Der Höllenritt

Dies ist ein Artikel zu Christianes zweiter Schreib-Einladung.
Drei Worte müssen in einem Text mit max. 300 Worten verwendet werden.

Drache
edel
häkeln

Vor vielen Jahren war ich in Los Angeles, in einem der dortigen Vergnügungsparks.

Damals waren die dortigen Attraktionen für mich noch ganz neu. Eine solche war eine virtuelle Schreckensfahrt. Ich hatte Lust dazu.

Zwar stand draussen gut lesbar, daß man es nicht mitmachen sollte, wenn man ängstlich sei. Aber ich dachte, das sei reichlich übertrieben.

Man stieg in eine edle Kabine, die wohl für 6 Leute Platz hatte. Das Licht ging aus und die anfängliche Fahrt führte durch eine Art Park-Gelände, bis plötzlich die Fahrt senkrecht runter in einen Canyon führte, sozusagen in die Unterwelt. Dort tauchten allerlei Schreckensgestalten auf, Drachen, Echsen, wer weiß nicht was. Ich hielt ziemlich bald meinen gehäkelten Pullover hoch, ich wollte nichts sehen. Mir wurde richtig übel. Ich betete, daß bald alles vorbei ist.
Schnell vorbei war es jedenfalls nicht! Mir schlotterten doch etwas die Knie, als ich die Kabine verlies.

Viele Jahre später versuchte ich solch eine Schreckensfahrt auf einem Rummel erneut, aber das Ergebnis war dasselbe.
Ich konnte es nicht aushalten und schloss meine Augen schon recht früh. Daß ich mich dabei nicht übergeben habe, war ein Wunder.

Offenbar also nichts für mich!

Was mich zur Frage führt: Was gilt es erlebt zu haben, damit man mitreden kann?
So manche Leute erzählen von Grenzsituationen, die sie erlebt hatten. Von überaus exotischen Reisezielen oder auch von ungewöhnlicher Lebensform. Von allerlei Versuchen, mehr Lust zu erleben. Von magischen Retreats und dem Erleben von totalem Chaos.

Begnadete Schauspieler können bisweilen in diverse Rollen schlüpfen, vom dumpfen Menschen bis zum Philosoph, vom Lebemann bis zum verknöcherten Pedanten. Vielleicht können sie so einen Hauch des ihnen an sich Fremden empfinden. Und so das Spektrum des Menschseins ausloten.

30 thoughts on “Der Höllenritt

        1. Man ist nicht vorbereitet auf so etwas.
          Mein Bruder war Polizist, der hätte auch im privatem gewusst, was zu tun gewesen wäre.
          Es war letztlich nur eine unangenehme Situation. Und jemand der Beobachter war couragiert. Feiern wir das!

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  1. Lieber Gerhard, ich finde, ein wenig Gruseln gehört zu einem Vergnügungspark. Zum Glück hattest Du Deinen Häkelpulli dabei! Ich mach da allerdings schon einen Unterschied zwischen Katastrophen-Fans und normal Reisenden bzw. Vergnügungsparkbesuchern. Eine Katastrophe kann es leider überall geben, da muss man gar nicht unterwegs sein. Ein relativ neues Phänomen hingegen beunruhigt mich zutiefst: Heutzutage scheinen immer mehr Menschen eine perverse Lust darin zu finden, Unfälle, Naturkatastrophen oder Gewalttätigkeiten zu filmen. Das hat nichts mehr mit einem kleinen Nervenkitzel zu tun. Elisa

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  2. Die Sucht nach intensiven Erfahrungen, nach dem ultimativen Adrenalinkick? Haben ja viele. Aber ich kann ja noch nicht Bungeejumping etwas abgewinnen oder den schnellen Fahrgeschäften auf dem Rummel, der bei uns “Dom” heißt 😉
    Interessante Frage, die du da aufwirfst.
    Dunkelgrüße ☁️😷🍵🥤🍪

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      1. Auf den Michel hätte es auch einen Aufzug gegeben, aber du hast völlig recht: Wenn die Sicht einigermaßen klar ist, ist die Aussicht fantastisch. Von der Elphi übrigens auch.

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  3. “Das Spektrum des Menschseins ausloten” klingt interessant aber auch immens stressig. Das noch und das noch und das habe ich noch nicht erlebt und wenn das nicht war, ist alles andere nichts wert …

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  4. Ich kann dich sehr gut verstehen. Für mich sind solche Höllenritte auch nichts… Ich hatte mal einen guten Bekannten, der zu gerne mal eine Katastrophe miterlebt hätte – einen schweren Sturm, eine Flut, ein Erdbeben oder Vulkanausbruch. Er war stets neidisch auf mich, weil ich einmal in Florida einen Hurrikan am eigenen Leibe erfahren musste, obwohl ich ihm immer wieder versicherte, dass so etwas ganz und gar nicht lustig ist.

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    1. Mein Vater war dreimal in akuter Lebensgefahr, so etwas brauche ich auch nicht .
      Ich bin nur einmal in einem Festival von der nMasse gegen den Zaun gedrückt worden, da gab es kein Halten. Kurzfristig spürte ich Todesgefahr.
      Bei einem Hurrikan ist ja sicher jedwede Kontrolle weg, man ist ein Spielball. So war es doch sicher oder?!

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      1. Es war sehr unheimlich. Ich hatte mich in Orlando in einem kleinen Hotel am Ortsrand einquartiert. Man durfte das Zimmer nicht verlassen, musste die Badewanne vorsichtshalber mit Wasser füllen. Die Böen zerrten und rissen wild heulend am Haus und die Palmen des kleinen Parks bogen sich gefährlich. Alle Daumenlang leuchteten die Männer der Sicherheitspatrouille durch die Fenster, an Schlaf war nicht zu denken. Sintflutartige Regenfälle peitschten trommelnd gegen die Wände… Mich schaudert es immer noch, wenn ich daran zurück denke.

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