntag mit meiner Frau.

Ganze 85 Minuten dauerte das Matinee.

Das Konzert war einzigartig. Als Jazz konnte man es nicht einstufen, es war eine Art Hybrid.

Der 39-Jährige aus Martinique bot in der Tat ein Feuerwerk an musikalischen Einfällen.
Hinterher traten viele an, um dem Musiker nochmal persönlich zu huldigen. Meine Frau tat das nicht.
Es gab keine Worte – und sich da einreihen wollte sie keinesfalls. Was ich sehr verstehe.


*

Ich habe fast vergessen, wie lang es dauert, eine Skulptur in Ton zu versäubern. Eine fast endlose Arbeit. Man entdeckt immer wieder unsauber verlaufende Linien oder Flächen.

Tagesgedanken XXII

Dieser Tage war ich auf einer Versammlung einer Schmetterlingsgruppe.
Ich war als Gast dieser Gruppe anwesend.

Gebündeltes Wissen und Erfahrung.
Dennoch konnte ich hie und da gut folgen.
Ein Thema war die deutliche Diskrepanz in der Farbgebung zwischen Raupen und den dazugehörigen Nachtfaltern.
Die Raupen waren oft bunt, die Nachtfalter eher nichtssagend..
Was für uns bunt ist, ist für tierische Angreifer wohl eher abschreckend.
Als letzten Schutz haben diese Raupen oft Ausstülpungen wie Äste, die Stachel suggerieren.

Beim Hinausgehen meinte ich zu einer Teilnehmerin, daß man, wenn man immer spezieller in seinem Wissen wird, es mit niemanden mehr teilen kann. ( Das wusste ich vom Schach her. Die Feinheiten dieses Spiels kann man dann nur noch mit Experten, die irgendwo weit weg wohnen, teilen. Das ist der Preis.)
Sie meinte, daß sie, um dem zu wehren, sehr breit aufgestellt sei.

*

Ich erwähnte vorhin Schach. Erst vor vier Tagen erzählte ich einem Ornithologen von einer Situation im Schach in der Bundesliga. Ich hatte eine Partie verloren, Dr. Fahnenschmidt trat ans Brett hinzu und ich fragte ihn, den Nationalspieler, über die Qualität eines Zugs, den ich eigentlich hätte spielen wollen. Er antwortete nicht mit einer langen Erklärung, sondern machte eine etwas fahrige Geste, die heissen konnte, daß es da noch schneller gegangen wäre ( mit meinem Verlust).
Diese Geste half mir nicht. Erst eine gute Zeit später kam ich darauf, was er wohl mit sder spezifischen Handbewegung ausdrücken wollte. Es gab keine direkte Zugfolge, kein 1-2-3, die es zu bemerken galt, sondern eine allgemeine Verkümmerung meiner Situation wäre eingetreten. Und damit auf kurz oder lang auch ein Verlust.

*

Beim Fotografieren der Mordfliege (ich berichtete) bin ich heftig gestürzt, aber wie durch ein Wunder blieb Mann und Kamera heil.
Als wäre mir das nicht eine Mahnung gewesen, bin ich 10 Tage später noch heftiger auf einer Treppe gestürzt. Beim Fallen dachte ich, während ich schrie, an alle möglichen Konsequenzen, wirklich an alle, aber ausser einem etwas lädierten Knie und dem Zerschlagen einer großen Keramikkugel ist nichts passiert.
Ich sollte das nicht ein drittes Mal probieren!

*

Tagesgedanken XXI

Ausgelöst durch 3, 4, 5 Artikel jüngst von HJ Schlichting zum Sehen zog ich erneut ein Buch hervor, das ich wohl vor 10 Jahren gelesen hatte:

Simon Ings – Das Auge.

Das Buch ist von 2007, die Übersetzung von 2008, auf Studien wird bis 2004 zurückgegriffen.

Es beschäftigten sich im Lauf der Menschheitsgeschichte enorm viele Gelehrte mit allen möglichen Aspekten des Sehens/der Sehwahrnehmung im Tierreich und beim Menschen.
Ings geht bei seiner Schau nicht chronologisch vor, sondern beleuchtet immer wieder Teilaspekte – von denen es allerdings ungeahnt viele gibt 🙂

Eine Inhaltsangabe wird hier nicht erfolgen: Nur soviel, das Buch macht mir enormen Spaß!

Ich lese es gerade sogar zum dritten Mal, da ich einige Aspekte überlesen oder mir doch nicht gemerkt hatte.
Ings hat eine bemerkenswerte Tendenz, in seinem Text gelegentlich generalisierende Aussagen einzuflechten. Etwa folgende:

Die meisten Tiere führen ein Leben von unvorstellbarer Regelmäßigkeit und die Evolution hat sie dafür mit Augen ausgestattet, die sie vor Unterbrechungen ihres gewohnten Programms warnen sollen.

Oder folgende:

Feldbegehung ist die ruhmloseste, armseligste Tätigkeit in der Archäologie. Bei diesem Trauermarsch, den Kopf gebeugt,…

Mir gefällt diese lakonische Art. Es spricht ja auch immer viel Erfahrung daraus.

Tagesgedanken XX

Meine Kamera hat etwa 330.000 Aufnahmen hinter sich. Noch kann sie weiter Aufnahmen machen, denn ein kürzlicher Sturz im Garten verlief glimpflich, sowohl für die Kamera wie auch dem Mann dahinter.

Ich bin gestern erstmals wieder in die Werkstatt gegangen. Es war doch eine Zeitlang her, daß ich etwas in Ton gemacht hatte.

Für eine neue Idee, einen stilisierten Vogel, hatte ich eine kleine Skizze gemacht:

Bin gerade bei der 2. Version in Ton.

Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, mit Ton zu arbeiten. Die zig Handgriffe, das Rücken, Räumen, den Umgang mit Brösel und Staub, das ständige Nachbessern der Skulptur und und und.