Als ich unlängst ein bestelltes Buch abholte, suchte ich mir ein zweites in den Beständen der kleinen lokalen Buchhandlung aus. So mache ich es fast immer.
Ich griff mir ein philosophisches Bändchen von Thomas Girst.
In 28 Betrachtungen schildert er den Umgang der Menschen mit Zeit.
Den Anfang macht der Briefträger Cheval, der “10000 Tage, 93000 Stunden, 33 Jahre Anstrengung” in den “Palais idéal” , einen surrealen Palast, , steckteden er in seinem ehemaligen Gemüsegarten errichtet hatte.
Von Menschen, die Zeitkapseln hinterliessen, deren Öffnung zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Zukunft stattfinden soll, berichtet er später.
Ewig lange Musikstücke (John Cage) und ewig zäh verlaufende Prozesse wie sich loslösende Pechtropfen aus einer Masse Pech finden ihre Erwähnung im Buch.
Dauer und Vergänglichkeit, das “Aroma der Zeit”, die Ästhetik von Abnutzungsspuren, all diese Qualitäten mäandern durch das Buch.
Die Rede ist auch von Schriftstellern wie Hölderlin, Marcel Proust und Robert Walser, die die letzten Jahre bzw. Jahrzehnte ihres Lebens völlig dem Schreiben widmeten, dabei in absoluter Klausur. Walser mutmasst dabei über die Empfindungen Hölderlins:
Alle Wünsche schlafen ein wie vom Spielen müde gewordene Kinder.
Unentschlüsselte Schriften und Unsagbares findet Platz im Buch, bevor Girst zum Schluß auf Unvollendetes zu sprechen kommt. Dessen Existenz schon in einem Zitat von Maurice Maeterlincks deutlich anklingt:
Sobald wir etwas aussprechen, entwerten wir es seltsam. Wir glauben in die Tiefe der Abgründe hinabgetaucht zu sein, und wenn wir wieder an die Oberfläche kommen, gleicht der Wassertropfen an unseren bleichen Fingerspitzen nicht mehr dem Meere, dem er entstammt. Wir wähnen eine Schatzgrube wunderbarer Schätze entdeckt zu haben, und wenn wir wieder ans Tageslicht kommen, haben wir nur falsche Steine und Glasscherben mitgebracht; und trotzdem schimmert der Schatz im Finstern unverändert.
Und damit konnte ich auch nun preisgeben, über welche Buchseite die sehr eilige Platanen-Netzwanze in einem meiner letzten Beiträge huschte.


interessant, mal sehen, was es wird, herzliche Grüße von mir zu dir, Klaus
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Ja, interessant!
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Du hast Recht, selbst aus den wenigen Buchstaben herauszufinden, um welches Buch es sich handelt, hatte zu viel Zeit erfordert, womit wir unfreiwillig beim Thema gelandet wären.
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Ich wollte den Artikel mit der Netzwanze nicht überladen. Das Buch hätte es nicht verdient, es ist ein wertvolles.
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Der Zahn der Zeit nagt an allem Vergänglichen, also auch an uns.
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Ja, so ist es!
Danke, Peter.
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Wen nicht?😉
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das klingt interessant! Zeit ist ein Thema, das mich ständig beschäftigt.
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