Typisch Carlo

Da hat Carlo, als es zu heiss wurde, sein Hemd ausgezogen, nicht ohne vorher sein Handy aus der Hemdtasche aufs Autodach zu legen. Dann noch die Fotokamera auf dem Rücksitz etwas besser gelegt, sicherer. Denn sie war sein bestes Stück. Ohne seine Kamera wäre er verteufelt nackt – daher.

Er fuhr dann los, auf dem Weg wollte er noch Kuchen einkaufen. Wo, wusste er schon. Schönen Erdbeerkuchen. Denn gabs sicher bei seinem Favourite-Einkaufsmarkt.
Seiner Frau musste er nicht bescheid geben, sie würde sich sehr über den Kuchen freuen. Wo er doch sonst meist arg gedankenlos ist und so etwas vergisst. Diesmal aber nicht!
Pluspunkte gäbe das (aber nur, wenn das zur Routine würde).

Späterhin, nach der Ankunft, suchte er sein Handy. Das war weg, im ganzen Auto nicht zu finden. Natürlich auch nicht im Hemd. Da wo es ziemlich sicher gewesen wäre.

Nach dem Kuchen nebst Käffchen fuhr er zurück.
An der Strasse, wo er aufgebrochen, ja abgefahren war, lag es nicht!

Wie es sich herausstellte, lag es gute 2 km entfernt davon am Strassenrand. Nur ein gemächlicher Motorrollerfahrer konnte so etwas überhaupt im “Mud” entdecken.
Vielleicht auch wegen dem starken Rot der Hülle. So ein Rot, das man billig erwerben kann an Billigständen im Ausland. (Gold wollte er damals nicht).
Das Handy war eigenartigerweise nicht blockiert (was es ja eigentlich ständig ist), der Mann rief damit eine Frau an, eben die, die gerade mit Kuchen verwöhnt worden war und so kam es, daß Carlo noch am gleichen Tag sein Handy wiedersah.
Carlo fand den Typ sympathisch, der war überhaupt kein Troll, kein “Bauer” auch, ein ganz eigener Mensch, der “kaum zur Gegend passte”.
Ein Mensch aber, der sehr gut zu dieser Geschichte passt.

15 thoughts on “Typisch Carlo

  1. Diese Geschichte gefällt mir sehr gut, fein, wie sich die Erzähllinien kreuzen, entfernen und (zT) wieder finden (wie ja auch das Handy). Wie immer vollkommen unspektakulär erzählt, sachlich, sogar bei einem Erlebnis, das ja allerhand Aufregungspotential hätte. Ich mag das sehr. Ein Höhepunkt ist für mich diese Beschreibung des Finders:” der kaum zur Gegend passte“.

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  2. Also ich gehöre ja auch zu den Schussels. Das tollste Stück war der Schlüssel der Fewo, den ich auf dem Café Tresen liegen gelassen hatte. Auf dem Anhänger stand die Adresse. Diebe hätten sich gefreut. Doch ein aufmerksamer Security Mensch hatte den Schlüssel erstmal bei Seite genommen. Auf Umwegen kam dann der Kontakt zwischen ihm und mir zustande. Alles noch mal gut gegangen. wie immer bei mir.

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  3. O, wie ich das kenne! Sorgfältig sein, endlich mal nix vergessen (immer wieder glauben, man kriegt das hin), aber dann hat man doch vergessen, den Gartenschlauch, den man eben mal zum Bewässern an die Zitrone legte, abzustellen oder man hat den Schlüssel drinnen stecken gelassen oder man hat zwar alles wunderbar zubereitet, aber als dann das Telefon klingelte, ganz vergessen, dass das Essen auf dem Herd stand….

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    1. Das mit dem Gartenschlauch habe ich beim Nachbar entdeckt, da war er schon unterwegs in den Süden 😉
      Den Schlüsseldienst musste ich schon 2x rufen.
      Das mit dem Telefonklingeln… da rief mein Bruder mal an und als er auflegte, hatte ich kaum mehr Zeit, zum Bhf zu gehen und von dort zum Flieger. So war ich mir damals nicht sicher, ob ich alles überprüft hatte.

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  4. Da hatte Carlo aber die Ruhe weg und doppeltes Glück im Unglück… Handy wiedergefunden und vor allem wahrscheinlich auch noch einen Freund. Was braucht man(n) mehr.🙂

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  5. Handy weg, Leben weg scheint ja heute gesetzmäßig zu sein. Und tatsächlich – wen oder was erreicht, findet man denn noch ohne? Jetzt noch das ganze Ding reduziert als Chip und wir sind endgültig zum Maschinenmenschen geworden, zum Cyborg, ohne noch auf Science – fiction hoffen zu können.

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