Unknown

Zeichnung von Gerhard M. , September 2021
Schwere Ballung


Eine Künstler-Geschichte bringe ich in Christianes neuen Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text Text soll die Worte “Schlick ominös putzen” enthalten.

*


Im Urlaub fiel es Ferdinand ein, einen gerühmten Bildhauer, der sein Atelier nicht weit von seiner Ferienwohnung hatte, aufzusuchen.

Ferdinand kannte seine künstlerische Richtung ein wenig, denn seine Frau Hermine besaß eines seiner Stücke. Er war auch dabei gewesen, als die Frau des Meisters es seiner Frau in einer Galerie verkaufte. Ominös war damals nur, daß der Bildhauer selbst nicht anwesend war.

Ferdinand und Hermine traten also nun in den Garten des Bildhauers ein. Unangemeldet. Spontan.

Plötzlich war eine Stimme zu hören. Es war wohl seine Stimme, die des Meisters. Sie drang von einer freistehenden Mauer herüber, hinter der er offenbar gerade seine Gartengeräte putzte.
Es entspann sich ein kleiner Dialog. Zu sehen war er selbst dabei nicht, zu keinem Zeitpunkt! Obwohl die Einfassung der Mauer nur vielleicht nur 50 cm betrug.

Zum Schluß verwies er auf seine Frau, die im hinteren Garten beschäftigt war.

Sie machte Ferdinand und seiner Frau auf und sie bestaunten in der Folge die Werke des Meisters, die wirklich aussergewöhnlich waren: Frisch, durchwirkt von fast magischer Kraft. Ein Traum an Kreativität!

Schliesslich kauften sie etwas Mittelgrosses – Ferdinand war es, der eigentlich darauf drängte.

Ferdinand kramte im Studio des Meisters die ganze Zeit im Schlick seiner Erinnerungen: An ihn als Person, auch von Fotos her, konnte er sich nicht erinnern. Seine Frau dagegen war ihm gleich wieder vertraut gewesen. Eine wunderbare, ältere Frau mit Grazie.

Als sie das Anwesen unter vielen Wünschen verliesen, war der Schöpfer des Ganzen wiederum nicht zu sehen. Weit und breit keine Regung.
Plötzlich sah Ferdinand einen Hinterkopf im Garten, den konnte er gerade noch so in etwa erhaschen.

In diesem Kopf des Meisters also … waren all diese wirklich großartigen Dinge entstanden !!

Vielleicht hatte er recht, daß er sich nicht zeigte. Seine Werke waren – vielleicht – in einem Fluidum entstanden und hatten mit ihm, seiner Person, eigentlich nichts zu tun.
So kann man es sehen – und so sah er es wohl selbst, vermutete Ferdinand.
Ein wahrlich großer Künstler, ohne Gesicht. Nur in seinen Werken zeigte es sich.

13 thoughts on “Unknown

  1. Another wonderful drawing – the rounded shapes are very appealing. Your line has life – the shapes look like they really want to burst out – there’s a wonderful tension. I remember a life drawing class from maybe 50 years ago, when the teacher explained how even the slightest curve of a line outward could make the body more alive, (and usually more attractive) while even a little inward curve on a line could make the body look thin or unhealthy. Very subtle changes in the quality of a line can have a big impact on the drawing. Of course, an inward curve has its place but here, the way your lines describe the shapes gives a feeling of something pushing from within, of growth.
    I hope that makes sense!
    And this time, I can understand the story pretty well, and I like it. 🙂

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    1. Wonderful, this memory of the teacher. Apparently, he said something very true. One gets the impression that these people really wanted to convey something.

      My story still keeps me busy.
      I didn’t expect much when I entered the garden and the gallery, but I was affected almost as much as I was by Jean Ipoustéguy, whose works I saw in the early 90s. It was all much more powerful than I had thought.

      This time translated. 🙂

      Liked by 1 person

  2. Der grosse Unbekannte. Ja, eigentlich müsste ein Werk ohne den Autor oder die Künstlerin wirken, ganz aus sich heraus. Aber neugierig, wie wir nun mal sind, interessiert uns eben auch der oder die, welche/r hinter dem Geschaffenen steht.
    Bei manchen Büchern bin ich nicht unglücklich, wenn ich nicht viel über die Autor/innen weiss.
    Eine unsympathische Person mit einem unsäglichen Lebenswandel kann den ansonsten guten Leseeindruck deutlich schmälern…
    Lieben Montagsgruss,
    Brigitte

    Liked by 1 person

    1. Ja, das stimmt.
      Er scheint mir eher wie der lautere Mönch in einer bekannten Erzählung zu sein , der auf jede zugedachte Anschuldigung nur immer sagt: “ist das so?”
      Liebe Grüße Gerhard

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  3. Ein bescheidener Mann, der seine Arbeiten höher schätzt als sich selbst und sich nicht in den Mittelpunkt stellen will? 🤔
    Es gibt viele Künstler, habe ich mir sagen lassen, die furchtbar schlechte Verkäufer ihrer Werke sind, weil es ihnen einfach nicht liegt. Mir leuchtet das sofort ein. 🤔😏
    Danke dir, sehr interessant!
    Frühabendgrüße 😁☁️🌻☕🍪👍

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    1. Man sagt sich wohl: Entweder sagt das Werk zu oder nicht. Bestenfalls würde ich etwas zu denjeweiligen technischen Schwierigkeiten eines Objekts sagen, aber mehr um ein Gefühl zu liefern, an was es scheitern hätte können.

      Die Frau des Meisters übernahm aber gerne die Präsentation. Sie war sehr zurückhaltend.
      Alles andere hat ja auch keinen Sinn.

      Schönen Abend Dir, Christiane

      Liked by 1 person

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