Die Zahl an Kontakten

Notizbuchzeichnung etwa 2015

Dank Christiane geht es wieder mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von kommunikatz.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Pilze
traurig
schlafen

*

Mir sind Leute bekannt, die sehr viele Leute kennen und durchaus einiges über sie wissen. Auch wie diese untereinander vernetzt sind.
Das ist so, als würde man im Wald nicht nur einzelne Pilze, in einer Ansammlung von ihnen, unterscheiden können, sondern auch das unterirdische Geflecht dieser kennen.
Mir selbst ist das fremd oder anders gesagt, es würde mich überfordern.
Ich bin nicht traurig darüber, das nicht zu können. Und auch nicht zu müssen.
Wie ich in Wikipedia nachlas, ist die maximale Zahl an solchen Kontakten 150. Will man mehr schaffen, muß man wohl viel schlafen, damit sich das Gehirn erhole.
Zwei, drei Leute kenne ich, die wohl in Frage kämen, diese Zahl von 150 zu überprüfen. Diese sind m.E. rastlos damit beschäftigt, ihre Kontakte am Leben zu erhalten, es ist das Salz ihres Lebens.
Zwar habe ich den einen oder anderen schon mal klagen gehört, daß es ihm eigentlich zuviel sei mit den vielen Menschen und ihren ganz eigenen Schrullen und Besonderheiten, aber auf der anderen Seite brauchen sie genau das “to keep going”, wie der Engländer wohl sagt.

Gerade fällt mir ein, was mich mehr freuen könnte als eine solch hohe Zahl: Etwa, daß man Leute völlig verschiedener Couleur kennt.
Und siehe da, ich unterhalte mich gerne mit einem Bodybuilder über Kai Greene. Mit einem Leser über E. Heidenreich. Mit einem Schachspieler über P. Benkö. Mit einem Insektenforscher in Tirol über seine Sammlung. Mit einem Kunstfreund über Asger Jorn. Mit einem Musiker über sein Instrument. Mit einem Politiker über seine Themen. Und dergleichen mehr.
Man kann mich da belächeln, zu Recht sicherlich, aber fast jedes Thema reizt mich, auch wenn ich wenig bis gar nichts bis dato davon weiß. Leben ist spannend, es gibt so viel davon.
Aber ab und an muß man sich auch zurückziehen und wieder zur Besinnung kommen.

*

300 Worte


33 thoughts on “Die Zahl an Kontakten

  1. Oh ja, mich überfordern zu viele Kontakte auch. Gedächtnismäßig kriege ich die schon sortiert, aber es ist mir einfach zu mühsam und umständlich. Ich fokussiere mich viel lieber auf einzelne Menschen, statt in der Masse unterzugehen.
    Eine schöne Verwendung der Wörter!

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  2. Gut geschrieben bzw. gut gesagt. Besonders die letzten Sätze sagen mir zu. Es ist doch schön, über den eigenen Tellerrand zu gucken und sich mit Leuten aus ganz anderen Metiers zu unterhalten. Heute ist mir Qualität lieber, als Quantität.

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    1. Gottseidank, Ule!
      Mir hat schon geschwant, daß sich jemand beschwert, weil ich Kontakte zeichnerisch fast wie “Würmer” darstelle. Doch dies war Zufall und ich sage dem möglichen Kritiker schon jetzt, daß ich Menschen nicht so ansehe.

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  3. Ich habe anderes, zum Teil bestimmt auch Besseres zu tun, als Kontakte zu pflegen, die mich nicht interessieren – sowieso bin ich eher introvertiert. Okay, ich spreche nicht von Höflichkeit, das ist selbstverständlich. Aber mich interessieren Menschen, nicht Status.
    Beruflich allerdings gewinnen die Leute mit dem dicken Adressbuch oft.
    Nachdenkliche Abendgrüße
    Christiane 😉

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    1. Christiane, diese Leute (von denen ich sprach), interessieren sich ja eigentlich für den anderen, aber ihr Salz (oder Zucker) ist es eben auch , möglichst viele zu kennen und sie scheinbar auch sehr gut.
      Die Frage ist nur: Kennt man sie wirklich? Und was kostet es an Aufwand, all diese Kontakte zu pflegen?!

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      1. Kann ich dir aus meiner Sicht ganz schnell beantworten: Nein, man kennt sie nicht, es sei denn, man erwischt welche, wo die Reaktionen den eigenen ähneln, dann meint man, sie zu “kennen”. Und der Aufwand ist riesig. Dafür muss man gestrickt sein, dass einen das nicht zu Tode nervt … 😉🍷

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  4. Die Motivationen sind so verschieden wie die Menschen.
    Deine Beschreibung, wie sehr du dich der Vielfältigkeit von Interessen erfreust, sagt mir sehr zu, und dass du die Thematik auch noch mit den Etüdenworten verbunden hast, erst recht.

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  5. Belächeln kann man es nur in anerkennender Art und Weise wenn jemand sich in vielen verschiedenen Blasen und Bereichen bewegt. Ich finde das überaus bereichernd. Wenn jemand aber glücklich dabei ist, bei seinen Kontakten die Quantität über die Qualität zu stellen, ist das ja auch in Ordnung.

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  6. Lieber Gerhard, mit der Anzahl Deiner Beiträge läufst Du diesmal ja zu Höchstform auf. Ich staune und lese mit Begeisterung.
    Die Vielfalt erkunden und versuchen zu verstehen unter den Menschen – so wie Du es auch mit “Deinen” Insekten machst, ich glaube das ist Dir in Fleisch und Blut übergegangen. Und ich bin sehr froh, dass ich Deine Bilder und Deine Gedanken sehen kann.
    LG Werner

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    1. Das ist eine überbordend positive Resonaz, lieber Werner! Du weißt, wer hoch steigt, für den ist der Fall tiefer.
      In dem Zusammenhang fällt mir der zurecht gehypte Komponist Nicolas Jaar ein, der , als er überall, so 2012 rum, angefragt war, einen Song schrieb “Dont believe the hype”.
      Nun ist es ruhiger um ihn geworden, obwohl er nachwievor klasse Material rausgibt.

      Vielen Dank!
      Schönen Tag Dir!

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