Lucian Freud

Der Maler Lucian Freund ist mir länger schon bekannt, besitze ich doch einen gewichtigen Katalog über seine Werke.

Den Film “Lucian Freud: Ein Selbstportrait. Exhibtion on Screen” sah ich mir unlängst in unserem Arthousekino an. Er ist begleitend zu einer Ausstellung in London, die im Januar zuende ging, erschienen.

Der von David Bickerstaff gedrehte Film zeigt ziemlich chronologisch Freuds Leben auf.


Das was ich vom Film erinnere:

Der in Nazideutschland groß gewordene Maler, ein Enkel von Sigmund Freud, emigrierte 1933 mit seinen Eltern mit 11 Jahren nach England.

Als kleines Kind war er im übrigen eine Leitfigur unter Gleichaltrigen gewesen, in der Familie der absolute Vorzeigesohn, mit mehr Talenten gesegnet als seine Geschwister.

In England angekommen, tat sich Lucian sehr schwer. Zwei Kunst-Eliteschulen verlies er bzw. wurde dort nicht mehr geduldet.
Irgendwann fand er Anschluß zu einem dritten Zirkel und da zu Kunstfreunden, entwickelte einen frühen Stil, der in Anlehnung an sein direktes Umfeld gedieh.

Mit etwa 20 (etwa 1942) lies er sich auf ein Armeeabenteuer ein, das er aber nach 3 Monaten hinter sich lassen konnte und wieder zur Kunst zurückkehrte.

Lucian war ein sehr charismatischer Mann, der Frauen anzog wie kein Zweiter. Sein intensiver Blick, “his stare”, seine offenbare Intelligenz und Tiefe sowie eine kontrastierende Weichheit schien zu elektrisieren.
Frauengeschichten fing er aber erst mit 22/23 an, seine Kunst zu entwickeln war ihm vorrangig.

Die Verbindung zu Frauen war für jene, die eine Partnerschaft oder Ehe wünschten, von Enttäuschung geprägt. Obwohl Lucian jeweils sehr an der Persönlichkeit der Frauen interessiert war, wollte er zugleich keine Bindung.

Bis zum Alter von etwa 32 zeigt der Film einzelne Werke und Werkphasen sehr präzise und untermalt diese mit passenden biographischen Notizen.
Auch für den frühen Vierziger verfährt der Film so. Dann springt er für mich recht schnell zu Anfang 50 und darüber hinaus.

Ein berühmtes Selbstbildnis und um die ging es hauptsächlich im Film, zeigt ihn dann als nackten Siebzigjährigen mit Malstiefeln und Palette.

Das Alter beginnt ihn jenseits seines 60ten Geburtstags thematisch stärker zu interessieren. Es gibt ab da vermehrt Selbstportraits. Es geht ihm da auch um den Bezug zur Umwelt, etwa auch zu seinen 2 Kindern.
Die Distanz, die er da spürt, ist schmerzlich.

Der unermüdlich arbeitende und nach seinem Bekunden langsame Maler starb mit 88 Jahren.

Es gab im Film Bewertungen seines Schaffens durch Experten. Manche sahen ihn in einer Linie mit Rembrandt und Dürer. Zumindest würde sein Oeuvre die Werke dieser alten Meister in neuem Lichte sehen lassen!
Obwohl unstrittig ein großer Maler, eine überaus schillernde Persönlichkeit, tue ich mich persönlich mit solchen Superlativen schwer. Es ist nicht nötig, Lucian Freud allzu zu erhöhen. Sein Werk steht für sich, es ist erhaben, aber Vergleiche mit den Grössen der Kunstgeschichte müssen nicht sein.

15 thoughts on “Lucian Freud

    1. Die Verbindung Charisma und große Fertigkeit nimmt einen für ihn ein.
      Wie es war, ihn als Freund zu haben oder als Vater, das steht auf einem anderen Blatt. Aber das muss uns auch nicht interessieren.

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        1. Ich gebe Dir recht.
          Aber Wettbewerb gibt es in der Evolution und natürlich im Tierreich. Von den ersten Zellverbänden an.
          Was es braucht, damit es der Menschheit gut gehen kann? Darauf gab es in den Jahrtausenden bisher keine nachhaltige Antwort. Zumindest nicht allgemein.
          Leider.

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        2. Für mich ist dieses Thema wichtig.
          Vielleicht gab es vor zig Millionen Jahren eine Chance, als sich die mehr friedliebendenen Bonobos und die mehr agressiven Schimpansen paarten. Aus diesen wohl meist Übergriffen seitens der Schimpansen resultierte ein Genpool, in dem die Beiträge/Genabschnitte der Bonobos allmählich verlorengingen, WEIL sie evolutiv nicht erfolgreich waren. Diejenigen pflanzten sich fort, bei denen die Gene der Schimpansen in der Oberhand waren.
          Die Evolution suchte sich sozusagen die Fittesten.

          Ich würde wünschen, jetzt und an dieser Stelle, wenn man heute die Wahl hätte, auf diese Dinge Einfluss zu nehmen. Wir sind im Grunde intelligent genug, uns aus dem Korsett der Evolution herauszubewegen.

          Entschuldige, dass ich das nochmal aufgreife.

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          1. Ich sehe keinen Grund, dich dafür zu entschuldigen, Gerhard.
            Die Frage, was man tun kann, um den Menschen Aggression und Gier abzugewöhnen (und Wettbewerbstrieb gehört mit in diesen Komplex), ist doch wichtig. “Survival of the fittest” gehört jedoch für mich in den Bereich Natur und Genetik, während Profilierungssucht/Wettbewerb eher ein psychologisch- kulturelles Phänomen ist, in dem erziehungs- und politikwissenschaftliche Fragen dominieren.
            Ich vermute, “sich aus dem Korsett der Evolution hinauszubewegen” bedeutet für dich nicht, gentechnisch das “Wettbewerbs-/Aggressionsgen” abzuknipsen, sondern eher auf dem Weg der Einsicht in politische Zusammenhänge für Verhaltensänderung zu sorgen. Aber das haben schon seit so langer Zeit so viele versucht, dass mein Optimismus in dieser Frage arg gerupft aussieht.

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