Tagesgedanken XXVIII

Sich nicht ein X für ein U vormachen lassen.

Ich habe seit 6 Jahren ein neues Thema für mich, das sind die Insekten.
Obwohl ich fast täglich dran bin, kann es sein, daß ich etwas aus der Insektenwelt falsch deute. Das mag sein!

Ich hätte mich vor 6, 7 Jahren versteifen können, eine schon lange bestehende Leidenschaft noch weiter auszubauen. Dort, in diesem Feld, kann mir tatsächlich kaum einer ein X für ein U vormachen.

Aber es war für mich damals interessanter, ein weiteres Feld aufzumachen.

Ich finde das richtig.
Ich kenne einen Doktor der Biologie, der sich neben anderem nun intensiv der Physik widmet und zwar hardcore.

Einer meiner Leidenschaften ist auch Musik. Gerade in letzter Zeit greife ich das einst intensiv beackerte Feld wieder auf.

Gerda meinte einst lakonisch – und sinngemäss: “Dann ist man in keinem Feld richtig Experte“.

Das mag stimmen.

Aber was ich schon vor Jahrzehnten zu wissen meinte, ist, daß man, um eine weitere Tiefe in einem bestehenden Feld begehen zu können, man unverhältnismässig viel Energie reinstecken muß. Ich denke, das stimmt nachwievor.

Vor Jahren portraitierte ich hier auch ein, zwei, drei Leute, die in völlig verschiedenen Feldern “Meister” waren: Sport, Literatur und Kunst etwa.
Heute wäre ich nicht so scharf darauf: Man muss nicht etwa Boxer sein, Lyriker, Wissenschaftler ,Koch und Gartenexperte.
Darauf käme es nicht an. Nicht Experte in völlig disparaten Feldern. Aber offen sein für manches andere – neben seinen bisherigen Vorlieben.

15 thoughts on “Tagesgedanken XXVIII

  1. Es gibt die schöne Aussage: Zwischen den Extremen des Experten, der von nichts alles weiß und dem Universalisten, der von allem nichts weiß, gibt es zahlreiche Zwischenbereiche, in denen man das Wissen mit Genuss verbinden kann.

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  2. Ich bin noch lange keine Expertin, aber das ich mich mal so intensiv in das Thema Fotografie und Bildbearbeitung reinfuchse, hätte ich vor ein paar Jahren nicht geglaubt. Da habe ich mehr geknipst, aber auch das schon mit Leidenschaft. Trotzdem möchte ich keines meiner Hobbys zu verbissen angehen. Es soll ja auch noch Spaß machen

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    1. Expertin bist Du schon, wer denn sonst?!

      Was Verbissenheit betrifft: Das Fotografieren, die Bildbearbeitung und Bestimmung sowie das Veröffentlichen kostet schon ordentlich Zeit. Was ich da aufwende, sollte zeitlich nicht überschritten werden.

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  3. Es ist auch eine japanische, vielleicht auch allgemein fernöstliche Weisheit, dass man nicht auf zahlreichen Feldern dilettieren soll, sondern sich lieber auf eine Sache konzentrieren und hier die Meisterschaft anstreben soll. Das hat fraglos etwas für sich.
    Aber andererseits leidet unsere moderne Welt doch eher am Fachidiotentum. An der all zu frühen Spezialisierung. Daran, dass es kein Universalgenie (und ja, es muß ja nicht gleich ein Genie sein) mehr gibt und geben kann, weil dazu die Kenntnisse auf vielen Feldern einfach zu umfassend sind und die Vertiefung in entsprechender Weise gar nicht mehr zu leisten ist.
    Ein gesundes Interesse an vielen Erscheinungen der Welt scheint mir schon wichtig. Natürlich kann man nicht überall mit seiner Expertise glänzen, aber es gibt ja auch noch die Möglichkeit, einfach mal zuzuschauen, hinzuhören, eventuell nachzufragen. Jedenfalls, ob ich mich jetzt auf eines meiner Interessengebiete stürze oder mich auf unbekanntes Terrain wage, ist der Tag und noch mehr meine Leistungs- und Aufnahmebereitschaft viel zu beschränkt für – Alles!

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  4. Das sind interessante Überlegungen. Ja, jeder/jede hat so seine Lieblingsthenem und -gebiete.
    Am wichtigsten scheint mir jedoch dein letzter Satz zu sein: …offen sein für manches andere – neben seinen bisherigen Vorlieben. Das ist wohl das Wichtigste.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

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  5. “…..man unverhältnismässig viel Energie reinstecken muß.”
    Das sehe ich auch so, Gerhard. Und ich denke, dass ist keine schlechte Entscheidung, die Energie, die einem insgesamt zur Verfügung stehen, sinnvoll zu verteilen. Ansonsten könnte es ja schon ein wenig “ein”-tönig werden.

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  6. Meine Felder, die ich im Leben intensiver beackert habe, haben auch immer wieder gewechselt. Daher kann ich das, was du schriebst, gut nachvollziehen. Ich halte es heute mit dem guten alten Puhdys-Song:
    ………
    Jegliches hat seine Zeit
    Steine sammeln, Steine zerstreun
    Bäume pflanzen, Bäume abhaun
    Leben und Sterben und Frieden und Streit
    …….

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  7. Hab ich das gesagt? mag sein. Ich vermute, es zeugte von Selbsteinsicht, lieber Gerhard. Denn ich treibe mich gern auf vielen Feldern herum. Expertentum bedeutet in der Regel Konzentration auf ein Feld. Natürlich gibt es auch da, wie bei allem, die großen Ausnahmen, die den Boden gleichzeitig in Tiefe und Breite beackern. Dazu gehöre ich nicht.

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    1. Ich könnte dir die Stelle zeigen, liebe Gerda, aber egal 🙂

      Ich kenne jemanden, der sehr sehr viel Felder beackert, ein Renaissancemensch sozusagen und er würde Auskunft geben können über die Kultur der Kaffeebohne als auch Kant.

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