Da beißt die Maus keinen Faden ab

Diese Redewendung kommt mir immer wieder mal in den Sinn.
Ihre überraschende Herkunft ist in folgendem Artikel erklärt:

https://www.swr.de/blog/1000antworten/antwort/1155/woher-kommt-die-redewendung-da-beist-die-maus-keinen-faden-ab/

Ich verstehe sie persönlich immer so:
Da ist nichts zu ändern, da ist nichts daran zu rütteln.

Und woran ist nicht zu rütteln?

In meinem persönlichen Fall eine Neigung zu Zwangshandlungen, englisch kurz “OCD” benannt.
Schon als kleines Kind begleitete mich diese Verfassung fest verbunden und machte mir bisweilen sehr zu schaffen. Ständige Erstickungsängste z.b. führten dazu, daß ich aufgrund fehlender Leistungen eine Klasse wiederholen musste.
Ich beklage mich nicht – es ist eben ein Fakt:
Zwangshandlungen und Zwangsgedanken “reden bei mir mit”. Und gelegentlich ist auch ein Durchwehtwerden von abstrusen Gedankenfetzen und Gefühlen bemerkbar.

Gestern erst hatte ich den Gedanken, daß es allgemein eine weitverbreitete Mär ist, daß der Mensch völlig rational sein könne.
Ich denke, selbst den grössten Denkern begegnete Irrationales in sich. Unsere Gehirnorganisation ist eben derart, daß sie in der Lage sein kann, große Klarheit durch Nachdenken zu finden, aber sie lässt auch viel Widersprüchliches, Unausgegorenes, Verworrenes und Inkohärentes zu. Auch das findet seinen Wiederklang und Platz im neuronalen Gewirr. Zweifellos.
Einen Ausrottungskampf gegen das Irrationale im Menschen wird so zu einem Sisyphos-Kampf. Den sollte man getrost vergessen.

 

19 thoughts on “Da beißt die Maus keinen Faden ab

      1. Mit Zwang habe ich nicht zu tun, mit Ängsten sicherlich manchmal. Was ich dann mache? Unterschiedlich. Bewegen. Ruhig atmen, ganz bewusst (!) und das Wissen, das alles nur vorübergehend ist und sich wieder wandeln (und beruhigen) wird. u.a.

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  1. @K&G: Danke für diesen Artikel (von Zwängler zu Zwängler). **Den** Zwang gibt’s ja nicht. In einer entsprechenden Spezialklinik traf ich die unterschiedlichsten Ausprägungen, von der klassischen Trichotillomanie (zwanghaftes Haareraufen) über Menschen mit wahrhaft kosmischen (aber nicht: komischen) und zudem sexualisierten Zwangsideen bis hin zu der Person, die an keinem Bild nur **einmal** vorbeigehen konnte: Es musste schon zwei-, dreimal sein, notfalls legte sie in vollem Lauf den Rückwärtsgang ein, um nur ja “richtig” an dem Wandbild vorbeizugehen (Wobei vollkommen egal war, was auf dem Bild zu sehen war. Es ging nicht um Content, sondern um Form.)

    Generell geht es beim Zwang (laienhaft gesprochen) immer und ausschließlich um Form, in einer Ausschließlichkeit, die Außenstehenden sehr viel schneller “irre” (d. h. unheimlich, evtl. bedrohlich) vorkommt, als selbst die tiefste Depression. Traurig war schließlich jeder schon mal, und depressiv sein bedeutet dann eben einfach eine Steigerung von Traurigsein. Kann man irgendwie nachvollziehen. Aber die völlig sinnlose Wiederholung völlig sinnloser formaler Ordnungsvorgänge über Minuten, Stunden, ja halbe Tage – das ist ganz sicher vollkommen “verrückt”, das kann doch kein “normaler” Mensch nachvollziehen, oder?

    Vor ziemlich genau einem Jahr hab mal ein Stück Musik namens “Zwangsgedanke” komponiert, es passt gut in diesen Zusammenhang: https://wp.me/p1MYy1-69l

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  2. Lieber Gerhard, ich glaube, dass es gut ist sich mit allem so anzunehmen, wie man ist, auch mit dem Gedankenwirrwarr oder den einen und anderen zwanghaften Handlungen, ich muss zum Beispiel immer schnell aufräumen, weil ich Chaos um mich herum nur schlecht ertrage…
    herzliche Grüsse,
    Ulli

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    1. Ja, das “Unbedingt etwas so haben wollen” hat etwas Zwanghaftes, aber die richtig Zwangskranken, wie es oben Stefan Hetzel sehr schön beschrieb, haben diese Veranlagung noch mal “eine Kurvenwindung dicker”. Mir liegt jetzt nicht daran, meine manchmal kuriosen Zwänge, wie ich sie in ganz schlechten Zeiten hatte, einzeln aufzulisten. Das kann man nachlesen, es gibt nichts was es nicht gibt hier.

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