Ich sprach unlängst mit jemandem privat über meine Bundeswehrzeit. Andere studierten, ich diente. Oha!
Ich lernte durchaus auch einiges während diesem Dienst. Etwa: Ein verlotterter dürrer Mitsoldat, kaum mehr Zähne habend und offenbar Alkoholiker und Vielraucher, leihte sich bei mir ab und an 20 Mark.
Diese 20 Mark bekam ich immer zurück! Dieser Mensch war, trotz seines Aussehens, ein nobler Mensch: In seinem Verhalten und seinen Gedanken.
Diese gebückt da sitzende alte Frau strahlt eine wache Intelligenz aus. Was allerdings kontrastiert, ist der Rosenkranz an ihrem Stock.
Dieses Wache ist aber nicht eindeutig. Das linke Auge strahlt Wissen und Verstehen aus, das rechte eher Stumpfheit. Ich denke, diese Diskrepanz ist hier der Abbildung zuzuschreiben, war also von der Malerin nicht so gewollt.
Der Stock sagt: Face it, das Leben ist eine Bürde. Nimm das an!!
Als Frau sowieso: Da ist der dienende Part includiert.
Allerdings. Wer ausser Frauen kann es schaffen, in der Not Beistand zu leisten? Nur wenige Männer können das wohl. Noch immer sind es Frauen, die “erste Hilfe leisten”, wenn alles den Bach hinuntergeht.
Zwar kenne ich in meiner Generation Männer, die einem depressiven Menschen zuhilfe kommen, zumal, wenn sie eine Beziehung zu ihnen hatten. Doch immer noch ist es wohl so, daß Frauen diesen Part übernehmen.
Ich mag diese knochigen Hände der Alten. Se braucht auch die Berührung der einen zur anderen Hand. Das ist so liebevoll zu sich.
Was mir auch auffällt ist der Umhang der Alten. Also ist sie des öfteren unterwegs, in einer Art Mission. Sie will die Leute erinnern, daß alle in Christus geborgen sind. Da sie seit Urzeiten das Gebet beherzigt, ist das kein abwegiger Gedanke.
Die Alte war vielleicht früher ein richtiger Feger. Das ist sie natürlich nicht mehr. Somit zeigt das Bildnis auch, daß ein Leben diverse Phase beinhaltet und somit frühere Phasen fast nicht mehr existent sind. Was bedeutet, daß ein Leben sehr sehr lange andauern kann. Und somit reich ist. Es ist nicht per se ein langweiliger Akt, dieses Leben, sondern beinhaltet womöglich ganz verschieden Phasen, was es, das Leben, sozusagen in die Länge zieht. Und somit voll macht.
Das Kopftuch ist merkwürdig hoch angelegt. Sicher hat die Frau nicht volles, üppiges Haar darunter. Das üppig Kopftuch macht so keinen Sinn. Sicher ein technische Fehler der Malerin. Ich kann mir sonst keinen Reim darauf machen.
Die Frau wirkt reichlich breit, der Stock ist zentral. sie hat ihre Ruhe im Stock gefunden. Ich kann verstehen, daß der Stock in mehrfacher Hinsicht eine Stütze ist. Ihre Stütze und ihr Fundament.
Noch mehr könnte man zu diesem Gemälde sagen, aber ich lasse es mal dabei bewenden.